Drei Trainer, ein Problem: Louis van Gaal, Felix Magath und Armin Veh sind Trainer auf Zeit, der vorläufige Abschied von der Bundesliga-Bühne naht. Während "Felix allmächtig" Magath bei Schalke 04 scheibchenweise abserviert wird, sind auch Meister-Coach van Gaal bei Bayern München und sein HSV-Kollege Veh Auslaufmodelle auf der Trainerbank. Die beiden Letztgenannten treffen als Arbeitssuchende am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) im direkten Duell in der Allianz Arena aufeinander.

Eigentlich wollte Magath am Freitag nur Fragen zum Spiel beantworten. Doch dann geriet die Pressekonferenz vor dem Krisengipfel von Schalke 04 gegen «Torlos» Frankfurt zur großen Rechtfertigung. «Solange ich erfolgreich bin, werde ich meine Arbeitsweise nicht ändern", sagte der Trainer und Manager, verteidigte seine sportliche Zwischenbilanz, seine umstrittenen Methoden und erklärte trotzig: «Ich bin bereit weiterzumachen.»

Magath hat sich ausgequält

Doch längst ist klar: Magath, den Aufsichtsratschef Clemens Tönnies zum «Gespräch unter Männern» am Wochenende zitierte, ist auf Schalke de facto entmachtet. Sein Intimus Rolf Dittrich musste schon gehen. Der Pressesprecher, den er vom VfL Wolfsburg mitgebracht hatte, wurde bereits vor dem Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) gegen Eintracht Frankfurt freigestellt - ohne dass das Vorstandsmitglied Magath gefragt wurde.

Sein Sohn habe ihm gesagt, das laufe gerade im Fernsehen, berichtete er. Seine Vorstandskollegen Peter Peters und Horst Heldt hätten diese Personalie alleine entschieden. «Für mich ist das auch etwas überraschend gewesen», sagte Magath und antwortete auf die Frage, ob das ein Vertrauensbruch sei: «Es sieht so aus.»

Vor dem zweiten Krisengipfel mit Tönnies sind die Fronten verhärtet. Magath stichelte gegen den Aufsichtsratsboss: «Ich glaube, wenn man ein Gespräch führen will, müsste man es nicht unbedingt öffentlich ankündigen. Man könnte sich verabreden, es führen und erstmal gucken, was rauskommt, bevor man an die Öffentlichkeit geht.» Tönnies hatte am Donnerstag auf der Schalker Homepage das «klärende Gespräch» angekündigt.

Zwei waidwunde Mannschaften treffen sich

In München ist der einstige Nord-Süd-Gipfel derweil nun noch ein Verfolgerduell. Dabei bietet die Partie zwischen dem Fünften und dem Siebten der Liga sportlich durchaus genug Zündstoff. Keines der beiden Teams kann sich nach einer frustrierenden Saison eine weitere Niederlage leisten, wenn es denn die übrig gebliebenen Minimalziele noch erreichen will: Champions League die Bayern, Europa League der HSV. «Es ist das Treffen zweier angeschlagener Mannschaften», weiss Veh.

Und zweier angezählter Übungsleiter. Der HSV-Coach hatte Anfang der Woche angekündigt, nach Saisonende seinen Platz zu räumen, ob er aber überhaupt so lange bleiben darf, wird in der Hansestadt bezweifelt. Van Gaal muss am Ende der Spielzeit gehen. «Wir wollen ihm einen positiven Abschied bereiten», kündigte Bastian Schweinsteiger an und stritt damit alle Vermutungen ab, das Team könnte seinem Trainer nicht mehr folgen.

Einen Autoritätsverlust erkennt van Gaal tatsächlich nicht. «Mein Verhältnis zu den Spielern war und ist intakt», sagte der Niederländer am Freitag, «wir sind in einer Situation, die nach zwei Seiten aufgehen kann. Wenn der Verein seine Minimalziele erreicht, kann ich den Klub stolz durch die Vordertür verlassen.»

Ähnliche Töne in Hamburg. «Beide Trainer sind immer noch wichtig und können etwas erreichen», sagt Ze Roberto, «Veh ist ein richtig guter Trainer, den alle respektieren und der gute Arbeit leistet.»

Der Unterschied ist aber, dass bei den Bayern das Umfeld intakt ist, beim HSV dagegen nicht. Veh hat schon deshalb keine Lust mehr, sich das Chaos beim Liga-Dino noch länger anzutun: «So etwas habe ich noch nie erlebt.» Möglicherweise wird er auch schon nach einer Niederlage in München entlassen, Veh selbst wirkte in den letzten Tagen keinesfalls so, als würde ihn das besonders stören. (SI/cls)