Nur etwas mehr als eine Stunde steht Roger Federer im Halbfinal der Australian Open auf dem Platz. Dann muss der Südkoreaner Hyeon Chung (21, ATP 58) wegen Blasen an den Füssen das Handtuch werfen. Titelverteidiger Federers steht zum 30. Mal im Final eines Grand-Slam-Turniers und peilt gegen Marin Cilic (29, ATP 5) seinen 20. Titel an. Nach dem Halbfinal sprach der Baselbieter über....

...den kurzen Halbfinal gegen Chung
Ich hätte mir ein normales Ende gewünscht. Aber ich sage mir auch: Je schneller, desto besser. Ich bin einfach glücklich, bin ich im Final. Ich wusste, dass er Probleme hat. Er ist in den letzten Tagen in der Kabine nur noch gehumpelt. Wer seine Füsse gesehen hat, sagte, es sei unglaublich, dass er überhaupt noch spielte. Vor dem letzten Punkt habe ich  noch gedacht, dass es der letzte sein könnte. Ich weiss, wie schmerzhaft Blasen sind. Ich sagte mir aber auch: Er hat Probleme? Pech für ihn.

Hier muss Hyeon Chung gegen Roger Federer verletzt aufgeben.

Finalgegener Marin Cilic
Dass er 2014 die US Open gewonnen hat, hat ihm den Glauben gegeben, dass er in den ganz grossen Momenten der Beste sein kann. Gegen Nadal hat er grossartig gespielt. Mir gefällt seine Einstellung, er ist sehr professionell - ob er verliert oder nicht. Das macht ihn zu einem Sieger. Er ist mit einem Viertelfinal nicht zufrieden und strebt nach mehr, das mag ich.

...ob er noch etwas verbessern muss...
Nein, ich muss einfach ein gutes Spiel zeigen. Es geht nicht mehr darum, etwas verbessern zu wollen. Ich habe alles ziemlich gut gemacht. Ich hoffe einfach auf einen guten Start, dass ich von Anfang an gut serviere und nicht in Schwierigkeiten gerate.

Die besten Bilder vom Halbfinale Federer vs. Chung: 

...Was sich für ihn in den letzten zehn Jahren geändert hat...
Mein Leben hat sich total verändert: Ich habe jetzt vier Kinder. Auch im Tennis bin ich weiser geworden. Ich bin entspannter. 2008 hatte ich das Drüsenfieber. Das war ein Knackpunkt in meiner Karriere. Man geht durch verschiedene Phasen, das ist normal. Ich bin glücklich, bin ich noch hier und spiele ich. Das hätte ich nie gedacht. Weniger zu spielen, ist ein Genuss.

...Die Ferien auf den Malediven mit Cilic...
Ich war vor ihm da und er kam später auf die Insel. Man hat mich gewarnt, dass noch ein Tennisspielerkomme, aber für mich ist das kein Problem. Wir wollten uns gegenseitig nicht stören. Er hat mir dann irgendwann geschrieben, dass er hier sei und ich melde solle, wenn ich Lust hätte. Wir haben dann zwei Mal für 45 Minuten gespielt. Ohne Coaches, nur wir zwei, das war toll. Später hatten wir Drinks zusammen, ich habe seine Verlobte kennengelernt, er meine Familie. Ich habe den Mann hinter dem Tennisspieler kennengelernt.

Roger Federer im Platzinterview mit Jim Courier nach dem Sieg über Hyeon Chung.

...Die Bedeutung eines 20. Grand-Slam-Titels...
Das wäre sehr speziell. Ich kann es nicht glauben, wie schnell es gegangen ist. Es war kein einfacher Trip bis in den Final. Aber die Arbeit beginnt viel früher - Wochen und Monate vorher, damit du im entscheidenden Moment bereit bist. Wenn es dannpassiert, ist es ein grossartiges Gefühl. Es zeigt, dass wir viele Dinge richtig gemacht haben.

...seine Vorbereitung auf den Final...
Ich bin ein Gewohnheitstier. Ich werde wieder um 15.00 Uhr trainieren, weil die Sonne dann am angenehmsten steht. Ich werde bis dahin nicht viel machen, ausschlafen und erst um 01.00 Uhr ins Bett gehen, weil der Final ja auch spät ist. Wahrscheinlich schaue ich den Frauenfinal und einen Film. Wie vor dem Halbfinal. Heute habe ich einen Thriller geschaut.