Eishockey

SC-Bern-Goalie Leonardo Genoni :«Die NHL ist kein Thema»

Wechselt nicht in die NHL: SCB-Goalie Leonardo Genoni.

Wechselt nicht in die NHL: SCB-Goalie Leonardo Genoni.

Nach dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft mit dem SC Bern steht Goalie Leonardo Genoni vor seiner ersten WM als Nummer eins.

Zum ersten Mal seit 2012 vertraut ein Nationaltrainer bei der WM voll und ganz einem NLA-Torhüter. Ja, mit Leonardo Genoni (29) steht sogar einer in der Poleposition, der noch nie in der NHL gespielt hat. Er hat soeben den SC Bern zum Titel geführt und war in der Qualifikation und in den Playoffs mit Abstand der beste Torhüter der Liga.

Obwohl Leonardo Genoni nun nach drei Meisterschaften mit Davos den vierten Titel gewonnen hat, war er bei einer WM noch nie die Nummer eins. 2011 stand er im Schatten von Tobias Stephan, 2014 und 2015 war Reto Berra die Nummer eins. In Paris dürfte er nun erstmals bei einem Titelturnier unser wichtigster Goalie sein.

Leonardo Genoni konnte mit dem HC Davos drei Mal die Schweizer Meisterschaft gewinnen.

Leonardo Genoni konnte mit dem HC Davos drei Mal die Schweizer Meisterschaft gewinnen.

Wenn ein Schweizer international brilliert, folgen Gerüchte um einen Wechsel in die NHL auf dem Fuss. Dies wird bei Leonardo Genoni nicht der Fall sein. «Die NHL ist kein Thema. Ich habe beim SC Bern einen Dreijahresvertrag unterschrieben, den ich einhalten werde. Ich habe deshalb keine Ausstiegsklausel für die NHL.» Eigentlich wäre Genoni ja längst gut genug für ein Nordamerika-Abenteuer. «Aber ich konnte mich wohl international zu wenig in Szene setzen. Ich habe nie auch nur Anfragen aus der NHL bekommen.»

Eine Charakterstärke

Vor einem Jahr hat der neue SCB-Meistergoalie für die WM abgesagt. «Der Wechsel zum SC Bern war für mich ein grosser Schritt und deshalb habe ich mich darauf konzentriert.» Es ist dies eine Charakterstärke des ehemaligen ZSC-Juniors. Eine Stärke, die keine halben Sachen erlaubt. Nun hat er sich beim SCB eingelebt, und einem WM-Abenteuer steht nichts mehr im Weg.

Eine Frage nach dem «Wie und Warum» des haltbaren 1:1 von Lino Martschini im dritten Finalspiel, das Zug schliesslich in der Verlängerung den ersten Finalsieg erst ermöglicht hat, darf natürlich nicht ausbleiben. Leonardo Genoni sucht gar nicht erst nach Ausreden. «Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich weiss, was passiert ist, und deshalb hat mich dieses Missgeschick nie beunruhigt.»

Er sagt, am schwierigsten sei es für den Torhüter, wenn der Schütze die Scheibe nicht richtig treffe. «Dann fliegt der Puck nicht dorthin, wo ihn der Torhüter erwartet.» Das sei bei diesem 1:1 der Fall gewesen. «Ich habe aber auch den Fehler gemacht, dass ich den Puck nur mit dem Handschuh fangen wollte. Ich hätte mich besser verschieben und mit dem ganzen Körper blocken müssen.»

Arno Del Curto gratulierte Genoni zum Wechsel.

Arno Del Curto gratulierte Genoni zum Wechsel.

Ein ähnliches Tor habe er auch letzte Saison im Halbfinal mit dem HC Davos in der Verlängerung des vierten Spiels in Bern zum 2:3 kassiert. «Für mich war klar, dass Scherwey hoch ins Eck schiessen wollte. Aber er traf den Puck nicht richtig, und so wurde daraus ein Schuss, der mich überrascht hat.»

Gratulation von Del Curto

Die präzise Analyse ist eine von Leonardo Genonis Stärken. Er ist mit ziemlicher Sicherheit der spielintelligenteste Schlussmann der Liga. Keiner liest das Spiel so gut wie er. Was war aber dann beim Treffer in der Verlängerung, der in Zug zur zweiten Niederlage führte? «Ich muss als Torhüter immer blitzschnell eine Entscheidung treffen und kann diese auch dann nicht mehr rückgängig machen, wenn ich sehe, dass ich falsch entschieden habe.»

Er hätte diese Situation nur noch retten können, wenn er den gegnerischen Stürmer umgenietet hätte. «Aber das mache ich nicht, so etwas kommt für mich nicht infrage.»

Wie hat eigentlich Arno Del Curto auf seinen Wechsel nach Bern reagiert? «Als ich ihm sagte, dass ich gehen werde, war er überrascht. Und als ich ihm sagte, der neue Klub sei der SCB, hat er mir spontan gratuliert.»

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