Elogen auf den Sportler Roger Federer haben in den letzten Monaten wieder Hochkonjunktur. Vor drei Wochen gewinnt er zum achten Mal in Wimbledon. Der Baselbieter hält eine ganze Kaskade von Rekorden, sie sind unbestechliche Zeugen seiner Ausnahmestellung in den Annalen des Weltsports. Zahlen mögen helfen, Leistungen einzuordnen, zugleich reduzieren sie den Menschen Federer auf eine Dimension, die ihm nicht gerecht wird.

Heute feiert Roger Federer seinen 36. Geburtstag. Seit Tagen huldigen Anhänger rund um den Globus dem vierfachen Weltsportler des Jahres mit selbst gedrehten Videos und überfluten sein Postfach in Bottmingen mit Paketen, Briefen und anderen Devotionalien. Der Rogers Cup in Montreal, wo er auf eigenen Wunsch am Mittwoch erstmals spielt, dürfte ihn mit einem Kuchen überraschen. Die Zuschauer werden es sich wohl nicht nehmen lassen, Federer auch am Tag nach dem Wiegenfest ein Ständchen zu singen. Doch was wünscht man einem, der selber sagt, sein Leben sei wie ein Traum? Der sagt: «Ich bin glücklich und dankbar, wie sich alles entwickelt hat. Ich weiss aber auch ganz genau, dass ich nichts mehr so gut machen werde wie Tennisspielen» Noch mehr Turniersiege? Die Rückkehr auf Platz eins der Weltrangliste, die schon in einer Woche möglich ist? Olympia-Gold im Einzel 2020 in Tokio? Ein Karriereende wie im Drehbuch?

Exemplarisch: Ein indischer Tennisfan gratuliert zum Geburtstag.

«Es ist nett, wichtig zu sein, aber wichtiger, nett zu sein»

Welche Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen hat einer, der die Gabe hat, selbst Rückschläge wie die Verletzung im Vorjahr als Chance und Herausforderung anzunehmen? Er selber wird nicht müde, zu sagen, wie wichtig es ihm ist, Werte vorzuleben und weiterzugeben, die ihm in die Wiege gelegt worden sind. Demut, Respekt, Bescheidenheit und Hingabe. Aus der Anfangszeit seiner Karriere, wo er noch Pferdeschwanz trug, stammt dieses Motto: Es ist nett, wichtig zu sein, aber es ist wichtiger, nett zu sein.»

Roger Federer trug früher noch einen Rossschwanz.

Roger Federer trug früher noch einen Rossschwanz.

Seither ist viel passiert. Roger Federer aus Münchenstein, Baselland, wohnhaft in Valbella, Graubünden, mit Wohnsitz in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, führt heute ein Leben im Schaufenster der Weltöffentlichkeit, wehrt sich aber mit Erfolg dagegen, zur Geisel seiner Popularität zu werden. Er fährt mit seinen Kindern im «Drämmli» in den Zoo. Er holt sie von der Skischule ab. Er mischt sich an der Basler Fasnacht unters Volk.

«Ich bin Roger aus der Schweiz und ich spiele Tennis»

Roger Federer ist ein Meister des authentischen Spagats. Bodenständig und doch weltmännisch. Bescheiden und doch selbstbewusst. Weltreisender und doch durch und durch Schweizer. Bei allem Wahnsinn, der ihn seit über einer Dekade umgibt, bei allem Erfolg, den er hat, ist er seinen Werten treu geblieben. Weil er Bekanntheit nie mit Bedeutung verwechselt. Kürzlich beantwortete er die Frage, wie er sich vorstellen würde, so: «Hallo, ich bin Roger aus der Schweiz und ich spiele Tennis.» Das aber, lieber Roger, ist nur die halbe Wahrheit.

Federer ist mehr als nur beliebt.

Mit deiner Stiftung unterstützt Du Hunderttausende Kinder in den ärmsten Regionen Afrikas. Tennis und Familie sind die Eckpfeiler Deines Lebens. Wie Du sie verbindest und Deine Popularität als Motor einsetzt, verdient grössten Respekt. Mit Demut, Menschlichkeit, Respekt, aber auch mit Humor setzt Du dich für jene Dinge ein, die Dir am Herzen liegen. Wir könnten Dir zu Deinem Geburtstag das perfekte Spiel wünschen, von dem Du glaubst, dass Du es noch nicht gespielt hast. Oder den Titel in New York.

Wir – und natürlich auch alle Deine Anhänger – würden uns mit Dir darüber freuen. Es ist aber eigentlich nicht mehr wichtig. Wir könnten Dir wünschen: Bleib, wie Du bist! Bleib gesund. Bleib Deinen Werten treu. Bleib dieser Schweizer Weltsportler, der sich selber nicht so wichtig nimmt und es vielleicht gerade deswegen ist. Aber das wirst Du sowieso. Darum sagen wir an Deinem Geburtstag ganz einfach: Happy Birthday, Roger! Bleib gesund und geniesse das Leben.