Deutschland-Cup

Samuel Walser: «Es wäre nicht gut, wenn ich mir keine Hoffnungen machen würde»

Bereit für die Herausforderung: Samuel Walser.

Bereit für die Herausforderung: Samuel Walser.

Nationaltrainer Glen Hanlon nutzt seinen ersten Auftritt in offizieller Mission, um eine Reihe von Probanden zu testen. In München werden innerhalb der ersten «hanlonschen» Testreihe drei Experimente über die Bühne gehen. Mitten drin Samuel Walser.

Mit seinen sieben Länderspielen gehört Samuel Walser bereits zur erfahrenen Hälfte des Kaders. Der Solothurner in Diensten des HC Davos war schon im letzten Jahr Teil der Deutschland-Cup-Expedition gewesen. Im Gegensatz zu einem Grossteil seiner Mitspieler betrat er am Dienstag in Kloten, als sich die Mannschaft zum ersten Eistraining traf, also kein absolutes Neuland.

Auch deshalb hielt sich seine Nervosität in Grenzen. Vielmehr dominierte bei Walser die Vorfreude über die Abwechslung zum Eishockey-Alltag: «Ich habe immer Freude, wenn ich in die Nationalmannschaft kommen darf. Das war schon auf U18- oder U20-Level so.» Umso mehr, als dass sich der Erfolgsdruck angesichts der speziellen Ausgangslage in engen Grenzen hält.

«Klar wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber im Vordergrund steht die Freude, hier dabei zu sein. Gerade jetzt, beim Deutschland-Cup, nimmt wohl jeder Spieler etwas Positives mit», erklärt der gross gewachsene HCD-Center, stellt aber auch klar: «Für die Jungen ist dieses Turnier sehr wichtig, um sich zeigen zu können.» Glen Hanlon habe ihm schon beim Aufgebots-Telefonat gesagt, dass er «auf die setzt, die Vollgas geben. Namen spielen bei ihm keine Rolle.»

Der Deutschland-Cup bildet den Auftakt zur Nationalmannschafts-Saison 2014/15, an deren Ende als Höhepunkt die Weltmeisterschaft in Tschechien steht. Dort dabei zu sein, ist für die allermeisten Spieler des jetzt in München anwesenden Kaders allerdings ein kaum erreichbares Ziel. Samuel Walser sagt: «Es wäre nicht gut, wenn ich mir keine Hoffnungen machen würde auf die WM. Aber man muss auch realistisch bleiben. Es gibt auf der Center-Position in der Schweiz sehr viele gute Spieler.»

Da die Gelegenheiten, sich auf internationalem Niveau zu präsentieren, dünn gesät sind, gibt einem Turnier wie dem Deutschland-Cup eben doch eine gewisse Bedeutung. Deshalb gelte es, bereit zu sein für den Fall aller Fälle: «Vielleicht gibt es Verletzte. Und dann muss man einfach parat sein, wenn sich die Gelegenheit bietet», unterstreicht Walser.

Klar ist: Beste Werbung in eigener Sache kann letztlich jeder nur mit regelmässig starken Auftritten in der Meisterschaft betreiben. Dem Boninger, der das Eishockey-Einmaleins beim EHC Olten erlernte und bei den Kloten Flyers zum NLA-Spieler heranreifte, ist der Saisonauftakt mit dem HC Davos jedenfalls nicht schlecht gelungen.

In 16 Spielen verzeichnete der 22-Jährige 4 Tore und 4 Assists und bildete zusammen mit den beiden Shooting-Stars Mauro Jörg und Dario Simion zeitweise eine hervorragend funktionierende Sturmlinie. Trotzdem sagt Walser: «Ich bin, wie fast immer, nicht so gut in die Gänge gekommen. Dann kam ich besser in Fahrt. Zuletzt plagten mich aber ein paar Verletzungen, weshalb es wieder etwas harziger lief.»

Man kann Walsers persönliche Einschätzung angesichts des hervorragenden Laufs des aktuellen NLA-Leaders schon fast als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen. Denn klar ist: Auch Samuel Walser profitiert vom frischen Wind, der im Landwassertal weht. Er sagt: «Wir haben in Davos ein breites Kader. Wenn du am Morgen ins Training kommst, weisst du, dass du Vollgas geben musst. Der Konkurrenzkampf tut uns gut.»

Allem fehlenden Druck und Experimenten zum Trotz: Auch am Deutschland-Cup wird der Konkurrenzkampf unter den Neulingen spürbar sein. Nationaltrainer Glen Hanlon hat Samuel Walser eine defensive Rolle zugedacht: «Er wird sicher im Penalty Killing zum Einsatz kommen und bildet voraussichtlich zusammen mit Dino Wieser sowie Christoph Bertschy eine Sturmlinie», sagte der Kanadier vor der Abfahrt in Richtung Deutschland.

Und Hanlon sagte auch noch etwas, was Walsers Aufmerksamkeit erhöhen durfte: «Die Schweiz hat keinen einzigen Center in der NHL. Ich versuche deshalb, bis zur WM mindestens neun Mittelstürmer zu testen. Dieser Konkurrenzkampf ist also völlig offen.» Ein paar starke Auftritte in München könnten also schon reichen, um einen grossen Schritt Richtung Prag zu machen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1