Lille

Roger Federer trainiert wieder mit Davis-Cup-Team - ohne Schmerzen

Die Chancen auf einen Einsatz von Tennis-Superstar Roger Federer zum Auftakt des Davis-Cup-Finales zwischen der Schweiz und Frankreich am Freitag scheinen nun doch zu steigen.

Vor dem Davis-Cup-Final spricht alles von Roger Federer, der gestern in Lille erstmals locker trainieren konnte - ausser das französische Team. Fast krampfhaft versucht die Equipe tricolore, das Thema zu meiden. Der Druck liegt beim Heimteam, das sich nach einem Grosserfolg sehnt.

Frankreichs Captain Arnaud Clément versucht die Medienleute ernsthaft glauben zu lassen, dass es für seine Spieler keine Rolle spiele, ob Roger Federers Rücken rechtzeitig bis am Freitag spielbereit wird. "Wir spielen gegen das Team Schweiz, nicht gegen das Team Federer", lautet der Tenor bei den Franzosen. Sie stehen mit dieser Einschätzung allerdings ziemlich alleine da, und reden mit Sicherheit auch nur nach aussen so.

Als dieser Roger Federer am Mittwoch um genau 18.39 Uhr erstmals den Sandplatz im Stade Pierre Mauroy betrat, standen jedenfalls fast hundert Medienschaffende bereit, um diesen Moment festzuhalten. Eine halbe Stunde schlug der 33-jährige Baselbieter mit Marco Chiudinelli Bälle - ohne zu forcieren. "Das war ein grosser Schritt in die richtige Richtung", zeigte sich Captain Severin Lüthi zufrieden. "Er hat keine Schmerzen, aber wir müssen von Tag zu Tag schauen." Am Donnerstagmittag bei der Auslosung werden die Karten erstmals auf den Tisch gelegt.

Egal, was sie sagen, natürlich ist auch den Franzosen klar, dass ihre Chancen gegen eine Schweiz ohne - oder nur mit einem angeschlagenen - Leader raketenartig in die Höhe steigen würden. Und die "Grande Nation" lechzt nach einem Erfolg im Tennis. Seit Jahrzehnten ist sie in beeindruckender Quantität an der Spitze dabei, zum ganz grossen Coup reichte es seit Yannick Noahs Triumph am French Open 1983 aber nicht mehr. An der Spitze der Weltrangliste stand seit deren Einführung 1973 überhaupt noch nie ein Franzose. Das ist zu wenig für die Nation, die das Welt-Tennis in den 1920er- und 30er-Jahren dank Henri Cochet, Jean Borotra, René Lacoste und Jacques Brugnon dominiert hatte.

Das Schweizer Davis-Cup-Team im Training - hier noch ohne Roger Federer

Von 1927 bis 1932 dominierten die vier Musketiere den Davis Cup mit sechs Siegen in Folge. Auch heute scheint der Triumph im Teamwettbewerb der einzige grosse Sieg, der für die talentierte Generation mit Jo-Wilfried Tsonga, Gaël Monfils und Richard Gasquet drin liegt. Im Einzel sind sie nie an den Grossen Federer, Nadal, Djokovic und Murray vorbeigekommen - und werden es auch nicht mehr.

Umso grösser ist der Druck in diesem Davis-Cup-Final. Alles haben die französischen Spieler diesem Ziel untergeordnet, das Schlussviertel der Saison nach dem US Open praktisch kampflos preisgegeben. Fast zwei Wochen haben sie in Bordeaux auf Sand trainiert, ehe sie in den Norden Frankreichs dislozierten. Wenn sie jetzt nicht bereit sind, müssen sie wohl noch lange auf den zehnten Davis-Cup-Sieg - den ersten seit 2001 - warten.

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