Schlittschuhattacke

Schlittschuh-Tritt gegen Rüfenachts Kopf: Schweizer Verband kann nichts tun

© Schneider Patrik

Die Schweizer müssen sich vor dem wegweisenden Duell gegen Gastgeber Frankreich mit Dingen beschäftigen, die im Eishockey nichts zu suchen haben.

An ihrem spielfreien Tag vor dem heutigen Duell gegen Gastgeber Frankreich (20.15 Uhr) gingen nur wenige Spieler der Schweiz aufs Eis. Der Grossteil der Cracks, die noch am Abend zuvor gegen Norwegen (3:0) im Einsatz gestanden waren, begnügten sich mit aktiver Erholung neben dem Rink. Darunter auch der Berner Thomas Rüfenacht. Er war bei den Medienvertretern einer der gefragtesten Spieler. Nicht nur, weil er und seine Sturmlinien-Kollegen Cody Almond und Reto Schäppi gegen die Norweger eine starke Darbietung gezeigt hatten, sondern vor allem wegen seines Zusammenstosses mit dem Slowenen Ziga Jeglic, der für seine Schlittschuhattacke gegen Rüfenacht für zwei Spiele gesperrt worden war.

Keine Rekursmöglichkeit

Allgegenwärtig war nicht nur beim Opfer der Attacke, sondern eigentlich in der ganzen Eishockeywelt, das Unverständnis über die verantwortungslose Aktion Jeglic’. Aber fast noch mehr über das skandalös milde Urteil. Rüfenacht tat der Hoffnung kund, dass die Sperre vielleicht doch noch deutlich verschärft wird. Raeto Raffainer, der Direktor des Schweizer Nationalteams, versuchte derweilen, die rechtlichen Möglichkeiten abzustecken.

Er musste ernüchtert zu Kenntnis nehmen, dass der Schweizer Verband gemäss Reglement gar keine Rekurs-Möglichkeit hat. Raffainer: «Wir können nichts tun, weil wir in diesem Fall nicht angeklagt sind. Es geht nur um die Aktion des Slowenen. Also könnte nur der slowenische Verband das Urteil an den Internationalen Sportgerichtshof weiterziehen.» Was absurd tönt, ist offensichtlich Tatsache. Rüfenacht war zwar das Opfer der Aktion und somit verwickelt, aber eben nicht der Hauptdarsteller. Für Raeto Raffainer ist aber klar: «Solche Kickbewegungen gegen andere Spieler haben in unserem Sport nichts zu suchen.»

«Wir können nichts tun, weil wir in diesem Fall nicht angeklagt sind.»

Raeto Raffeiner

 «Wir können nichts tun, weil wir in diesem Fall nicht angeklagt sind.»

Rein sportrechtlich gesehen standen die Chancen – Stand Montagabend – also gut, dass der Slowene schon am Mittwoch im Spiel seiner Mannschaft gegen Finnland in Paris wieder auf dem Eis steht. Es ist kaum anzunehmen, dass die Disziplinarkammer der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) auf ihr Urteil zurückkommen wird. Selbst wenn nach der Bekanntgabe der Sperre die Drähte heiss liefen und plötzlich noch einmal die Meinungen der anderen Nationen eingeholt wurden. Offensichtlich wurde auch die IIHF vom öffentlichen Sturm der Empörung auf dem falschen Fuss erwischt.

Jeglic könnte theoretisch auch noch von strafrechtlicher Seite Ungemach drohen, wenn ein französischer Staatsanwalt seine Aktion gegen Rüfenacht als Offizialdelikt beurteilt – zum Beispiel als versuchte, schwere Körperverletzung. Davon ist allerdings nicht auszugehen. Interessant auch: Zivilrechtlich kann der Schweizer seinen slowenischen Kontrahenten mit Sicherheit nicht belangen. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass er sich bei der Aktion nicht verletzt hat. Nur, wer in irgendeiner Form einen Schaden erleidet – ob körperlich oder materiell – kann Klage einreichen.

Wegweisendes Frankreich-Spiel

Für Thomas Rüfenacht im speziellen und das Schweizer Nationalteam im Allgemeinen ging es am freien Tag aber vor allem darum, die Gedanken wieder auf das Wesentliche zu lenken: das nächste WM-Spiel gegen die Franzosen. Dieses Duell ist für den weiteren, sportlichen Verlauf des Turniers schliesslich ziemlich wegweisend. Mit einem Sieg könnte die Mannschaft von Nationaltrainer Patrick Fischer einen wichtigen Schritt Richtung Viertelfinal-Qualifikation vollziehen. Darum geht es letztlich – Skandal hin oder her. 

Frankreichs hat Finnland überraschend geschlagen.

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