Wieder nichts. Wieder haben es die Schweizer nicht geschafft, ein K. o.-Spiel erfolgreich zu gestalten. Als laste ein Fluch auf ihnen. Diesmal ist nicht eine Unachtsamkeit in der Verlängerung wie gegen Argentinien der Grund, nicht ein verschossener Penalty wie gegen Polen, nicht ein blutleerer Auftritt wie gegen Schweden.

Stattdessen: Die Sonderklasse Cristiano Ronaldos. Sein Freistosstor in der 25. Minute öffnet Portugal ein erstes Mal die Türe für den Final in der neu kreierten Nations League. Und als sich alle beim Stand von 1:1 auf die Verlängerung einstellen, macht er noch zweimal, was er am besten kann.

Mit einem Doppelschlag in der 88. und 90. Minute bringt er die Portugiesen definitiv in den Final; damit totalisiert Ronaldo, dieser sagenhafte Fussballer, sagenhafte 88 Länderspieltore. Und für die Schweiz bleibt das unbeliebte Spiel um Platz drei am frühen Sonntagnachmittag gegen den Verlierer der Partie England gegen Holland.

VAR bringt die Schweiz ins Spiel zurück

Dabei ist es eine Verwirrung, die die Schweiz erst zurück ins Spiel gebracht hat. Es läuft die 54. Minute, als der deutsche Schiedsrichter Felix Brych Foulpenalty für Portugal nach der regelwidrigen Intervention von Fabian Schär an Bernardo Silva pfeift.

Aber weil es in der Szene davor eine strittige Aktion von Nélson Semedo an Steven Zuber im Sechzehner der Portugiesen gegeben hat, greift der Video Assistant Referee (VAR) ein, den die Uefa erstmals in einem Pflichtspiel auf Nationalteam-Ebene einsetzt.

Und prompt nimmt dieser anhand der verschiedene Kameraeinstellungen entscheidenden Einfluss, weil er Brych instruiert, Foulpenalty für die Schweiz zu geben; diesen verwandelt Ricardo Rodriguez in der 57. Minute mit etwas Glück. 1:1 steht es da, 1:1 statt 0:2.

Couragierter Auftritt

Die Schweiz ist damit wieder in der Partie drin, die Portugiesen auf dem Platz hadern, noch mehr toben die Zuschauer auf den Rängen des ausverkauften Estadio do Dragão. Der Ausgleich ist zu diesem Zeitpunkt der verdiente Lohn für einen couragierten Auftritt der Mannschaft von Vladimir Petkovic, dessen Formation an diesem Abend keine Überraschung beinhaltet; ein Zweitorerückstand hätte kaum dem Gebotenen entsprochen. Danach entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe, mit Möglichkeiten auf beiden Seiten, vor diesem Zeitpunkt sind es jedoch die Gäste gewesen, die sich aktiver zeigen.

Die Schweizer haben sich nämlich viel vorgenommen gegen den Europameister, sie wollen frech sein, sich nicht verstecken, Portugal ärgern. Wer in der Halbfinal gekommen ist, der will am späten Sonntagabend das Endspiel bestreiten.

Wie ein Wiesel

Und die Schweizer liefern in der ersten Halbzeit, sie bestimmen das Spiel über weite Strecken, haben mehr Ballbesitz, aber sie erzielen kein Tor. In der 3. Minute scheitert der auffällige Xherdan Shaqiri aus spitzem Winkel an Rui Patrício.

Später ist es Haris Seferovic, der einen Kopfball verfehlt und einen zweiten zu wenig gefährlich aufs Tor bringt. Vor allem funktioniert das Spiel über die rechte Seite, wo Mbabu in einer Viererkette verteidigt und diese für Angriffe immerzu verlässt wie ein fleissiges Wiesel.

Einmal bringt der starke Mbabu kurz vor der Pause den Ball so gut herein, dass Seferovic aus aussichtsreicher Position ihn direkt nimmt und mit seinem Abschluss die Latte streift. Aber eben.

Der Anfang vom Ende

Da ist diese eine Szene in der ersten Halbzeit, die neben einer anderen Ronaldo-Chance in der 12. Minute nach einem Fehler Manuel Akanjis quasi alles auf den Kopf stellt. Es ist die Szene, die das Stadion in Porto wie am Schluss beben lässt.

Ronaldo darf sich in der 25. Minute den Ball nehmen für einen Freistoss, der im Prinzip keiner sein darf; Mbabu hat im Zweikampf mit dem Superstar den Ball gespielt. Die Distanz ist mit etwas mehr als 20 Metern gefährlich, Ronaldo nimmt Anlauf, steht breitbeinig hin, wie er das immer tut.

Der Superstar schiesst den Ball scharf, dieser wird zum Geschoss, geht durch die Mauer hindurch und schlägt hinter dem regungslosen Yann Sommer im Tor ein. Es ist der Anfang vom Ende, aber so bitter wie die Niederlagen an einem Grossanlass ist es nicht.

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