EM 2016
Saint-Etienne: Die Stadt der Grünen ganz in Rotweiss

Die Schweizer Fans unterstützen ihre Mannschaft nach Kräften, am Ende bleibt aber wieder einmal die Enttäuschung.

Markus Brütsch aus Saint-Etienne
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Zwischen Hoffen und Bangen: Auch der Oltner Fanklub der Schweizer Nationalmannschaft geht in St-Etienne voll mit.keystone

Zwischen Hoffen und Bangen: Auch der Oltner Fanklub der Schweizer Nationalmannschaft geht in St-Etienne voll mit.keystone

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Es ist halb sechs in der Früh. Noch sind ein paar «Allez, la Suisse»-Rufe von versprengten Spätheimkehrern zu hören, dann endlich ist Ruhe in der Rue Louis Baille im Stadtzentrum von Saint-Etienne. Doch schon drei Stunden später tönt es wieder kräftig durch die Gasse: «Hopp Schwiiz!» Jetzt sind es die Frühangereisten, die im Hauptort des Départements Loire einen grossen Fussballsamstag ankünden. In einer Stadt, die einst Mittelpunkt der Kohleförderung war.

Die Fans in Saint-Etienne:

Da war die Laune noch prächtig.
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Am Ende jubeln Lukasz und Wojtek.
Hausi kennt die Niederlage.
Marc und seine Freunde aus Avenches entern eine Bäckerei.fotos: br
Natalie und Eveline suchen ein Ticket.

Da war die Laune noch prächtig.

Ganz bitter: Der beste Schweizer, Granit Xhaka, verschiesst seinen Elfmeter.
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Schweiz - Polen: das SPpiel
Ausgerechnet der Beste: Granit Xhaka verschiesst den Penalty.
Yann Sommer war an vielen Penaltys dran, konnte aber keinen halten
Die Polen jubeln über den Einzug ins Viertelfinale
Die Polen jubeln über den Einzug ins Viertelfinale
Hängende Köpfe bei den Schweizern
Die Verlängerung: Die Emotionen gehen hoch.
Dabei war alles so gut! Das 1:1 bleibt in guter Erinnerung! Xherdan Shaqiri mit einem Traumtor!
Das Spiel in der zweiten Halbzeit war umkämpft.
Torhüter Sommer bleibt nur das Nachsehen.
Blaszczykowski bringt Polen in Führung.
Wo ist der Ball? Seferovic verpasst einen Kopfball.
Admir Mehmedi im Zweikampf mit Jakub Blaszczykowski.
Sommer muss nach Djourous Rückpass retten.
Bald geht es los: Die Schweizer Fans bringen sich in Stimmung.
Yann Sommer schiesst sich vor dem Spiel ein.
Gelson Fernandes spricht vor dem Spiel mit seinem Rennes-Kollege Kamil Grosicki.
Auch die Polen sind bereit für das Spiel.

Ganz bitter: Der beste Schweizer, Granit Xhaka, verschiesst seinen Elfmeter.

Keystone

Gegen die finanzstarken Pariser und Lyonnais ist zwar nicht mehr viel auszurichten, doch eine wahre Fussballstadt ist Saint-Etienne bis heute geblieben. Kein anderer EM-Austragungsort hat seine Liebe zum Fussball mit so viel Hingabe zelebriert wie Saint-Etienne. Welche Stadt könnte prädestinierter sein für einen Achtelfinal wie Schweiz gegen Polen?
Doch was ist denn hier los? Vor der Brasserie «Les poteaux carrés» bereitet sich Gérard auf einen strengen Tag mit trinkfreudigen Fans vor. Er putzt die Tische und holt die Stühle vom Stapel. Fünf, sechs grosse polnische Flaggen schmücken das Areal. Mögen Sie denn keine Schweizer, Gérard? Wo sind die Schweizer Fahnen? «Écoutez, ich bin überhaupt nicht gegen die Schweiz, aber uns wurden in der letzten Nacht alle Schweizer Fahnen geklaut.»
Eine Fandelegation aus Avenches stürmt in die Bäckerei «Chez Paul», bestellt Kaffee und Croissants. Marc, der eine rot-weisse Perücke trägt, sagt: «Wir sind für drei Tage hergekommen und wollen feiern. Ich bin sicher, die Schweiz gewinnt 1:0.» Und wer schiesst das Tor? «Xhaka. Er ist der Beste», sagt Marc. Hätte er geahnt, dass ausgerechnet Xhaka mit einem verschossenen Penalty zur tragischen Figur des Tages werden würde, die Festlaune wäre ihm wohl vergangen.

Ticket auf dem Schwarzmarkt

Natalie und Eveline sind guter Dinge, dass die Schweizer gewinnen und sie die Nati auch am Donnerstag beim Viertelfinal in Marseille unterstützen können. «Wir sind mit dem Auto nach Lyon gefahren, haben dort ein noch bezahlbares Hotelzimmer gefunden und sind am Samstag nach Saint-Etienne gereist», erzählt Natalie. Ihr Problem: Eveline hat noch keine Eintrittskarte. «Wir müssen uns auf dem Schwarzmarkt eine besorgen», sagt Natalie.
Auf dem Weg ins Stade Geoffroy-Guichard fällt Sebastian auf, weil er ein Shaqiri-Shirt trägt, aber englisch spricht. Ein Stoke-Fan etwa? «Nein, ich komme aus Exeter, das ist etwa vier Stunden von Stoke entfernt», sagt Sebastian. «Ich habe einen Schweizer Vater, deshalb bin ich für die Schweiz. Ich hoffe, dass wir gewinnen, befürchte aber, dass Lewandowski mit einer Schwalbe einen Elfmeter schindet.»