Tennis
Roger Federer strebt den ersten Titel in Montreal an – die Organisatoren rollen ihm auch in Kanada den roten Teppich aus

Drei Wochen ist es her, dass Roger Federer in Wimbledon zum achten Mal triumphiert. Auf dem Centre Court, dem Schauplatz des Geschehens, erinnert nur noch die Anzeigetafel, die den Finalsieg gegen Marin Cilic dokumentiert, an den geschichtsträchtigen Moment. Der Rasen wurde ausgerissen, auf der Anlage ist Ruhe eingekehrt. Die Tennis-Karawane hat ihre Zelte inzwischen in Montreal, im Nordosten Kanadas, aufgeschlagen.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Den Sieg in Montreal und die Nummer eins im Visier: Roger Federer.

Den Sieg in Montreal und die Nummer eins im Visier: Roger Federer.

Keystone

Mit dem Rogers Cup hat Federer noch eine Rechnung offen. Zwar hat er ihn 2004 und 2006 gewonnen, allerdings in Toronto, wo das Turnier alternierend mit Montreal ausgetragen wird. Weil er 2013 wegen Rückenbeschwerden und vor zwei Jahren ohne Angabe von Gründen verzichtete, schlägt Federer erstmals seit 2011 wieder in Montreal auf. Entsprechend euphorisch wird er von Tausenden Schaulustigen beim Training empfangen.

Erst nach Geburtstag im Einsatz?

«Wir feiern heute, und die Feierlichkeiten werden die nächsten Tage andauern. Roger wird ja auch seinen 36. Geburtstag bei uns feiern», sagt auch Turnierdirektor Eugène Lapierre. Der Baselbieter, so wird kolportiert, soll Lapierre gebeten haben, seinen ersten Einsatz nach einem Freilos in der Startrunde erst auf Mittwoch zu terminieren, um seinen Geburtstag in Ruhe feiern zu können.

Das bedeutet auch, dass er, sollte er in Montreal zum erst zweiten Mal nach 2007 den Final erreichen, an sechs Tagen in Folge im Einsatz stehen würde. Seinen Auftaktgegner ermitteln mit Vasek Pospisil (27, ATP 72) und Peter Polansky (29, ATP 115) zwei Kanadier. Geht es nach Papierform, trifft Federer in den Viertelfinals auf Kei Nishikori (27, ATP 9), im Halbfinal auf den Österreicher Dominic Thiem (23, ATP 7).

Zurück an die Arbeit: Roger Federer steht in Montreal erstmals seit dem gewonnenen Wimbledon-Final wieder im Einsatz

Zurück an die Arbeit: Roger Federer steht in Montreal erstmals seit dem gewonnenen Wimbledon-Final wieder im Einsatz

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Mit der Teilnahme in Montreal wahrt Federer auch seine Chancen, in der kommenden Woche in Cincinnati, wo er sieben Mal den Titel gewonnen hat, erstmals seit November 2012 wieder die Spitze der Weltrangliste zu übernehmen. Er, der diese schon während 302 Wochen angeführt hat, wäre damit auch der älteste Spitzenreiter der Geschichte. Bereits in dieser Woche hat French-Open-Sieger Rafael Nadal (31, ATP 2) die Chance, Andy Murray (30) vom Thron zu verdrängen, er benötigt dazu eine Halbfinal-Qualifikation. Die aktuelle Nummer 1 aus Schottland laboriert an einer Hüftverletzung und verzichtet auf eine Teilnahme.

Sein Fehlen hat zur Folge, dass Federer und Nadal erstmals seit Monte Carlo 2011 die Setzliste anführen. Die ersten Herausforderer sind Dominic Thiem, der damals die Nummer 917 der Welt war, und der Deutsche Alexander Zverev (20, ATP 8), der 13 Jahre alt war.

Gedankenspiele um den Thron

Die neue Hackordnung ergibt sich aus dem vorzeitigen Saisonende von Novak Djokovic (30) und Stan Wawrinka (32), der sich einer Operation im linken Knie unterziehen wird. Ebenfalls nicht am Start ist Wimbledon-Finalist Marin Cilic (28, ATP 6). In der Jahreswertung liegt Federer 550 Punkte hinter Nadal. «Um Ende Jahr die Nummer eins zu sein, musst du viel spielen. Ich weiss noch nicht, ob ich dieses Risiko eingehen will. Vielleicht genügt es, nur eine Woche wieder die eins zu übernehmen. Ich habe das Gefühl, auch das würde mich schon glücklich machen.»

Nach seinem Triumph in London reiste Federer in die Ferien nach Sardinien. Danach führte er den Wimbledon-Pokal in die Schweizer Bergwelt ein – via Social Media verbreitete er Bilder davon. Offiziell heisst der Pokal zwar Challenge Cup, Federer aber benennt ihn lieber nach dem dreifachen Wimbledonchampion Arthur Gore, der die Trophäe unter anderem 1908 gewann. 19 steht dabei für die Anzahl seiner Grand-Slam-Titel, 8, die Lieblingszahl des am 8.8.1981 geborenen Baselbieters, ist die Zahl seiner Erfolge in Wimbledon.

Aktuelle Nachrichten