Es war am vergangenen Donnerstag ein hart geführter erster Playoff-Kampf zwischen dem HC Davos und dem SC Bern in der Davoser Vaillant-Arena (4:5 n.V.). Ganze 70 Strafminuten sprach das Schiedsrichtergespann gegen die beiden Teams aus.

Mittendrin: Berns Heisssporn Thomas Rüfenacht. Zusammen mit seinen Linienpartnern Cory Conacher und Derek Roy wusste er seine Gegenspieler gezielt zu provozieren und zu Fehlern zu verleiten. So geplant war dies aber nicht, meinte der 31-jährige Nationalspieler: «Die Davoser suchten die Auseinandersetzungen auch. Es war ein Hin und Her und hat sich einfach so ergeben.»

«Ich bin bereits lange genug dabei, um zu wissen, welche Gegenspieler ich provozieren muss.»

Thomas Rüfenacht

«Ich bin bereits lange genug dabei, um zu wissen, welche Gegenspieler ich provozieren muss.»

Effektiv war die Spielweise der Berner Paradelinie aber allemal. Mit drei Toren (2x Roy, 1x Rüfenacht) waren sie massgeblich an diesem wichtigen ersten Sieg in der Serie beteiligt. Rüfenacht, der in den USA aufgewachsen und von der harten kanadisch-amerikanischen Spielweise geprägt ist, versteht sich gut mit seinen beiden kanadischen Sturmpartnern: «Die Chemie zwischen uns stimmt. Wir wissen, was wir können.»

Das Selbstvertrauen bei den Hauptstädtern scheint also pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk auf die Playoffs angekommen zu sein. Nach der enttäuschenden Regular Season ist dies nicht selbstverständlich, aber auch nicht überraschend. «Wir sind fokussiert und jeder arbeitet für den anderen», begründet Rüfenacht den derzeitigen Höhenflug seiner Mannschaft und meint postwendend: «Wenn’s läuft, dann läuft’s.»

Ein Spätzünder

Der in Meggen im Kanton Luzern geborene und in Amerika aufgewachsene Flügelstürmer startete seine Karriere bei den SCL Tigers im beschaulichen Emmental. Den Sprung in die Nationalliga A schafft er jedoch nicht auf Anhieb, weshalb er ein vierjähriges Intermezzo in der NLB einlegen musste. Je zwei Saisons beim EHC Visp und beim HC Lausanne brachten ihn dann jedoch endgültig ins Rampenlicht der NLA.

Rüfenacht und Nüssli geraten aneinandern, noch bevor die Partie beginnt.

Bevor das Spiel überhaupt begann, ging es zwischen Rüfenacht und Nüssli schon hoch zu und her.

Sein Image war jedoch bereits zu NLB-Zeiten das gleiche wie heute. Rüfenacht gilt als Provokateur, als König des Trash-Talks. Legendär wie er 2009 im siebten und entscheidenden Spiel in der Ligaqualifikation mit dem HC Lausanne Biels Topskorer Thomas Nüssli bereits vor dem Spiel bis zur Eskalation provozierte. Für Rüfenacht gehören solche Szenen zum Eishockey dazu. «Ich bin bereits lange genug dabei, um zu wissen, welche Gegenspieler ich provozieren muss. Ich probiere es während dem Spiel nun einmal lustig zu haben», erklärt er dabei ziemlich unzimperlich seine umstrittene Spielweise. Abseits vom Eis sei er jedoch eine ganz andere Person und meint klar: «Solche Emotionen gehören nur auf’s Eis.»

Dass er sich damit bei vielen gegnerischen Spielern und Fans nicht sonderlich beliebt macht, ist ihm mehr als bewusst. «Ich habe das gern», sagt Rüfenacht mit einem breiten Grinsen im Gesicht und ergänzt: «Es muss mich niemand mögen.»

Diszipliniertes Spiel

Bereits heute geht es für die Mannschaft von Trainer Lars Leuenberger in der Playoff-Halbfinal-Serie gegen den HC Davos weiter. Mit einem weiteren Sieg könnte der SCB die Truppe von Arno Del Curto bereits gewaltig unter Druck setzen. Ein disziplinierteres Spiel als das erste dieser Playoff-Begegnung wünscht sich ausgerechnet Thomas Rüfenacht.