Fussball
Schiesst sich Armando Sadiku in die Challenge League?

Es kann passieren, dass die FCZ-Leihgabe mit ihren Toren dem FC Vaduz zum Ligaerhalt verhilft und gleichzeitig ihren Besitzer ins Elend stösst.

Markus Brütsch
Merken
Drucken
Teilen
Armando Sadiku: Keine Geschenke an Besitzer FCZ.

Armando Sadiku: Keine Geschenke an Besitzer FCZ.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Armando Sadiku verwirft die Hände. Schon wieder hat einer den Ball neben das Tor geschossen – aus bester Position. Und der Albaner scheint sich zu fragen: Wie bloss wollen wir in der Super League bleiben, wenn wir das Tor nie treffen?

Es ist nicht das einzige Mal an diesem prächtigen Trainingsnachmittag, dass der Neuzugang zu verzweifeln scheint, wenn ein Teamkollege die Präzision vermissen lässt. Regt sich da einer, der vom grossen FC Zürich zum kleinen FC Vaduz gekommen ist, über die mangelnde Technik seiner neuen Mitspieler auf? «Nein, nein, ich ärgere mich überhaupt nicht darüber. Ich habe grossen Respekt vor allen. Aber es ist halt meine Art, mit Engagement und Leidenschaft zur Sache zu gehen», sagt Sadiku.

«Ich brauche unbedingt Spielpraxis»

Eine Stunde später sitzt der 24-Jährige im Restaurant des Rheinparkstadions. Weil am Sonntag der FC Zürich auf Besuch kommt, wollen gleich mehrere Reporter den Stürmer interviewen. Im Januar ist dieser vom FCZ bis zum Ende der Saison an den FC Vaduz ausgeliehen worden. Sadiku erzählt, dass FCZ-Trainer Sami Hyypiä zu ihm gekommen sei und gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, für Vaduz zu spielen. «Ich bin zwar überrascht gewesen, habe aber eingewilligt, weil ich unbedingt Spielpraxis brauche, um mit Albanien an die EM zu fahren», sagt Sadiku. Hyypiä habe ihm jedoch nicht erklärt, weshalb er für ihn vorderhand keine Verwendung mehr habe. «Im Sommer kehre ich aber zum FCZ zurück», sagt Sadiku. Der Vertrag läuft dann noch zwei Jahre.

Armando Sadiku «Es ist halt meine Art, mit Engagement und Leidenschaft zur Sache zu gehen.»

Armando Sadiku «Es ist halt meine Art, mit Engagement und Leidenschaft zur Sache zu gehen.»

KEYSTONE/TI-PRESS/SAMUEL GOLAY

So kann es nun geschehen, dass Sadiku mit seinen Toren dem FC Vaduz zum Ligaerhalt verhilft, gleichzeitig aber den FCZ in die Challenge League schiesst. Man stelle sich vor: Sadiku trifft im Direktduell am letzten Spieltag im Letzigrund in der 90. Minute zum 1:0, Vaduz bleibt oben, der FCZ steigt ab. Sadiku hätte sich dann selber in die Zweitklassigkeit befördert. Und der FCZ, der gegenwärtig einen Teil von Sadikus Salär bezahlt, hätte den Stürmer dafür entlöhnt, seinen Besitzer ins Elend zu stossen. Bizarrer ginge es kaum.

«Ich spiele für Vaduz und gebe alles für diesen Verein»

Warum der FCZ den Spieler ausgerechnet an einen Konkurrenten im Abstiegskampf ausgeliehen hat, bleibt sein Geheimnis. «Das ist aber nicht mein Problem», sagt Sadiku. Gleichwohl ist zu spüren, dass es ihm unwohl ist, wenn er auf dieses mögliche Szenario angesprochen wird. Er sagt: «Ich spiele für Vaduz und gebe alles für diesen Verein.» Sollte er heute ein Tor erzielen, würde er aber nicht jubeln, sagt Sadiku. Seine Kontakte, die er weiterhin zu FCZ-lern wie Davide Chiumiento und Burim Kukeli pflegt, hat er in dieser Woche auf Eis gelegt.

Sami Hyypiä «Wenn wir gewinnen, ist es mir egal, ob Sadiku ein Tor schiesst oder nicht.»

Sami Hyypiä «Wenn wir gewinnen, ist es mir egal, ob Sadiku ein Tor schiesst oder nicht.»

KEYSTONE/NICK SOLAND

«Es wird ein hart umkämpftes Spiel, mit dem FCZ als Favoriten», sagt Sadiku.
«Wenn wir gewinnen, ist es mir egal, ob Sadiku ein Tor schiesst oder nicht», lässt sich FCZ-Trainer Hyypiä aus Zürich vernehmen. Die Frage, ob er Angst vor dem Mann habe, den er im Winter nicht mehr wollte, beantwortet der Finne mit «Nein» und fügt an: «Ich habe Respekt vor Armando. Doch wir kennen seine Stärken und müssen so verteidigen, dass sie nicht zum Tragen kommen.» Sechs Mal ist Sadiku bisher für Vaduz aufgelaufen; immer über 90 Minuten. Seine Bilanz: Drei Tore, zwei Assists. «Die Zahlen sprechen für ihn. Armando tut uns gut. Er belebt das Offensivspiel und ist zu hundert Prozent bei der Sache», lobt Trainer Giorgio Contini den Vaduzer Hoffnungsträger.

Eine Ode an DiegoArmando Maradona

Dieser ist in Albanien auf dem Land aufgewachsen und während 15 Jahren von seinem Vater trainiert worden. Als Verehrer von Maradona hatte der Papa seinen Sohn auf den Namen Armando getauft. Und wohl insgeheim gehofft, der Filius würde auch mal ein Grosser werden. «Für mich gab es nur Fussball. Vor einem Spiel habe ich jeweils im kompletten Tenü geschlafen», erzählt Sadiku. Der Vater sei sehr streng mit ihm gewesen, und sei es heute noch, wenn er mit ihm ein Spiel analysiere. «Wir hatten nicht viel Geld, aber mein Vater schaute immer, dass ich etwas Gesundes zu essen bekam und gute Schuhe trug», sagt Sadiku.

Giorgio Contini «Die Zahlen sprechen für ihn. Armando tut uns gut. Er belebt das Offensivspiel und ist zu hundert Prozent bei der Sache»

Giorgio Contini «Die Zahlen sprechen für ihn. Armando tut uns gut. Er belebt das Offensivspiel und ist zu hundert Prozent bei der Sache»

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Aus dem Talent wurde in Albanien ein Erstligaspieler, der aber im Spiel mit Elbasan gegen Laçi ein Blackout hatte, vom Platz gestellt und für längere Zeit gesperrt wurde.
Darüber sprechen möchte Sadiku nicht. Dafür umso mehr über Davide Morandi. Nachdem ein Engagement im Nachwuchs von Chievo Verona schnell zu Ende gegangen war, fand er in der Challenge League beim FC Locarno mit Trainer Morandi Asyl. «Er war und ist für mich wie ein Vater», sagt Sadiku gerührt.

Sadiku wäre beinahe in der Bundesliga gelandet

Er hatte Morandis Zuneigung mit Toren gedankt, war Torschützenkönig geworden, hatte nach anderthalb Jahren zum FC Lugano gewechselt und gleich noch einmal die Torjägerkrone geholt. Der Lohn dafür war ein Viereinhalbjahresvertrag beim FC Zürich. Als er im Letzigrund Fuss zu fassen begann, zog er sich einen Kreuzbandriss zu und fiel für acht Monate aus. Wieder gesund, verhinderte die enorme Konkurrenz im Angriff den Durchbruch. 50 Pflichtspiele und 14 Tore – so lautet nach zwei Jahren seine mässige Zwischenbilanz beim FCZ.

In Vaduz will er seiner Karriere nun einen Schub geben. Er fühlt sich wohl im Fürstentum, wohnt im st. gallischen Sevelen und an freien Tagen in Zürich. Beim FC Vaduz spürt er die Empathie, die für ihn so essenziell ist. Eine Umarmung hier, ein Küsschen da. «Wir essen immer zusammen und sind wie eine Familie», sagt Sadiku. «Ich bin im Kopf wieder frei und habe Spass.» Allegria ist ein Wort, das er immer wieder braucht – Fröhlichkeit, Heiterkeit, Lebensfreude.

Armandu Sadiku «Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen.»

Armandu Sadiku «Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen.»

KEYSTONE

Im Winter hätte er zu Ingolstadt in die Bundesliga wechseln können. Er ging aber nach Vaduz, weil er sich hier sicher sein konnte, auch wirklich zu spielen. «Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen», sagt Sadiku. Mit Nationaltrainer Gianni De Biasi pflegt er einen engen Kontakt. Er weiss, dass ihn dieser bei der EM als Titular sieht, wenn es zuvor mit der Spielpraxis stimmt. «Die Premier League oder die Bundesliga sind mein grosses Ziel», sagt Sadiku. Jedes Tor bringt ihn seinem Traum näher. Der FCZ kann keine Rücksicht erwarten.