Der FC Luzern ist im Jahr 2015 mit 60 Punkten die drittbeste Mannschaft der Super League gewesen. Jetzt erweckt er den Anschein, mit den Trennungen von Sportchef Rolf Fringer und Assistenztrainer Roland Vrabec gerade dabei zu sein, alles gegen die Wand zu fahren.

Ruedi Stäger: Diese Einschätzung ist völlig falsch. Sie würden nicht so reden, wenn wir in der Rückrunde vier oder fünf Punkte geholt hätten. Aber der Start ging ja nicht deshalb in die Hose, weil wir Fringer nicht mehr haben und das Verhältnis zwischen Trainer und Assistent gestört war.

Weshalb dann?

Weil wir die Schlüsselspieler Dario Lezcano und Remo Freuler verkauft haben. Dies sind im Prinzip zwar Good News, weil wir in dieser Beziehung lange Zeit nichts zustande gebracht haben. Aber wir haben für den Moment an Qualität eingebüsst. Die drei Zugänge Schneuwly, Frey und Neumayr können dies kompensieren, brauchen aber noch etwas Zeit. Das Problem: Im Fussball gibt es bekanntlich keine Geduld.

Und deshalb wurde Assistenztrainer Vrabec, den Sie übrigens kürzlich noch für seinen super Job gelobt haben, zum Bauernopfer für den schlechten Rückrundenstart mit drei Niederlagen gemacht.

Überhaupt nicht. Auch bei besseren Resultaten hätten wir uns von ihm getrennt. Es wäre total falsch, Vrabec dafür verantwortlich zu machen. Qualität hat eben verschiedene Facetten. Er hat als Assistenztrainer einen guten Job gemacht, was das Fachliche betrifft. Die Probleme lagen im zwischenmenschlichen Bereich zwischen dem Staff und Vrabec. Es geht um Loyalitätsbruch. Loyalität ist aber das A und O. Vielleicht hat Vrabec seinen Abgang auch etwas provoziert. Die Entwicklung ist halt auch die logische Konsequenz von unserem Schritt im Januar, als wir uns von Sportchef Rolf Fringer trennten.

Als Sie den Verdacht hatten, Fringer habe zusammen mit Vrabec ein Komplott gegen Cheftrainer Markus Babbel geschmiedet.

Verdacht ist gut. Das war klar so. Ich will aber keine Dreckwäsche waschen.

Fringer wollte Vrabec als Cheftrainer. Das passte Ruedi Stäger nicht.

Fringer wollte Vrabec als Cheftrainer. Das passte Ruedi Stäger nicht.

Aber erklären dürfen Sie sich ja.

Fringer hatte kundgetan, dass er Vrabec als Cheftrainer will. Nachdem er plötzlich erklärt hatte, 80 Prozent des sportlichen Erfolgs gehörten Vrabec. Doch alleine diese personelle Auseinandersetzung war nicht der Grund, weshalb Fringer gehen musste. Da braucht es mehr dazu. Sie war nur das Pünktchen auf dem i. Es war ein Vertrauensbruch auf breiter Basis vorhanden, was sich dann über Weihnachten und Neujahr deutlich manifestiert hat.

Dann hat es im Verein schon lange im Verhältnis zu Fringer gegärt?

Es hatte sich über einen grösseren Zeitraum ein Vertrauensverlust aufgebaut und in eine Sphäre hochgeschaukelt, dass man sagen musste: Jetzt müssen wir entscheiden. Wir haben es als die beste Variante angesehen, uns von Fringer zu trennen. Es geht um Vertrauen und Integrität. Der Klub hat eine Philosophie und arbeitet teamorientiert. Wer seine Interessen vor jene des Klubs stellt, hat Mühe, diese Klubphilosophie zu tragen und zu leben. Deshalb kann man auch nicht sagen, es habe einen Machtkampf gegeben. Das war nie der Fall.

Weshalb aber hat man sich im Januar nicht gleich auch von Vrabec getrennt, wenn er doch bereits illoyal gegenüber Babbel gewesen war?

Wir waren der Meinung, dass man ihm eine Chance geben sollte. Vrabec sei professionell genug für eine weitere Zusammenarbeit. Aber dies war leider nicht der Fall. Wir mussten handeln. Im Nachhinein wäre es klüger gewesen, wir hätten dies sofort getan.

Seit Neujahr ist in Luzern wieder der Teufel los.

Das hat niemand gesucht. Jeder Personalentscheid tut weh und verursacht Lärm. Ich hätte es auch gerne ruhig und lustig. Vielleicht wäre dies sogar der Fall, wenn Fringer noch da wäre. Aber glauben Sie mir, wegen nichts trifft man nicht solche drastische Massnahmen. Ich habe das Gefühl, dass man Ethik und Moral auch im Fussball hochhalten darf.

Ihnen wird nachgesagt, Sie hätten ein zu enges Verhältnis zu Babbel.

Das ist ein völliger Blödsinn. Ich habe mit vielen Mitarbeitern ein gutes Verhältnis – und übrigens war ich mit Babbel auch noch nie in den Ferien. Ich war im internationalen Banking tätig und habe viele starke Persönlichkeiten kennen gelernt. Ich muss mich bestimmt nicht im Licht von andern sonnen. Wir haben ein professionelles und aufgeschlossenes Verhältnis.

Ein Vertrauensbeweis: Die Vertragsverlängerung von Markus Babbel.

Ein Vertrauensbeweis: Die Vertragsverlängerung von Markus Babbel.

Warum hat man mit Babbel aber gleich um zwei Jahre verlängert?

Wir fragten uns, ob es in dieser Situation nicht einen speziellen Vertrauensbeweis brauche. Wir beschlossen, ein deutliches Zeichen zu setzen.

Was überzeugt Sie denn an Babbel?

Wir waren uns schon bei der Evaluierung sicher, einen starken Trainer und eine starke Persönlichkeit gefunden zu haben. Es gibt keine Anzeichen, an dieser Einschätzung zu zweifeln. Er macht solide Aufbauarbeit, hat die Mannschaft im Griff und überzeugt durch eine besonnene Art. Er ist loyal und nicht derjenige, der morgen in die Bundesliga davonrennt.

Wie gross ist der Imageverlust, den der FCL zuletzt erlitten hat?

Der ist schwer zu messen. Dass solche Dinge dem Image schaden, ist klar. Wir können es nur mit sportlichem Erfolg korrigieren. Das ist der grosse Unterschied zur Wirtschaft. Wenn dort in einem florierenden Unternehmen ein Entscheid gefällt wird, und mag er noch so unliebsam sein, man weiss, dass die Unternehmung weiter funktioniert. Man wird nicht sofort an Punkten gemessen. Dennoch darf man solche Entscheide keinesfalls hinausschieben – aus Angst vor ihrer Wirkung.

Was passiert, wenn Luzern nun in Sion und am Mittwoch den Cuphalbfinal gegen Lugano verliert?

Dann brennt es hier noch mehr. Dann gibt es medial eine Riesenohrfeige. Wir haben aber entschieden, dass Markus Babbel der richtige Trainer ist. Es ist wichtig, daran festzuhalten. Und mit Patrick Rahmen hat er ja gestern einen erfahrenen neuen Assistenten erhalten, der bestens bei uns rein passt.