19. Minute: GC-Flügelstürmer Yoric Ravet erzielt nach herrlicher Vorarbeit von Kim Källström das 1:0. Ravet steht beim Treffer allerdings klar im Abseits, doch Schiedsrichter Sascha Amhof entscheidet auf Tor. Falsch!

Die Partie ist eine halbe Stunde alt: GC-Abwehrspieler Alexandre Barthe spielt den Ball nach einem Kopfball von FCB-Stürmer Breel Embolo mit der Hand. Im Strafraum. Amhof lässt weiter spielen. Falsch!

Die Nachspielzeit läuft: GC-Innenverteidiger Alban Pnishi holt Embolo im Strafraum von den Beinen. Amhof pfeift Freistoss – für GC. Falsch!

Der zwölfte Mann?

Nach 94 Minuten ist Schluss. GC gewinnt, jubelt und feiert. Die gellenden Pfiffe der FCB-Fans in der Muttenzer Kurve lassen die Zürcher kalt. Vielleicht aber hat sich der eine oder andere Spieler der Zürcher trotzdem folgende Frage gestellt: Ist denn heute schon Weihnachten? Wie um Himmels willen konnte der FC Basel nach dieser fantastischen zweiten Halbzeit und der Aufholjagd vom 0:2 zum 2:2 am Ende doch noch verlieren? Lag es tatsächlich nur am Schiedsrichter? Lag es tatsächlich an Amhof? Hat GC im St. Jakob-Park vor 31 669 Zuschauern etwa mit zwölf Mann gespielt?

Nein! Natürlich profitierten die Zürcher von Fehlentscheiden des Spielleiters. Natürlich lief alles, aber auch wirklich alles für den Aussenseiter. Aber GC hat den 3:2-Sieg gegen die Basler nicht gestohlen. Wie die Mannschaft von Trainer Pierluigi Tami den FCB während der ersten Halbzeit an die Wand spielte, war grosses Kino. Oder, um es mit den Worten des für seine Bescheidenheit bekannten Tami zu sagen: «Vor der Pause spielten wir sehr, sehr gut. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viel über das Resultat von 2:0 nachgedacht statt uns auf das Spiel zu konzentrieren. Das hätte sich im Endeffekt beinahe gerächt.»

Glücksgefühl und kritische Worte

Und weil Tami in seiner Analyse den Nagel auf den Kopf trifft, kam GC noch ins Zittern. 2:2 stand es eine Viertelstunde vor Schluss. Die Zürcher wankten, aber sie fielen nicht. Im Gegenteil. Dass Munas Dabbur schliesslich den Unterschied ausmachte, war kein Zufall. Nachdem der 23-jährige Israeli kurz vor dem Pausenpfiff das 3:0 auf dem Fuss hatte und am glänzend reagierenden Tomas Vaclik scheiterte, machte er es in der 80. Minute besser.

Erst tanzte Dabbur Innenverteidiger Marek Suchy aus, dann schoss er den Ball aus knapp 20 Metern aufs Tor. Vaclik streckte sich vergebens. Der Ball sprang von einem Innenpfosten an den andern und kullerte aufreizend langsam hinter die Linie. Das zehnte Saisontor von Dabbur war der Sieg für GC!

Glücksgefühle hin, Glücksgefühle her; Dabbur übte trotz seines Knallers mitten ins Basler Herz kritische Worte: «Die erste Halbzeit war stark, aber wir hätten höher als 2:0 führen müssen», sagte der Torschütze vom Dienst. «In der zweiten Hälfte wurden wir von den Baslern phasenweise vorgeführt. Und beim Tor zum 3:2 stand mir auch das Glück zur Seite.» Apropos Glück: Glück braucht GC wohl auch am übernächsten Samstag im Heimspiel gegen Vaduz. Der Rekordmeister muss gegen die Liechtensteiner auf Dabbur, Källström, Pnishi, Barthe und Bauer verzichten. Sie wurden gegen den FCB verwarnt und sind für eine Partie gesperrt.