Fototermin. Roman Buess und Simone Rapp posieren zufrieden. Sprüche fallen. Buess attestiert seinem Kollegen Modelambitionen, Rapp grinst schelmisch. Alles im Einklang. Es harmoniert also auch im Berner Oberland, dieses Duo infernale.

Seit 18 Monaten spielen Buess und Rapp Seite an Seite – und dies formidabel. Bekannt wurden sie, weil sie in der letzten Spielzeit in Wohlen ein Märchen mitverfassten, ja gar federführend waren. Ohne Erwartungen starteten sie im Sommer 2014 in die Meisterschaft, mit einem Team, das in der Vorsaison die Relegation in den Amateurfussball nur in Extremis abwenden konnte.

Seit 18 Monaten spielen Buess (links) und Rapp (rechts) Seite an Seite – und dies formidabel.

Seit 18 Monaten spielen Buess (links) und Rapp (rechts) Seite an Seite – und dies formidabel.

Buess kam ablösefrei von Basels U21-Auswahl ins Freiamt, Rapp war bereits da. Letzterer stellte sich vor seiner fünften Saison in der Challenge League gar ein Ultimatum: Sollte er den Durchbruch in den nächsten zwölf Monaten nicht schaffen, dann wechselt er vom Rasen in den Vorlesungssaal, einem Studium war Rapp noch nie abgeneigt.

Doch dann war da dieser Trainer, der die Antennen mit seiner Einfühlsamkeit auf Empfang stellte. Einer, der einen Umgang pflegte, wie es nicht jeder Trainer könne, skizziert Rapp. Dieser Jemand war Ciriaco Sforza, Architekt der Wohler Jubelwochen.

Schock am dritten Arbeitstag

Wochenende für Wochenende verblüfften die Freiämter im Herbst 2014, bald erklommen sie die Tabellenspitze und erreichten nationale Resonanz. Am Ende stand Wohlen auf Tabellenrang drei – und das Duo Buess/Rapp im Schaufenster. Die Saison war noch nicht einmal zu Ende, schon deponierte Thuns Sportchef Andres Gerber sein Interesse bei Buess’ Berater, im Sommer wurde der Vollzug des Transfers publik.

Für Buess verlief alles nach Plan, doch bereits am dritten Arbeitstag in Thun folgte der Schock: Trainer Urs Fischer trommelte die Mannschaft zusammen, Buess rechnete mit neuen Direktiven, doch Fischer offenbarte: «Jungs, ich gehe zum FC Basel.»

«Jungs, ich gehe zum FC Basel.»

Urs Fischer, Ex-Thun-Trainer

«Jungs, ich gehe zum FC Basel.»

Szenenwechsel. Anders als Buess verlängerte Rapp seinen Vertrag in Wohlen – auf Wunsch Sforzas. «Er sagte mir, dass er bleiben und in der nächsten Spielzeit mit derselben Mannschaft angreifen wolle», erinnert sich Rapp. Der Plan gefiel, doch wenig später war Sforza weg, dem Ruf aus der Super League konnte sich der 45-jährige nicht entziehen. Der neue Arbeitgeber: Thun. Ausgerechnet.

Rapp war Sforzas Weggang nicht gleichgültig, an einem Vorbereitungsturnier traf er mit Wohlen auf seinen ehemaligen Mentor, im Spiel schöpfte er aus seinem vollen Repertoire – und beeindruckte. Sforza erkundigte sich bei Rapp über dessen Ausstiegsklausel. Bald folgte der Anruf von Sportchef Gerber.

Ciriaco Sforza holte Simone Rapp vom FC Wohlen zum FC Thun.

Ciriaco Sforza holte Simone Rapp vom FC Wohlen zum FC Thun.

Das Wohler Trio war wieder vereint. Buess und Rapp überzeugten sogleich – nur die Resultate stimmten nicht. Thun verlor unglücklich. Mehrmals. «Und dann geht es halt schnell», sagt Rapp und meint die Betätigung der Notbremse. Sforza büsste an jener Magie ein, die er sich in Wohlen erarbeitet hatte. Bald wurde die Freistellung bekannt. Eine Zäsur für Buess und Rapp. Das Duo begann, sich von Mentor Sforza zu emanzipieren. Weil ihre Entwicklung unter Sforza explodierte, wurde dem Duo eine gewisse Abhängigkeit unterstellt.

Die Spätzünder

Ein Blick auf die Statistik belegt: Ja, sie können ohne Sforza. «Das war für mich sehr wichtig, weil ich nur wegen Ciriaco nach Thun gekommen bin», erklärt Rapp, der bisher drei Treffer und vier Assists in der Super League ausweisen kann. Buess steht derweil bei acht Toren und einer Vorlage. Auch unter Trainer Jeff Saibene stimmt die Entwicklung.

Buess und Rapp vereint nicht nur eine Freundschaft, sondern auch das Schicksal des Spätzünders. Beide fahnden den Weg in die oberste Schweizer Spielklasse erst über Umwege. Der 23-jährige Buess, der beim FCB alle Nachwuchsstufen durchlief, gehörte zum Kader jener U17-Nationalmannschaft, die Weltmeister wurde, wusste aber auch, dass er kein Granit Xhaka war. «Ich war stets ehrlich zu mir und räumte mir Zeit ein.»

Die Karriere von Roman Buess nimmt so langsam richtig Fahrt auf.

Die Karriere von Roman Buess nimmt so langsam richtig Fahrt auf.

Auch der 23-jährige Rapp war einst im Kader der U21 des FC Basel. «Die schlimmsten vier Monate», wie er im Rückblick sagt. Carlos Bernegger holte ihn damals vom abstiegsbedrohten Locarno zum FCB. Kaum war Rapp da, ging Bernegger nach Luzern, wo er Cheftrainer wurde. Sein Nachfolger hielt wenig von Rapp, im Sommer folgte die Flucht nach Wohlen. Der Rest ist bekannt.

Nun nehmen die Karrieren von Buess und Rapp richtig Fahrt auf. Rapp sagt: «Ich will jetzt erst einmal mit Thun erfolgreich sein, bevor ich an die Zukunft denke.» Buess teilt diese Gedanken. Es könnte jedoch gut sein, dass der FC Thun mit den beiden dereinst profitable Transfers machen wird. Vielleicht laufen die ehemaligen Basler Nachwuchsspieler ja irgendeinmal zusammen im St. Jakob-Park auf. Es wäre eine Genugtuung. Eine Späte, aber umso befriedigendere.

«Ich will jetzt erst einmal mit Thun erfolgreich sein, bevor ich an die Zukunft denke.»

Simone Rapp (links)

«Ich will jetzt erst einmal mit Thun erfolgreich sein, bevor ich an die Zukunft denke.»