Tennis
Roger Federer vor der Achtelfinalpartie gegen Nishikori:«Ich hoffe, ich kann gegen Kei das Level halten»

Roger Federer besiegt in der 3. Runde des Australian Open den Tschechen Tomas Berdych ohne grössere Probleme. Der Gegner im Achtelfinal heisst Kei Nishikori. Der Japaner konnte die letzten drei Partien gegen Federer nicht gewinnen. Federer gibt sich selbstbewusst.

Petra Philippsen aus Melbourne
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Federer spielt im Achtelfinal des Australian Open gegen den Japaner Kei Nishikori.

Federer spielt im Achtelfinal des Australian Open gegen den Japaner Kei Nishikori.

Keystone

Serena Williams spielte am Samstag am Australian Open in der Rod-Laver-Arena, doch den Fans, die es sich im Garden Square in den Liegestühlen vor der Videowand bequem gemacht hatten, wurden immer wieder Bilder von Court 17 eingespielt.

Dort lief gar kein Match, und dennoch schien das Geschehen viel interessanter zu sein als der eigentliche Spielbetrieb: Roger Federer trainierte dort. Und schon eine Stunde, bevor es losgegangen war, hatten sich die treuen Fans des Schweizers in dichten Reihen um den Trainingsplatz gedrängelt, die Landesflaggen an die Banden gehängt und geduldig ausgeharrt.

Und dann kam Federer – und 200 Stimmen kreischten und jubelten entzückt und riefen immer wieder «Roger, Roger». Federer winkte kurz, wirkte sehr entspannt. Kaum verwunderlich nach der Galavorstellung über Tomas Berdych in der dritten Runde.

Trainings-Zaungast Boris Becker

Auch mit seinen Trainern Ivan Ljubicic und Severin Lüthi plauderte Federer locker, genau wie mit Andreas Seppi – er hatte sich tatsächlich Stan Wawrinkas Gegner im Achtelfinal als Trainingspartner ausgesucht. Der Südtiroler ist ein netter Kerl und dass er Federer am Australian Open 2015 in der dritten Runde eine bittere Niederlage verpasst hatte, trug ihm der Baselbieter sicher nicht nach.

Die beiden schlugen Bälle, im Visier von Hunderten Handykameras, Fotolinsen und Kameraobjektiven und unter den Argusaugen von Boris Becker. Doch der dreimalige Wimbledonsieger «spioniert» nicht mehr für Team Djokovic, er sondiert die Lage für seinen Job als TV-Kommentator. So stand Becker an der Seite im regen Austausch mit Federers Manager Tony Godsick, während der Schweizer trainierte – und nach 35 Minuten war er bereits fertig.

Man schwatzte noch kurz am Netz, auch mit allen Trainern, scherzte ein bisschen und klatschte sich ab. Aber man sah deutlich, dass Seppi eigentlich gerne noch weitertrainieren wollte.

Schliesslich wartet mit Wawrinka ein schwerer Gegner auf den nur noch 89. der Weltrangliste. «Wir hatten schon viele harte Duelle», sagte Seppi, «Stan ist ein Champion und einer der Besten der Tour. Und je länger ein Turnier schon dauert, umso schwerer ist es, ihn zu schlagen.» Zuletzt war das Seppi 2012 in Rom gelungen, seinem «schönsten Sieg» überhaupt gegen Wawrinka.

Der 32-Jährige ist einer der soliden Spieler der Tour, stand jahrelang zwischen Platz 18 und 50, in der letzten Saison warfen ihn Verletzungen zurück. Nach drei kämpferischen Runden (den australischen «Bad Boy» Nick Kyrgios bezwang er mit 10:8 im fünften Satz) wird ihn Wawrinka sicher nicht unterschätzen.

Das sind die 16 Grand Slam Titel von Federer:

Das sind die 19 Grand Slam Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).
19 Bilder
 2) Federer holt sich seinen ersten Titel 2004 in Australien gegen Marat Safin (Russland) mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:2.
 3) 2004 verteidigt Federer den Wimbledon-Titel gegen den US-Amerikaner Andy Roddick mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4.
 4) US Open 2004: Roger Federer spielt im Final gegen Hewitt wie entfesselt, gewinnt mit 6:0, 7:6 (7:3), 6:0 und holt sich so hier den ersten Titel.
 5) Federer gewinnt 2005 seinen dritten Wimbledon-Titel. Sein Opfer Andy Roddick: 6:2, 7:6 (7:2), 6:4.
 6) 2005 triumphiert Federer über die Tennislegende Andre Agassi mit 6:3, 2:6, 7:6 (7:1), 6:1 und sichert sich seinen zweiten US-Open-Titel.
 7) Nach harten Kampf gewinnt Federer 2006 gegen Marcos Baghdatis (Zypern) die Australian Open zum zweiten Mal mit 5:7, 7:5, 6:0, 6:2.
 8) 2006 gewinnt Federer in Wimbledon gegen Rafael Nadal mit 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3.
 9) 2006 holt Federer den dritten US-Open-Titel in Serie. Andy Roddick muss sich mit 6:2, 4:6, 7:5, 6:1 geschlagen geben.
 10) Federer gewinnt die Australian Open 2007 zum dritten Mal. Er besiegt Fernando Gonzales (Chile) 7:6 (7:2), 6:4, 6:4.
 11) Fünfter Wimbledon-Titel in Serie im Jahr 2007. Der Gegner: Rafael Nadal. Das Resultat: 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2.
 12) Novak Djokovic (Serbien) war der bessere Spieler. Dennoch gewinnt Federer die US Open 2007 mit 7:6, 7:6 und 6:4. Es ist sein vierter Titel an den US Open.
 13) Nach einer schwierigen Saison holt sich Federer im Final der US Open 2008 den Titel gegen den Schotten Andy Murray mit 6:2, 7:5, 6:2.
 14) Endlich! Roger Federer gewinnt 2009 gegen den Schweden Robin Söderling die French Open mit 6:1, 7:6 (7:1), 6:4.
 15) Federer gewinnt 2009 seinen sechsten Wimbledon-Titel gegen Andy Roddick mit 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6 und 16:14.
 16) Federer gewinnt das Australian Open 2010 in Melbourne gegen Andy Murray mit 6:3, 6:4, 7:6 (13:11).
 17) Wimbledon 2012: Federer holt sich zum siebten Mal den Titel – Sieg gegen Andy Murray mit 4:6, 7:5, 6:3, 6:4.
 18) Australian Open 2017: Nach einer langen Durststrecke holt sich Roger Federer wieder einen Grand-Slam-Titel. Sieg gegen Rafael Nadal mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3. Es ist sein siebter Titel am Australian Open.
 19) Wimbledon 2017: Ohne Satzverlust rauscht Roger Federer in den Final und lässt dort auch Marin Cilic keine Chance. 6:3, 6:1, 6:4 lautet das klare Verdikt. Es ist zugleich Federers achter Titel in Wimbledon - Rekord.

Das sind die 19 Grand Slam Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).

«Das wird ein Härtetest für mich»

Federer ging zur Seitenbande, und das Gekreische brandete erneut auf. Geduldig schritt er die ganze Reihe der wartenden Fans ab, schrieb seinen Namen auf Kappen, Bälle und Fotos, posierte für ein Selfie nach dem anderen. Ganze 15 Minuten nahm er sich Zeit und hinterliess nur glückliche Gesichter.

Seppi hatte derweil mit seinem Trainer noch weiter Bälle geschlagen. Doch Federer reichte das kurze Warm-up und das gute Gefühl für die Schläge. «Ich hoffe, ich kann gegen Kei das Level halten», sagte Federer, «es wird für mich auf jeden Fall ein sehr spannendes Match.» Seine furiose Leistung gegen Berdych will er gegen Kei Nishikori im Achtelfinal bestätigen: «Das wird ein Härtetest für mich.»

Die letzten drei Partien gegen den an Position fünf gesetzten Japaner hatte Federer gewonnen, doch «Kei hat in den vergangenen Monaten definitiv mehr Tennis gespielt als ich». Ob das seinen Gegner zum Favoriten gegen ihn mache, beantwortete Federer mit breitem Grinsen: «Es ist eine neue Saison, wir werden sehen.» Zweifellos, das alte Selbstvertrauen ist zurück.

Dann verliess Federer unter Gejohle den Trainingsplatz, schüttelte im Vorbeigehen Becker freundlich die Hand und verschwand in der Umkleide. Seppi packte noch seine Sachen, als sich der Platz längst geleert hatte. Seine Unterschrift war heute nicht gefragt.

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