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Schalke-Boss wegen Rassismus unter Beschuss

Muss um sein Amt bangen: Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04.

Muss um sein Amt bangen: Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04.

Clemens Tönnies schmäht öffentlich alle Afrikaner – jetzt erwarten viele Fans, dass er wegen Rassismus gehen muss.

Der Erzbischof hat nicht gezürnt. Jedenfalls stand nichts davon in der Zeitung. Aber auf Schalke, wie sie in der Heimat des Traditionsclubs sagen, ist der Teufel los. Seit am Donnerstag in der «Neuen Westfälischen» zu lesen war, mit welcher Strategie der Fleischfabrikant und Vorsitzende des Schalke-­Aufsichtsrats, Clemens Tönnies, den Klimawandel bremsen würde: Statt in Deutschland eine CO2-Steuer einzuführen, solle die Politik lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.»

Der Lokalreporter vor Ort vermerkte gleich nach dem Zitat: «Reaktion aus dem Saal: Irritation – und dann doch Beifall.»

«Rücktritt und Stadionverbot!»

Clemens Tönnies ist 63 und hat sich vom Metzgerssohn zum mindestens zweitgrössten Schweineschlächter des Kontinents hochgearbeitet, gemeinsam mit seinem vor 25 Jahren verstorbenen Bruder Bernd. Die Tönnies Holding, die ihm ­hälftig mit seinem Neffen Robert gehört, hat im vergangenen Jahr mit 16500 Mitarbeitern 6,65 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Dazu allerdings auch wieder jede Menge Schlag­zeilen über zweifelhafte Geschäftspraktiken und über Streit unter den Kompagnons.

Tönnies selbst merkte dann irgendwann auch, was für eine Ungeheuerlichkeit er da geäussert hatte. An Tag zwei nach seinem Auftritt liess er auf dem Twitter-Account seines Konzerns posten: «Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im [sic!] Inhalt und Form unan­gebracht.»

Längst tobte da in den sozialen Netzwerken ein Sturm. Auf dem Schalke-Twitter-Account zürnten die Fans – und Tönnies Entschuldigung besänftigte sie kein bisschen. «Die Aussage ist dumm, abgrundtief rassistisch und garantiert nicht mit 5 Zeilen zu entschuldigen», kommentierte jemand, «Rücktritt und Stadionverbot!» forderte ein anderer. Einige posteten auch schlicht Punkt 8 aus dem Leitbild des Vereins: «Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.»

«Das Weltbild eines Grosswildjägers»

Der einstige Schalke-Profi Hans Sarpei, ebenso wie das Schalke-­Idol Gerald Asamoah mit ghanaischen Wurzeln, warf Tönnies auf Facebook vor, sein Weltbild sei «das eines Grosswildjägers, der ausgestopfte Baby-Elefanten auf seinem Hof als Trophäen präsentiert». Und Asamoah, inzwischen Manager der U23-Mannschaft, forderte an die Schalke-Führung gerichtet: «Das können wir nicht dulden.»

Zusammengenommen war Tönnies spätestens am Samstag rücktrittsreif – ist aber weiterhin im Amt. Auf dem Schalke-Account nannte Tönnies seine Äusserung inzwischen «falsch» und beteuerte: «Es tut mir sehr leid.» Die Fans diskutieren bereits, ob man – sollte Tönnies bleiben – nicht besser den Verein verlasse.

Der Schalke-Ehrenrat hatte unterdessen von Tönnies eine Stellungnahme gefordert – und ihn für den heutigen Dienstag einbestellt. Das Fünfer-Gremium kann Tönnies verwarnen – ihn aber auch aus dem Amt und sogar aus dem Verein werfen.

Ausgerechnet der Interimspräsident des gerade selbst ziemlich gebeutelten DFB, Reinhard Rauball, indes merkte an, dass sich nicht Schalke allein die Rassismusfrage stellen müsse. Den Applaus des Publikums – immerhin 1600 Gäste mit grossem Honoratiorenanteil – für die Herabwürdigung könne man doch «in keinster Weise akzeptieren».

In der «Neuen Westfälischen» stand, dass der anwesende Erzbischof Hans-Josef Becker «gespannt auf Tönnies Festrede» gewesen sei. Nicht vermerkt war, dass der Kirchenmann gebuht hätte.

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