WM-Start im Langlauf
Ist der Schweizer Sprinter Jovian Hediger wirklich 250-mal schlechter als Johannes Klaebo?

Der Westschweizer Spezialist für die kurzen Strecken reist mit der Zuversicht seines Lebens an die Nordische Ski-WM. Sein Selbstvertrauen ist gross, nachdem ihm im letzten Rennen vor den Titelkämpfen Historisches gelang.

Rainer Sommerhalder
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Jovian Hediger

Jovian Hediger

Gian Ehrenzeller/Keystone

Er ist so etwas wie die Schweizer Antwort auf den norwegischen Langlauf-Superstar Johannes Hösflot Klaebo. Jovian Hediger ist unser Sprint-Spezialist schlechthin. Mit einem entscheidenden Unterschied. Während es für Klaebos Sieg in der ersten Entscheidung der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf am Donnerstag bei den Wettbüros eine Quote von gerade mal 1,33 gibt, spülte ein Erfolg Hedigers das 251-fache des Einsatzes in die Kasse.

Kein Wunder. Klaebo hat zwölf der letzten 13 Sprints gewonnen. Er ist in dieser Disziplin Olympiasieger und Titelverteidiger. Hediger hat bei seinen zwei Olympia- und vier WM-Teilnahmen nie irgendwelche Stricke zerrissen. Aber vielleicht wird diesmal alles anders. Der 30-jährige Westschweizer war noch nie vor einem Grossanlass so hoffnungsvoll.

Als erster Schweizer auf dem Podest eines Teamsprints

Denn gleich zu Beginn der Saison stürmte er in Finnland erstmals in seiner Karriere in der klassischen Technik in einen Sprintfinal. Und beim letzten Rennen vor dem Saisonhöhepunkt gelang Hediger sogar Historisches. Zusammen mit Roman Furger lief er als Schweizer Premiere im Teamsprint aufs Podest. Dass Klaebo und die stärksten Norweger fehlten, ist nebensächlich. Als Zweite hatte die Schweiz sogar noch etwas «Podest-Reserve».

Das Selbstvertrauen bei Jovian Hediger stimmt also. Er sagt, er reise mit relativ grossen Ambitionen an die WM. Die Form stimmt, die Finalqualifikation erscheint aus seiner Sicht möglich. «Und wenn man dort dabei ist, geht es um die Medaillen», sagt er unbescheiden.

Endlich Energie bis zum Final

Der explosive und kräftige Athlet erklärt, er habe vor allem in jenen Fähigkeiten Fortschritte gemacht, die zwischen den einzelnen K.-o.-Runden gefragt sind – bei der Regeneration. Allzu oft hiess es bei ihm spätestens im Halbfinal: Flasche leer!

Hediger, der in Bex wohnt und Wurzeln im aargauischen Reinach hat, weiss, dass er für einen Exploit nicht nur einen läuferischen Effort benötigt, sondern auch einen mentalen.

Die derzeit herrschenden Bedingungen, welche die Klassik-Spur in der Frühlingssonne von Runde zu Runde mehr wegschmelzen lassen, behagen ihm eigentlich gar nicht. «Ich bin nicht gerade der leichtfüssige Athlet, der daraus einen Vorteil ziehen kann», sagt der 30-Jährige. Deshalb hat er sich fest vorgenommen, «bis zum Startschuss am Donnerstag die Überzeugung aufzubauen, dass es für mich keinen Unterschied macht, wie die Bedingungen sind».

Apropos Teamsprint. Dafür ist gemäss Hediger erst sein Partner Furger gesetzt. Ob er angesichts der teaminternen Konkurrenz trotz überragender Vorgeschichte zum Handkuss kommt, bleibt offen. Wetten darauf würde er nicht.