Fechten

Säbelrasseln gegen die Krim-Krise

Olga Kharlan, die Blondine mit dem entwaffnenden Lächeln, schwingt ihren Säbel nur noch auf der Fechtpiste.

Olga Kharlan, die Blondine mit dem entwaffnenden Lächeln, schwingt ihren Säbel nur noch auf der Fechtpiste.

5 Mal wurde Olga Kharlan in den letzten sechs Jahren Europameisterin im Einzelwettbewerb der Säbelfechterinnen. Mit ihrer Waffe ist die Ukrainerin Olga Kharlan eine Macht, ihre politischen Ambitionen hat die 24-Jährige begraben.

Säbelfechten bei den Frauen geht so: Im Halbfinal stehen drei Russinen und Olga Kharlan. Am Schluss gewinnt die Ukrainerin. An der EM in Montreux wich der Turnierverlauf vom Protokoll ab. Da erdreistete sich im Viertelfinal eine Italienerin, die Königin vom Thron zu stossen.

Am Tag nach der Niederlage treffen wir die Gefallene. Zuvor hatte sie noch ihre florettfechtenden Landsfrauen lautstark von der Tribüne aus angefeuert. So laut, dass ein Mitglied des offiziellen Medienteams uns den ganzen Tag mit diesem Erlebnis in den Ohren liegt.

Olga Kharlan trägt ein rosa Blüschen, sehr kurze Shorts aus Jeans und auf dem Kopf ein Käppi von Red Bull, verkehrt herum, versteht sich. Den Vergleich, dass ihre Niederlage so aussergewöhnlich wie Schneefall im Sommer sei, will sie nicht gelten lassen. «So etwas passiert im Sport», sagt sie, «ich bin auch nur ein Mensch.»

Ihr Palmarès sagt etwas anderes: Olga Kharlan ist 24 Jahre alt, fünffache Europameisterin, zweifache Weltmeisterin und Olympia-Bronze-Gewinnerin. Das sind nur die wichtigsten Titel und nur jene im Einzel.

Nach unserer zweiten Frage, der nach ihrer politischen Laufbahn, verfinstert sich ihre Miene und eine Gegenfrage wird uns ins Gesicht geschleudert: «Wird das ein Interview über Sport oder über Politik?», will die Ukrainerin wissen. Dann stellt sie klar: Ihre politische Karriere sei beendet und sie beantworte keine Fragen zu diesem Thema.

Würde sie mit Putin fechten?

Schade eigentlich, denn das wäre durchaus spannend gewesen. Wieso zum Beispiel engagieren sich immer wieder ukrainische Sportler in der Politik, wie zum Beispiel der Boxer Vitali Klitschko oder der Fussballer Andrej Schewtschenko? Was hält sie von Wladimir Putin? Würde sie ihm Fechtunterricht erteilen und was würde dabei passieren? Aber es ist wohl nur klug, dass Olga Kharlan auf solche Fragen nicht antworten will.

2010 zog die junge Frau ins Parlament ihrer Heimatstadt Mykolajiw ein. Mykolajiw liegt im Süden des Landes, nicht unweit der Halbinsel Krim. Seit 2014 ist Kharlan nicht mehr Teil dieses Parlaments. Es wird berichtet, dass sie notorisch abwesend war. 2012 nahm Kharlan an den Wahlen ins ukrainische Parlament teil. Ihre Partei der Regionen erreichte 72 Sitze, ihr Platz 194 auf der Wahlliste reichte nicht für einen Einzug. 2014 wechselte Kharlan zu den Grünen und nahm an den regionalen Wahlen in Kiew teil, doch die Partei blieb an der 3-Prozent-Hürde hängen.

Dennoch hat Olga Kharlan so etwas wie politische Spuren hinterlassen. Während der Krim-Krise sprach sie sich für eine vereinte Ukraine aus und im März 2014 boykottierten sie und ihre Kolleginnen den Fecht-Weltcup in Moskau. An den Weltmeisterschaften im Juli im russischen Kasan nahmen sie dann allerdings wieder teil.

Vom Tanzen zum Fechten

Doch zurück zum Sport, den Olga Kharlan mehr mag und den sie beherrscht wie keine andere. Ihre erste Liebe galt dem Tanzen, die Privatstunden waren für die Eltern aber zu teuer. Im Alter von neun Jahren begann sie mit dem Fechttraining, da ihr Patenonkel als Trainer in einem Klub arbeitete und dieser Sport für die Familie somit kostenfrei war. Mit 13 Jahren wurde sie zum ersten Mal ukrainische Meisterin. Ihre Schnelligkeit und Agilität zählen zu ihren Stärken. Mit knapp 18 Jahren führte sie ihr Land zu Team-Gold an den Olympischen Spielen in Peking, indem sie im Final gegen das Gastgeberland mehr als die Hälfte aller Treffer beisteuerte.

Morgen steht in Montreux der Teamwettkampf der Säbelfechterinnen auf dem Programm. Dann will Kharlan wieder die Russinnen ärgern. Auch wenn sie – politisch korrekt – sagt, dass diese Gefechte für sie «nichts Spezielles» seien.

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