Tennis
Roger Federer zum Duell gegen Nadal: «Ich hasste es, jetzt liebe ich es»

Nach seinem Sieg gegen Stan Wawrinka steht Roger Federer zum achten Mal mindestens in den Halbfinals von Roland Garros. Acht Jahre nach dem letzten Match trifft er in Paris erstmals wieder auf seinen Erzrivalen Rafael Nadal, gegen den er in Paris alle fünf Duelle verloren hat.

Simon Häring
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Rafael Nadal und Roger Federer 2011 nach ihrem letzten Final-Duell in Roland Garros.

Rafael Nadal und Roger Federer 2011 nach ihrem letzten Final-Duell in Roland Garros.

Keystone

Roger Federer, Sie starteten ohne grosse Erwartungen in die French Open. Nun stehen Sie in den Halbfinals, was ist das für ein Gefühl?

Zunächst bin ich sehr glücklich, wieder in den Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers zu stehen. Das ist mir im letzten Jahr ja nicht gelungen, in dem ich ein paar harte Niederlagen in der vierten Runde und in Viertelfinals hatte. Insofern habe ich meine Erwartungen bereits übertroffen. Nachdem ich die letzten drei Jahre die French Open nicht gespielt habe, ist das ein grossartiges Gefühl. Es war ein spezielles Spiel gegen Stan, den ich so gut kenne, und er mich. Dazu kam die Regenunterbrechung, das machte es super interessant. Aber ich habe die Nerven behalten. Ich habe nun das Spiel gegen Rafa, das ich wollte. Ich bin sehr aufgeregt und hoffe, ich kann mich gut erholen, wovon ich überzeugt bin.

Sie haben letztmals 2009 und insgesamt nur zwei Mal gegen Rafael Nadal auf Sand gewonnen. Wie gehen Sie dieses Spiel an?

Es gibt immer eine Chance. Natürlich wird es schwierig, aber man weiss nie. Vielleicht hat er ein Problem. Vielleicht ist erkrank. Oder du spielst grossartig, und er nicht. Vielleicht windet es unglaublich stark, oder es regnet. Es war nicht so einfach, überhaupt so weit zu kommen. Ich musste fünf Matches gewinnen. Darum bin ich glücklich, kann ich gegen ihn spielen. Denn wenn du auf Sand etwas erreichen willst, spielst du früher oder später gegen Rafa. Ich wusste, dass ich hoffentlich irgendwann auf ihn treffen, wenn ich auf Sand spiele. Hätte ich ihm aus dem Weg gehen wollen, hätte ich gar nicht erst auf Sand spielen müssen.

Die bisherigen Grand-Slam Duelle
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Federer steht zum vierten Mal in Folge im Final, für Nadal, der einen Monat zuvor zum dritten Mal in Folge die French Open gewinnt, zum ersten Mal mit einem Finalsieg gegen Federer, ist es eine Premiere. Mit einem 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3 verteidigt der Schweizer an der Church Road seinen vierten Titel in Folge und wehrt Nadals Angriff ein erstes Mal ab.
Nur die «Coupe des Mousquetaires» fehlt Federer in seiner Trophäensammlung noch. Zwei Wochen zuvor bezwingt er Nadal im Hamburg-Final erstmals auf Sand und beendet dessen Rekordserie von 81 Siegen in Folge auf dessen Lieblingsbelag. Doch in Roland Garros geht er im dritten Jahr in Folge gegen Nadal als Verlierer vom Platz – 3:6, 6:4, 3:6, 4:6.
Zwei Wochen darauf treffen sich Federer und Nadal erneut im Final, diesmal in Wimbledon. Mit seinem fünften Titel in Folge egalisiert Federer die Bestmarken von Björn Borg und Pete Sampras. Er setzt sich mit 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (6:3), 2:6, 6:2 durch und sagt danach ehrfürchtig: «Rafa wird immer besser. Ich nehme jeden Titel, den ich noch bekomme.»
Die Finalqualifikation Federers, geschwächt von den Nachwehen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, ist eine Überraschung. Zum dritten Mal in Folge unterliegt er dort Rafael Nadal, der ihm bei seinem 6:1, 6:3, 6:0-Sieg in 1:48 Stunden nur vier Games überlässt. Bis heute ist es Federers brutalste Niederlage. «Er war besser, viel besser», sagt Nadal, der sich sogar entschuldigt.
Der 6:4, 6:4, 6:7 (5:7). 6:7 (6:8), 9:7-Erfolg geht als bestes Spiel in die Geschichte ein. Erst um 21.15 Uhr verwandelt Nadal den Matchball, beendet Federers Traum vom sechsten Sieg in Folge und gewinnt erstmals in London. Das 4:48-Stunden-Epos wird später verfilmt. Federer sagt heute, die Niederlage sei Folge des Paris-Debakels im Monat zuvor gewesen.
«Oh, Gott, das bringt mich um», versagt Federer nach der 7:5, 3:6, 7:6 (7:3), 2:6, 2:6-Niederlage bei der Siegerehrung die Stimme. Nadal legt ihm den Arm um die Schulter. Er hatte zwei Tage zuvor im Halbfinal gegen Landsmann Fernando Verdasco fünf Sätze, fünf Stunden und 53 Minuten benötigt. Nadal gewinnt als erster Spanier überhaupt in Melbourne.
Im Halbfinal bezwingt Roger Federer Novak Djokovic, der zu diesem Zeitpunkt 2011 noch unbesiegt ist und 42 Siege in Folge hatte feiern können. Im Final verliert Federer den Startsatz nach 5:2-Führung und das Spiel mit 5:7, 6:7 (3:7), 7:5, 1:6. Zum vierten Mal trennt ihn nur ein Finalerfolg gegen Nadal vom Titel bei den French Open. Für Nadal ist es der sechste Paris-Titel.

Die bisherigen Grand-Slam Duelle

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Sie spielten nun gegen fünf Rechtshänder. Wie bereiten Sie sich nun auf den Halbfinal gegen einen Linkshänder vor?

Gegen einen Linkshänder fühlt es sich niemals natürlich an, aber ich habe nun zwei Tage, um mich mit spezifischem Training darauf vorzubereiten. Auf die Aufschläge, auf die Rotation des Balles. Es gilt, nun keine Zeit zu verschwenden. Gegen Rafa muss man furchtlos spielen, die Bälle früh nehmen. Das werde ich versuchen. Gegen einen Linkshänder ist es ein ganz anderes Spiel. Früher hasste ich es, jetzt liebe ich es. Denn es ist eine grosse Herausforderung. Und Nadal ist der Beste, auf den ich je getroffen bin.

Sie haben zuletzt fünf Mal gegen Nadal gewonnen, spielten dabei offensives Tennis und waren dabei oft am Netz. Denken Sie, das hilft Ihnen auch auf Sand?

Ich glaube nicht, dass ich ihn zum Nachdenken bringen kann, wenn ich ans Netz stürme. Es ist eher in seinem Schläger. Rafa ist der Beste auf Sand, das hat er oft bewiesen. Mir war immer klar, dass er hier nicht sang- und klanglos in der dritten Runde verlieren würde, auch wenn er in Monte Carlo, Barcelona und Madrid früher verlor. Ich muss gut servieren, denn wenn ich das nicht mache, bin ich dauernd unter Druck, zumal er selber besser serviert als zu Beginn seiner Karriere. Ich werde einen Plan haben und versuche, diesen rigoros zu verfolgen.