«Ich bin ein Sandplatz-Spieler»

Roger Federers Spiel mit den französischen Fantasien

Kokettiert mit den Sehnsüchten der Franzosen: Roger Federer

Kokettiert mit den Sehnsüchten der Franzosen: Roger Federer

Dass Roger Federer mit dem Gedanken spielt, die French Open zu bestreiten, beflügelt im 9000 Kilometer entfernten Paris französische Fantasien. Der Baselbieter geniesst die Koketterie.

Vor einer Woche stiess Roger Federer beiläufig eine Tür auf, die geschlossen schein. «Es ist mein Traum, in Roland Garros noch einmal zu gewinnen. Noch einmal diese Emotionen von 2009 zu erleben», sagte er bei den Laureus World Sports Awards, wo er zum fünften Mal nach 2004 bis 2007 zum Weltsportler des Jahres gewählt worden war und zudem für das Comeback des Jahres ausgezeichnet worden war. Seither sind die Fantasien der Franzosen beflügelt.

Seit 2015 hat Federer die French Open nicht mehr bestritten. 2016 fehlte er wegen einer Verletzung am Rücken, vielleicht auch am Knie, vielleicht auch beides. Jedenfalls fühlte sich der Baselbieter nicht in der Lage, an der Porte d'Auteil anzutreten. Im Vorjahr verzichtete er erstmals überhaupt freiwillig auf ein Grand-Slam-Turnier, weil er sich auf die Rasensaison konzentrieren wollte und dem achten Triumph in Wimbledon alles unterordnen wollte. 

«Bis dahin wird noch viel Tennis gespielt»

Nun aber ist die Situation eine andere. Federer ist körperlich in besserer Verfassung als noch vor einem Jahr. Wer den bald 37-jährigen vierfachen Familienvater über den Platz sprinten sieht, könnte den Verdacht hegen, Federer sei besser in Form denn je. Auch er schliesst nicht aus, in diesem Jahr das eine oder andere Sandturnier zu bestreiten, will sich mit der Entscheidung aber noch bis im April Zeit geben. «Bis dahin wird noch viel Tennis gespielt.»

Zunächst in Indian Wells, wo der Titelverteidiger die Halbfinals erreichen muss, um die Führung in der Weltrangliste vor dem Abwesenden Rafael Nadal zu behaupten. Doch selbst in der 9000 Kilometer von Paris entfernten Mojave-Wüste zelebriert Federer das Spiel mit den französischen Fantasien. «Ich bin ein Sandplatzspieler, keine Frage. Das war meine Unterlage. Ich habe früher sogar im Winter Indoor auf Sand gespielt», sagte Federer in Indian Wells.

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Federers Koketterie mit den Sehnsüchten

Weil dabei ein Lächeln über seine Lippen huschte, liegt der Verdacht nahe, er geniesse die Aufmerksamkeit und kokettiere mit den Sehnsüchten der Franzosen. «Ich habe es immer genossen, auf Sand zu spielen. Im Laufe der Zeit dachten die Leute allenfalls, dass ich nicht gerne auf Sand spien würde, weil ich auf anderen Unterlagen mehr gewinnen konnte. Deshalb sieht meine Bilanz vielleicht auch nur durchschnittlich aus», sagte Federer.

Wieder so eine Koketterie. Natürlich: Federer gewann die French Open «nur» einmal. 2009 war es, als er seinen Karriere-Grand-Slam vollendete. Doch er stand vier weitere Male im Final, wo er jedes Mal gegen Rafael Nadal verlor. Gäbe es den Mallorquiner nicht - Federer wäre vielleicht auch auf roter Asche einer der erfolgreichsten der Geschichte. Doch auch so würde fast jeder Federers Resultate auf Sand gegen die eigenen eintauschen. 

Bleibt vorerst Federers einziger French-Open-Triumph: der Sieg von 2009

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Elf seiner 97 Titel gewann Federer auf Sand. Sicher ist, dass er sich nicht vor Ende Monat und erst nach den beiden Hartplatzturnieren in Indian Wells und Miami entscheiden wird. Der erste Höhepunkt der Sandsaison steht ab dem 15. April in Monte Carlo auf dem Programm. Anfang Mai folgen die Turniere in Madrid (ab dem 6. Mai) und Rom (ab dem 13. Mai). Die French Open beginnen am 27. Mai. Bis dahin wird die Federer-Koketterie weitergehen. 

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