Formel 1
Sauber will zurück ins Mittelfeld – doch die Konkurrenz ist gross

Am Sonntag startet Sauber in die neue Formel-1-Saison. Die Schweizer zeigen sich vor dem Start ambitioniert, doch Punkte zu sammeln dürfte ein schwieriges Unterfangen werden. Mit dem neuen C36 hat Sauber aber noch ein Ass im Ärmel.

Konstantin Furrer
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25 Jahre Sauber: Das Jubiläum wird auf dem neuen Auto unübersehbar gefeiert.

25 Jahre Sauber: Das Jubiläum wird auf dem neuen Auto unübersehbar gefeiert.

KEYSTONE/AP/FRANCISCO SECO

«Wir wollen uns wieder im Mittelfeld etablieren», sagt Sauber-CEO Monisha Kaltenborn. Und sie ist nicht die Einzige im Sauber-Lager, die sich vor dem Start der neuen Formel-1-Saison ambitioniert gibt: Auch Marcus Ericsson, der die dritte Saison im Schweizer Rennstall in Angriff nimmt, hat in dieser Saison höhere Ziele, als dem Tross bloss hinterherzufahren: «Ich will wieder um die Punkte kämpfen in dieser Saison.»

Es wäre eine willkommene Steigerung: In der vergangenen Saison war ein 11. Platz in Mexiko das höchste der Gefühle für den Schweden. Seine letzten Plätze in den Punkten datieren aus dem Jahr 2015.

Dass der Schweizer Rennstall letztes Jahr in der Konstrukteurswertung nicht den letzten Platz einnahm, ist einzig Felipe Nasr zu verdanken, der beim Grossen Preis der USA in Austin mit dem zehnten Platz den einzigen Punkt holte für Sauber und damit den inzwischen aufgelösten britischen Rennstall Manor in letzter Sekunde noch vom zweitletzten Platz verdrängte.

Die Ruhe kehrt zurück

Es war dann auch eine der letzten Amtshandlungen von Nasr im Sauber-Cockpit: Der Vertrag des Brasilianers wurde nicht verlängert. Ersetzt wurde er mit Pascal Wehrlein, der in der letzten Saison bei Manor unter Vertrag stand und im Winter sogar als Nachfolger bei Mercedes für den zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg gehandelt wurde.

Der 22-jährige Deutsche gilt als grosses Talent für die Zukunft und machte in der vergangenen Saison bei Manor mit guten Leistungen in einem kaum konkurrenzfähigen Auto auf sich aufmerksam. Zuvor gewann der Mercedes-Werksfahrer als jüngster Fahrer überhaupt die DTM-Serie.

Pascal Wehrlein kann optimistisch in die Zukunft blicken.

Pascal Wehrlein kann optimistisch in die Zukunft blicken.

Keystone

Wehrlein gibt sich bei der Zielsetzung für die kommende Saison diplomatischer als sein Teamkollege und spricht kein konkretes Punkteziel an: «Ich will das maximal Mögliche herausfahren. In der vergangenen Saison blieb Sauber hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Das wollen wir in diesem Jahr besser machen.» Und: «Ich glaube, Sauber steht vor einem grossen Aufschwung.»

Neue Besitzer bringen nötige Stabilität

Die Vorfreude in Hinwil auf die neue Saison ist nicht unbegründet. Seit der Übernahme durch die Schweizer Investmentgesellschaft Longbow Finance im vergangenen Sommer ist wieder Ruhe eingekehrt beim Schweizer Rennstall.

«Der neue Besitzer brachte uns wieder die nötige Stabilität. Wir konnten uns wieder auf das Auto konzentrieren und mussten uns keine Sorgen machen, wie wir über die Runde kommen», sagt Kaltenborn. Die Österreicherin mit indischen Wurzeln spricht von einem «guten Gefühl», trotzdem will sie nicht gleich in Euphorie verfallen: «Was das Auto kann, werden wir auf der Strecke sehen.»

Marcus Ericsson im ersten Training mit dem neuen C36.

Marcus Ericsson im ersten Training mit dem neuen C36.

Keystone

Der gestrige erste freie Trainingstag der Saison offenbarte bei Sauber aber weiter Defizite: Ericsson beendete das Training auf dem 15. Platz, Wehrlein sogar nur auf dem 18. Besonders der Schwachpunkt beim Antrieb macht sich nun bemerkbar: Sauber fährt in dieser Saison als einziges Team mit einem letztjährigen Motor und hatte aufgrund der finanziellen Probleme im letzten Jahr nicht die Möglichkeit, den Motor weiterzuentwickeln. Jetzt müssen die Schweizer dadurch Einbussen bei der Geschwindigkeit hinnehmen.

Wer wird Letzter?

Noch hat Sauber aber ein Ass im Ärmel. Der C36 zeichnet sich durch eine hohe Standfestigkeit aus. 788 Runden spulte das Team während der Testwochen in Barcelona ab – mehr hatten nur Mercedes, Ferrari und Williams. «Wir müssen bei den ersten Rennen zuschlagen, wenn die anderen noch Probleme mit der Zuverlässigkeit haben», sagt Teammanager Beat Zehnder und spricht dabei die Schwächen der unmittelbaren Konkurrenz an. Renault und McLaren, beide mit Honda-Motoren ausgerüstet, müssen derzeit deutliche Abstriche machen punkto Standfestigkeit.

Trotzdem: Mit der Liquidierung von Manor im Januar verlässt der letztjährige Letztplatzierte die Königsklasse. Dass Sauber sich an Renault vorbeischieben kann, bleibt unwahrscheinlich: Mit der Verpflichtung von Nico Hülkenberg, der im freien Training auf den 9. Platz fuhr, konnten die Franzosen einen Sprung nach vorne machen.

Und auch McLaren mit Weltmeister Fernando Alonso dürfte zu stark sein für die Schweizer. Einzig Haas, das junge Team aus den USA, könnte für Sauber in Reichweite liegen. Dafür bräuchte es aber eine grosse Leistungssteigerung: Ein Punkt wird in diesem Jahr nicht reichen.

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