Aberglaube ist unter Tennisprofis ein weitverbreitetes Phänomen, im Guten wie im Schlechten. Doch als die Auslosung der Australian Open gestern über die Bühne gegangen war, liess sich nur schwer ausmachen, ob jener Freitag der 13. nun kosmisch mit glücksbringenden oder katastrophalen Kräften im Bunde gewesen ist.

Fragt man Belinda Bencic, so dürfte sich die 19-Jährige wohl eher fühlen, als seien ihr gerade sämtliche schwarzen Katzen Melbournes über den Weg gelaufen.

Serena Williams wurde Bencic in der ersten Runde zugelost – viel schlimmer konnte es für den Auftakt des ersten Grand Slams der Saison kaum kommen. Die 22-fache Major-Siegerin aus den USA meldet sich gerade nach längerer Verletzungszeit gierig nach weiteren Titeln wieder zurück. In Melbourne hat die 35-jährige schon sechsmal triumphiert.

Allzu begeistert dürfte aber auch Williams nicht von ihrer Auslosung sein, schliesslich stand Bencic vor einem Jahr noch in den Top Ten und die Schweizerin konnte das letzte Aufeinandertreffen in Toronto 2015 für sich entscheiden. Doch es folgten Verletzungen und Rückschläge, wie in der Vorwoche in Sydney, als Bencic wegen eines gebrochenen Zehennagels aufgeben musste.

Hi Sydney, bye Sydney #nofilter #nonail

Ein von Belinda Bencic (@belindabencic) gepostetes Video am

Belinda Bencic mit gebrochenem Nagel

Wie fit die Schweizerin bei ihrem Match am Dienstag also tatsächlich sein wird, ist offen. Fest steht nur, dass es Fortuna nicht gut mit Bencic gemeint hatte – die Glücksgöttin muss eindeutig Fan von Roger Federer sein.


Federer nur an Nummer 17 gesetzt


Ein Tableauviertel, das zunächst gespickt ist mit Qualifikanten in den ersten Runden. Danach erwarten Federer potenziell der Tscheche Tomas Berdych (ATP 10), Kei Nishikori als Fünfter der Setzliste im Achtelfinal und schliesslich Andy Murray, der Weltranglistenerste, als möglicher Viertelfinal-Gegner – Federers Auslosung kommt einem Sechser in der Lotterie gleich.

Dabei hätte es den 35-jährigen Baselbieter bei seiner ersten Rückkehr auf die Grand-Slam-Bühne seit Wimbledon arg erwischen können. Denn Federer geht in Melbourne als Nummer 17 so tief gesetzt wie seit den French Open 2001 nicht mehr ins Rennen. Damals stand er auf Platz 18 der Weltrangliste, und es war der letzte Grand Slam, der nur mit 16 gesetzten Spielern ausgetragen wurde.

Nun sind es 32 Gesetzte, die einen gewissen Vorteil bei der Auslosung haben. Doch die Devise gilt: je höher gesetzt, desto besser. Denn in Federers neuer Ranglisten-Region warten viel früher, als er es sonst gewohnt ist, die schweren Brocken. «Ich weiss, dass ich schon in der dritten oder vierten Runde auf sehr gute Leute treffen werde, aber darauf freue ich mich», sagte Federer: «Vielleicht ist es sogar besser, früher gegen sie zu spielen, weil ich dann noch mehr Benzin im Tank habe.»

Roger Federers schönste Punktgewinne am Australian Open 2016.

Roger Federers schönste Punktgewinne am Australian Open 2016.

Der Tableau-Schlüssel sieht vor, dass die von 17 bis 24 Gesetzten in der dritten Runde auf einen Gegner, der zwischen Rang 9 und 16 platziert ist, treffen. Dort hätte es Federer mit seinem Rivalen Rafael Nadal (ATP 9) zu tun bekommen können, stattdessen wäre es nun Berdych. Und der Tscheche liegt Federer von jeher besonders gut.

Im Achtelfinal treffen die Top vier auf einen zwischen Rang 13 und 16 platzierten Gegner – und auch hier hatte Federer wieder Glück. Vor dem Turnierstart rutschte er noch um einen Platz nach hinten, was ihm das Duell mit Murray erst im Viertelfinal bescheren würde. Mit Nishikori im Achtelfinal wäre der Schweizer auch gut bedient, der Japaner ist mal wieder leicht verletzt und liegt im direkten Vergleich mit 2:4 hinten.

Setzliste hin oder her, Federer geht sicher nicht als Aussenseiter ins Turnier. «Ich hoffe, jetzt sind die anderen ein wenig nervös», sagt er und freut sich insgeheim, das Tableau mal von hinten etwas aufzumischen. Auch Timea Bacsinszky kann als Nummer zwölf mit ihrer Auslosung zufrieden sein, sie spielt zu Beginn gegen die Italienerin Camila Giorgi und findet sich mit Bencic in der unteren Tableauhälfte wieder.

Dass auch Stan Wawrinka Losglück hatte, ist im Trubel um Federer wieder einmal untergegangen. Der amtierende US-Open-Champion bekommt es als Nummer vier zunächst mit dem Slowaken Martin Klizan zu tun und hätte im Achtelfinal vielleicht Australiens «Bad Boy» Nick Kyrgios als erste Hürde, danach den kroatischen Aufschlagriesen Marin Cilic. Doch spätestens wenn der 31-jährige Lausanner im Halbfinal gegen Federer spielt, hat er seine Chance, endlich wieder die Schlagzeilen zu bestimmen.