Nations League
Schlecht belohnt: Die Schweiz verliert den Nations-League-Halbfinal gegen Portugal durch einen Ronaldo-Dreierpack mit 1:3

Die Schweizer Nationalmannschaft verliert den Halbfinal der Nations League in Porto im Estádio do Dragão mit 1:3. Obwohl das Team von Vladimir Petkovic dem Favoriten und Europameister aus Portugal über weite Strecken mindestens ebenbürtig ist, unterliegt die Nati am Ende. Wie so oft ist es Cristiano Ronaldo, der mit drei Treffern den Unterschied in diesem Duell ausmacht.

Christian Brägger (Text), Julian Förnbacher (Ticker)
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Im Halbfinal endet der Weg der Schweiz in der Nations League, gegen die starken Portugiesen und einen noch stärkeren Ronaldo kassiert Yann Sommer gleich drei Tore.
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Nations League, Portugal - Schweiz (05.06.2019)
Lange konnte die Schweiz mithalten, brach aber in den letzten paar Minuten komplett ein. An diesem 1:3 wird die Mannschaft wohl noch lange zu knabbern haben.
Und am Schluss zeigte er der Schweiz endgültig den Meister: Mit dem 1:3 lässt Ronaldo sämtliche Schweizer Hoffnungen auf den Finaleinzug platzen.
Kapitän Granit Xhaka gibt sich in den letzten paar Spielminuten besonders Mühe - will er es doch verhindern, einen ärgerlichen Gegentreffer zu bekommen oder gar in die Verlängerung gehen zu müssen.
Auch Xherdan Shaqiri (l.) probiert alles, um an Nélson Semedo vorbeizukommen.
Doch wenige Minuten vor Schluss fällt er halt eben doch, der bittere Gegentreffer. Erneut überstrahlt Ronaldo alle und erzielt das 2:1.
Die Schweiz spielt gut - doch manchmal braucht man eben auch etwas VAR. Felix Brych schaut sich die strittige Szene ganz genau an...
...und spricht der Schweiz einen Elfmeter zu. Diesen verwandelt Ricardo Rodríguez eiskalt, die Schweiz gleicht zum 1:1 aus.
Das 1:1 versetzt nicht nur diesen Fan in Höchststimmung. Die Schweiz ist wieder im Spiel.
Die Spieler feiern ihr gelungenes - und äusserst verdientes - Comeback.
Das Höhenduell gewinnt meist der Spieler, der am höchsten zu springen weiss. Und wem das ganz besonders liegt, wissen wir spätestens seit seinem Torjubel...
Denn sie wissen nicht was sie tun: Fabian Schär (l.) und Raphaël Guerreiro kneifen im Duell beide die Augen zu.
Zur Halbzeit steht es 1:0. Doch die Schweiz glänzt: 10 Schüsse (Portugal: 4), 58% Ballbesitz, 86% Passgenauigkeit (Portugal: 84%). Die zweite Halbzeit könnte spannend werden.
Kurz vor der Pause möchte Xherdan Shaqiri es Ronaldo gleichtun, doch die Mühen der Nati werden nicht belohnt.
Die Schweiz strauchelt - könnte man meinen. Doch vom frühen Gegentreffer lassen sich Granit Xhaka (l.) und Kevin Mbabu (r.) nicht beeindrucken.
Die Schweiz zeigt Biss: Raphaël Guerreiro kann Denis Zakaria (r.) nicht vom Ball trennen.
Die Schweiz weiss zu überzeugen, liegt in so ziemlich allen Bereichen vorne und hat unter anderem schon sieben Schüsse abgegeben. Ronaldo ist alles andere als zufrieden.
Doch nach knapp 25. Spielminuten lässt sich der Superstar Cristiano Ronaldo nicht mehr aufhalten: Per Freistoss netzt der Juventus-Spieler zum 1:0 für Portugal ein.
Völlig dem Spielgeschehen entgegen muss Torhüter Yann Sommer früh hinter sich greifen - und die Schweiz liegt im Rückstand.
Verteidiger Kevin Mbabu wirkt in der feiernden Menge etwas verloren: Zu gerne hätte der ehemalige YB-Spieler auch mitgejubelt - doch (leider) ist Mbabu kein Portugiese.
Des einen Leid ist des anderen Freud: Ronaldo (M.) freut sich mit seinem Teamkollegen gerade so, als hätte er soeben das erste Tor seiner Karriere geschossen.
Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Tore. Cristiano Ronaldo: Stark, unaufhaltbar, der Superman des Rasensports, in anderen Sphären unterwegs als der ganze Rest.
Bruno Fernandes im Duell mit Granit Xhaka (r.): Das Spiel ist von Anfang an kampfbetont, doch noch hat Schiedsrichter Felix Brych alles im Griff.
Das kann man von den beiden Mannschaften leider nicht behaupten: Auf beiden Seiten kam es schon zu eindeutigen Chancen. Vladimir Petkovic beäugt das Spielgeschehen deswegen kritisch.
Im Halbfinal gegen Portugal geht die Schweizer Nationalmannschaft nicht als Favorit ins Spiel - doch das muss kein Nachteil sein.
Im Heimspiel geht es für die Portugiesen um alles.
Haris Seferovic bereitet sich auf das Spiel vor. Mit Portugal kennt sich der Benfica-Spieler bestens aus.
Auch der frischgebackene CL-Sieger Xherdan Shaqiri ist bereit: Ronaldo? Kann ihn nicht schocken.
Gebannt warten die mitgereisten Fans in Porto auf den Anpfiff des Spiels.

Im Halbfinal endet der Weg der Schweiz in der Nations League, gegen die starken Portugiesen und einen noch stärkeren Ronaldo kassiert Yann Sommer gleich drei Tore.

Keystone

Wieder nichts. Wieder haben es die Schweizer nicht geschafft, ein K. o.-Spiel erfolgreich zu gestalten. Als laste ein Fluch auf ihnen. Diesmal ist nicht eine Unachtsamkeit in der Verlängerung wie gegen Argentinien der Grund, nicht ein verschossener Penalty wie gegen Polen, nicht ein blutleerer Auftritt wie gegen Schweden.

Stattdessen: Die Sonderklasse Cristiano Ronaldos. Sein Freistosstor in der 25. Minute öffnet Portugal ein erstes Mal die Türe für den Final in der neu kreierten Nations League. Und als sich alle beim Stand von 1:1 auf die Verlängerung einstellen, macht er noch zweimal, was er am besten kann.

Mit einem Doppelschlag in der 88. und 90. Minute bringt er die Portugiesen definitiv in den Final; damit totalisiert Ronaldo, dieser sagenhafte Fussballer, sagenhafte 88 Länderspieltore. Und für die Schweiz bleibt das unbeliebte Spiel um Platz drei am frühen Sonntagnachmittag gegen den Verlierer der Partie England gegen Holland.

VAR bringt die Schweiz ins Spiel zurück

Dabei ist es eine Verwirrung, die die Schweiz erst zurück ins Spiel gebracht hat. Es läuft die 54. Minute, als der deutsche Schiedsrichter Felix Brych Foulpenalty für Portugal nach der regelwidrigen Intervention von Fabian Schär an Bernardo Silva pfeift.

Aber weil es in der Szene davor eine strittige Aktion von Nélson Semedo an Steven Zuber im Sechzehner der Portugiesen gegeben hat, greift der Video Assistant Referee (VAR) ein, den die Uefa erstmals in einem Pflichtspiel auf Nationalteam-Ebene einsetzt.

Und prompt nimmt dieser anhand der verschiedene Kameraeinstellungen entscheidenden Einfluss, weil er Brych instruiert, Foulpenalty für die Schweiz zu geben; diesen verwandelt Ricardo Rodriguez in der 57. Minute mit etwas Glück. 1:1 steht es da, 1:1 statt 0:2.

Couragierter Auftritt

Die Schweiz ist damit wieder in der Partie drin, die Portugiesen auf dem Platz hadern, noch mehr toben die Zuschauer auf den Rängen des ausverkauften Estadio do Dragão. Der Ausgleich ist zu diesem Zeitpunkt der verdiente Lohn für einen couragierten Auftritt der Mannschaft von Vladimir Petkovic, dessen Formation an diesem Abend keine Überraschung beinhaltet; ein Zweitorerückstand hätte kaum dem Gebotenen entsprochen. Danach entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe, mit Möglichkeiten auf beiden Seiten, vor diesem Zeitpunkt sind es jedoch die Gäste gewesen, die sich aktiver zeigen.

Die Schweizer haben sich nämlich viel vorgenommen gegen den Europameister, sie wollen frech sein, sich nicht verstecken, Portugal ärgern. Wer in der Halbfinal gekommen ist, der will am späten Sonntagabend das Endspiel bestreiten.

Wie ein Wiesel

Und die Schweizer liefern in der ersten Halbzeit, sie bestimmen das Spiel über weite Strecken, haben mehr Ballbesitz, aber sie erzielen kein Tor. In der 3. Minute scheitert der auffällige Xherdan Shaqiri aus spitzem Winkel an Rui Patrício.

Später ist es Haris Seferovic, der einen Kopfball verfehlt und einen zweiten zu wenig gefährlich aufs Tor bringt. Vor allem funktioniert das Spiel über die rechte Seite, wo Mbabu in einer Viererkette verteidigt und diese für Angriffe immerzu verlässt wie ein fleissiges Wiesel.

Einmal bringt der starke Mbabu kurz vor der Pause den Ball so gut herein, dass Seferovic aus aussichtsreicher Position ihn direkt nimmt und mit seinem Abschluss die Latte streift. Aber eben.

Der Anfang vom Ende

Da ist diese eine Szene in der ersten Halbzeit, die neben einer anderen Ronaldo-Chance in der 12. Minute nach einem Fehler Manuel Akanjis quasi alles auf den Kopf stellt. Es ist die Szene, die das Stadion in Porto wie am Schluss beben lässt.

Ronaldo darf sich in der 25. Minute den Ball nehmen für einen Freistoss, der im Prinzip keiner sein darf; Mbabu hat im Zweikampf mit dem Superstar den Ball gespielt. Die Distanz ist mit etwas mehr als 20 Metern gefährlich, Ronaldo nimmt Anlauf, steht breitbeinig hin, wie er das immer tut.

Der Superstar schiesst den Ball scharf, dieser wird zum Geschoss, geht durch die Mauer hindurch und schlägt hinter dem regungslosen Yann Sommer im Tor ein. Es ist der Anfang vom Ende, aber so bitter wie die Niederlagen an einem Grossanlass ist es nicht.

Telegramm

Portugal - Schweiz 3:1 (1:0)

Estadio do Dragão, Porto. - 50'000 Zuschauer. - SR Brych (GER). - Tore: 25. Ronaldo (Freistoss) 1:0. 57. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Zuber) 1:1. 88. Ronaldo (Bernardo Silva) 2:1. 90. Ronaldo 3:1.

Portugal: Rui Patricio; Semedo, Pepe (63. Fonte), Ruben Dias, Guerreiro; Bernardo Silva, Bruno Fernandes (91. João Moutinho), Ruben Neves, William Carvalho; João Felix (70. Guedes), Cristiano Ronaldo.

Schweiz: Sommer; Schär, Akanji, Rodriguez; Mbabu, Zakaria (71. Edimilson Fernandes), Xhaka, Freuler (89. Drmic), Zuber (83. Steffen); Shaqiri; Seferovic.

Bemerkungen: Portugal ohne Danilo (gesperrt), Schweiz ohne Mehmedi und Embolo (beide verletzt) sowie Lichtsteiner (nicht im Aufgebot). 42. Lattenschuss Seferovic. Verwarnungen: 66. Xhaka (Foul). 68. Schär (Foul). 85. Shaqiri (Foul).

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