Die Behauptung ist gewagt. Denn: Die letzten drei Champions-League-Sieger? Sind aus Spanien. Die letzten acht Weltfussballer des Jahres? Stammen aus Portugal und Argentinien und spielen für spanische Klubs. Die meiste Kohle aus der TV-Vermarktung? Nimmt die englische Premier League ein. Die grössten Stars auf den Trainerbänken? In England. Die höchsten Spielergehälter? Gibts in China. Die deutsche Bundesliga vergnügt sich sehr wohl auch auf dem Jahrmarkt der Superlative. Nur nicht so doll wie andere. Trotzdem ist sie die beste Liga der Welt.

In den Stadien das beste Sicherheit-Unterhaltungs-Verhältnis

Die Bundesliga hat mit Thomas Müller den natürlichsten Superstar und damit den besten fussballspielenden Entertainer der Welt. Die Bundesliga hat mit Red Bull Leipzig das radikalste, spannendste Projekt der Welt. Die Bundesliga hat mit Bayern München den bodenständigsten Global-Player. Die Bundesliga hat mit Dortmund den glamourösesten Arbeiterklub der Welt. Die Bundesliga hat mit Schalke den exaltiertesten Arbeiterklub der Welt. Die Bundesliga hat mit Hamburg den hoffnungslosesten Traditionsklub der Welt. Die Bundesliga hat die besten Stadien der Welt.

In diesen Stadien sorgen ewig singende, bisweilen sogar ironische Fans für das beste Sicherheit-Unterhaltungs-Verhältnis. In keiner anderen vergleichbaren Liga ist die Leistungsdichte, aber auch die Dynamik grösser. Sollte die Bundesliga ein Rassismus- oder Korruptionsproblem haben, ist es kleiner als in jeder anderen relevanten Vergleichsliga.

Und die Liga ist die innovativste der Welt. Sie hat die jüngsten, fortschrittlichsten Trainer, wahre Optimierungskünstler. Und die Liga verzeichnet ein wirtschaftliches Wachstum. Zum zwölften Mal in Folge erzielt sie einen Umsatzrekord und durchbricht zuletzt die Drei-Milliarden-Euro-Schallgrenze.

Das ist keine Zahl, die in England ein nervöses Zucken auslöst. Allein durch den Verkauf der Übertragungsrechte setzen die Premier-League-Klubs mehr Geld um als die Bundesliga-Klubs mit Ticketing, Sponsoring, medialer Vermarktung, Uefa-Prämien und Transfererlösen. In Deutschland will man deshalb die Internationalisierung vorantreiben.

«Wir müssen einfach akzeptieren, dass die Bundesliga wie jedes andere Milliarden-Unternehmen ins Ausland blicken muss», sagt Liga-Boss Christian Seifert und fordert, deutsche Klubs müssten besonders in Asien oder den USA verstärkt vor Ort sein, um sich auf den Grossmärkten besser positionieren zu können. Mischt sich unter die angriffslustigen Töne ein leises, desperates Lamento?

Die einstigen Kolonialmächte wachsen schneller

Reichweite ist die harte Währung im unzimperlichen Verdrängungskampf um TV-Millionen. In diesem Punkt ist die Bundesliga schon kulturell benachteiligt. Schliesslich ist die deutsche Sprache weit weniger verbreitet als die englische oder spanische. In der Unterhaltungsindustrie – und dazu zählt auch der Fussball – gilt wohl: Von der digital globalisierten Welt profitieren jene am stärksten, die einst ganze Kontinente kulturell kolonialisierten.

Was sich heute in den Erlösen aus TV-Verträgen niederschlägt. Und weil die Engländer – Manchester United gehört trotz des sportlichen Absturzes zu den umsatzstärksten Klubs der Welt – und die spanischen Spitzenvereine sich vorzüglich vermarkten, bleiben sie für die Bundesliga-Klubs in diesem Punkt ausser Reichweite.

Abgesehen von der Vermarktung eignet sich die geldüberschwemmte Premier League nicht als Vorbild. Ticketpreise beginnen bei 100 Pfund. Transparente und Fahnen sind unerwünscht. Aus der Haut fahren erst recht. Nicht mal aufstehen darf man. Kurz: Ein Besuch in einem englischen Premier-League-Stadion ist mittlerweile durchstrukturiert und steif wie das Protokoll eines Staatsempfangs. Und taktisch sind die Engländer längst von den Deutschen abgehängt.

Die spanische Liga hat mehr spielerischen Glanz als die Bundesliga. Allerdings ist die Primera Division ein starres Gebilde mit den immer gleichen vier, fünf Klubs an der Spitze. Diese Klubs verdanken ihre nationale und internationale Vormachtstellung auch einem Staat, der es mit den ökonomischen und rechtlichen Regeln nicht so genau nimmt, wenn es um Fussball geht. Deshalb ist die Bundesliga nicht nur die beste, sondern auch die wertbeständigste Liga der Welt.