Interview
Roger Federer nach der Niederlage gegen Djokovic: «Ich weiss nicht, ob ich nächstes Jahr nochmals antrete»

Wenige Minuten nach dem Spiel erklärt Roger Federer sein Ausscheiden in den Halbfinals der Australian Open. Er sagt, wie schlimm seine Verletzung ist. Und ob er im nächsten Jahr noch einmal in Melbourne antreten will.

Simon Häring
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Roger Federer gibt sich bei der Aufarbeitung seiner Niederlage im Halbfinal der Australian Open nachdenklich.

Roger Federer gibt sich bei der Aufarbeitung seiner Niederlage im Halbfinal der Australian Open nachdenklich.

Lukas Coch / EPA

Roger Federer, Sie liessen sich nach dem ersten Satz behandeln. Gab es Bedenken, ob Sie überhaupt spielen können?

Eigentlich nicht, nein. Ich ging noch in der Nacht nach dem Viertelfinal zu einem MRI, um festzustellen, wie gravierend das Problem ist. Alles war in Ordnung. Danach trainierte ich nicht, die Erholung stand im Vordergrund. Bei alltäglichen Dingen hatte ich jedenfalls keine Schmerzen mehr. Ich fühlte mich ja schon im fünften Satz gegen Tennys Sandgren besser, das war sehr ermutigend. Die Behandlung nach dem ersten Satz war eher, um weiteren Problemen vorzubeugen. Als das Spiel einmal begonnen hatte, war ich zuversichtlich, zu Ende spielen zu können. Mein grösstes Problem war die Angst, dass ich mich schlimmer verletzen könnte.

Wie grosse Chancen haben Sie sich ausgerechnet?

Es war schrecklich, was ich heute durchmachen musste. Ich hatte einen guten Start, ein gutes Ende und das dazwischen war zum Vergessen. Es ist frustrierend, wenn du weisst, dass du vielleicht drei Prozent Chancen hast, das Spiel zu gewinnen. Aber ich glaubte immer daran, dass ich eine kleine Chance habe, sonst hätte ich nicht gespielt. Wenn du merkst, dass es anders kommt, ist das natürlich hart.

Federer gegen Djokovic – die besten Bilder des Halbfinals:

6:7, 4:6 und 3:6: Roger Federer verliert den Halbfinal in Melbourne.
11 Bilder
Roger Federer im Halbfinal des Australian Open in Melbourne gegen Novak Djokovic an.
Roger Federer tut sich schwer.
Novak Djokovic ist viel beweglicher als sein Gegner.
Der Maestro hat Probleme, Federers Körpersprache ist ziemlich negativ.
Roger Federer Fans halten auch in schlechten Zeiten zu ihm.
Hat der Schweizer, der in seiner langen Karriere noch nie ein Match aufgegeben hat, etwa doch ernstere Probleme?
Djokovic jagt Federer immer wieder hin und her von einer Ecke in die andere.
Schweizer Fans sind auch im Publikum gut erkennbar.
Federer muss für seine Punkte viel härter arbeiten.
Federer verschwindet in der Kabine und wird sich wohl am angeschlagenen Oberschenkel behandeln lassen.

6:7, 4:6 und 3:6: Roger Federer verliert den Halbfinal in Melbourne.

Keystone

Wie ist das, in ein Spiel zu steigen, in dem man sich so kleine Chancen auf den Sieg ausrechnet?

Es gab schon vorher Matches, in denen ich mich so gefühlt habe. Aber es ist immer noch besser, als null Chancen zu haben. In London (2014, als er nicht zum Final der ATP-Finals antreten konnte, d. Red.) war es schlimmer, als ich mich bei den Leuten entschuldigen musste, dass ich nicht einmal richtig gehen kann. So ist es mir lieber. Es tut mir im Herzen weh, so zu spielen, mit angezogener Handbremse. Natürlich ist das frustrierend, aber ich hatte zu grosse Angst, dass ich mich noch schlimmer verletzen könnte. Deshalb bin ich auch erleichtert, dass es vorbei ist.

Gratulationen von Federer für den starken Rivalen.

Gratulationen von Federer für den starken Rivalen.

Andy Brownbill / AP

Was denken Sie, wie lange es geht, bis Sie sich von der Verletzung erholt haben?

Ich habe das Gefühl, dass ich sehr bald wieder fit sein werde. Ich hoffe, ich bin reif für Südafrika. Am Mittwoch werde ich nach Namibia fliegen, dann weiter nach Kapstadt, worauf ich mich sehr freue. Ich fühle mich nicht schlechter als vor dem Match, das ist für mich sehr ermutigend.

Sie hatten im ersten Satz die Chance, 5:1 in Führung zu gehen. Wie gross ist das Bedauern, dass dies nicht gelungen ist?

Ich ging mit der Einstellung ins Spiel, dass ich nichts zu verlieren habe und er alles. Entsprechend spielte ich befreit auf. Aber es ist schwierig, fünf Stunden so zu spielen. Es ist schade, konnte ich den Satz dann nicht nach Hause servieren. Ich bin sicher, dass er sich zu Beginn nicht sehr wohl gefühlt hat, aber er fand einen Weg damit umzugehen. Er ist ein grossartiger Spieler, das wissen alle. Er lässt dich laufen, er serviert gut, retourniert gut, bewegt sich gut, ist mental sehr stark. Novak war der bessere Spieler und verdient diesen Sieg.

Welches Fazit ziehen Sie insgesamt zum Turnier?

Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich hier erreicht habe. Es war das Maximum, das hier drin lag, speziell nach den Spielen gegen Millman und Sandgren. Ich spielte gut, ich weiss, dass es besser geht, aber es hätte auch viel schlechter sein können.

Nehmen Sie auch 2021 an den Australian Open teil?

Ich habe keine Ahnung. Es gilt, was ich schon im letzten Jahr gesagt habe: Man weiss nie, was die Zukunft bringt, schon gar nicht in meinem Alter. Aber ich habe keine Pläne, zurückzutreten. Wir werden sehen, wie es für die Familie ist. Es muss für die Familie und mich passen, es hat oberste Priorität, dass es für die Kinder passt.

Bereuen Sie, dass sie kein Vorbereitungsturnier spielten?

Die Vorbereitung war sehr gut. War sie perfekt? Keine Ahnung. Aber für mich und die Familie hat es gepasst und das hat absolute Priorität, dass es für die Kinder und die Mannschaft passt. Ich habe hart und gut trainiert und habe gezeigt, dass ich auch ohne Turniere grosse Partien zeigen kann. Vor allem bin ich zufrieden damit, wie ich mich fühle. Jeder hat seine Wehwehchen, in meinem Alter muss man sich damit abfinden.

Glauben Sie, dass sie noch Grand-Slam-Titel gewinnen können?

Ja, das glaube ich. Wenn man das letzte Jahr sieht, das ich hatte und weiss, wie ich spielen kann, habe ich dieses Gefühl.

Das sind alle 103 Turniersiege von Roger Federer:

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2
103 Bilder
102. Titel, Halle 2019 David Goffin 7:6, 6:1
101. Titel, Miami 2019 John Isner, 6:1, 6:4
100. Titel, Dubai 2019 Stefanos Tsitsipas. 6:4, 6:4
99. Titel, Basel 2018 Marius Copil, 7:6, 6:4
98. Titel, Stuttgart 2018 Milos Raonic, 6:4, 7:6
97. Titel, Rotterdam 2018 Grigor Dimitrov, 6:2, 6:2
96. Titel, Australian Open 2018 Marin Čilić, 6:2, 6:7, 6:3, 3:6, 6:1
95. Titel, Basel 2018 Juan Martín del Potro, 6:7, 6:4, 6:3
94. Titel, Shanghai 2017 Rafael Nadal, 6:4, 6:3.
93. Titel, Wimbledon 2017 Marin Cilic, 6:3, 6:1, 6:4
92. Titel, Halle 2017 Alexander Zverev, 6:1, 6:3
91. Titel, Miami 2017 Rafael Nadal, 6:3, 6:4
90. Titel, Indian Wells 2017 Stan Wawrinka, 6:4, 7:5.
89. Titel, Australian Open 2017 Rafael Nadal, 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.
88. Titel, Basel 2015 Rafael Nadal, 6:3, 5:7, 6:3.
87. Titel, Cincinnati 2015 Novak Djokovic, 7:6 (7:1), 6:3.
86. Titel, Halle 2015 Andreas Seppi, 7:6 (7:1), 6:4
85. Titel, Istanbul 2015 Pablo Cuevas, 6:3, 7:6 (13:11)
84. Titel, Dubai 2015 Novak Djokovic, 6:3, 7:5.
83. Titel, Brisbane 2015 Milos Raonic, 6:4, 7:6, 6:4. - Es war Federers 1000. ATP-Karriere-Sieg.
82. Titel, Basel 2014 David Goffin, 6:2, 6:2.
81. Titel, Schanghai 2014 Gilles Simon, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2)
80. Titel, Cincinnati 2014 David Ferrer, 6:3, 1:6, 6:2.
79. Titel, Halle 2014 Alejandro Falla, 7:6, 7:6
78. Titel, Dubai 2014 Tomas Berdych, 3:6, 6:4, 6:3.
77. Titel, Halle 2013 Michail Juschni, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4.
76. Titel, Cincinnati 2012 Novak Djokovic, 6:0, 7:6 (9:7)
75. Titel, Wimbledon 2012 Andy Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
74. Titel, Madrid 2012 Tomas Berdych 3:6, 7:5, 7:5.
73. Titel, Indian Wells 2012 John Isner, 7:6, 6:3.
72. Titel, Dubai 2012 Andy Murray, 7:5 6:4.
71. Titel, Rotterdam 2012 Juan Martin Del Potro, 6:1, 6:4.
Federer feiert 2011 an den ATP World Tour Finals in London den 70. Titel im 100. Final Jo-Wilfried Tsonga, 6:3, 6:7, 6:3
69. Titel in Paris-Bercy Jo-Wilfried Tsonga, 6:1, 7:6
68. Titel in Basel 2011 Kei Nishikori, 6:1, 6:3
67. Titel in Doha 2011 Nikolay Davydenko, 6:3, 6:4
66. Titel an den World Tour Finals in London 2010 Rafael Nadal, 6:3, 3:6, 6:1
65. Titel in Basel 2010 Novak Djokovic, 6:4, 3:6, 6:1
64. Titel in Stockholm 2010 Florian Mayer, 6:4, 6:3
63. Titel in Cincinnati 2010 Mardy Fish, 6:7, 7:6, 6:4
62. Titel: Federer gewinnt die Australian Open 2010 Andy Murray, 6:3, 6:4, 7:6
61. Titel in Cincinnati 2009 Novak Djokovic, 6:1, 7:5
60. Titel: Wimbledon 2010 Andy Roddick, 5:7, 7:6, 7:6, 3:6, 16:14
59. Titel: Ein emotionaler Titel! Federer gewinnt 2009 endlich die French Open in Paris Robin Söderling, 6:1, 7:6, 6:4
58. Final in Madrid 2009 Rafael Nadal, 6:4, 6:4
57. Final in Basel 2008 David Nalbandian, 6:3, 6:4
56. Titel: Federer gewinnt die US Open 2008 Andy Murray, 6:2, 7:5, 6:2
55. Titel in Halle 2008 Halle. Philipp Kohlschreiber, 6:3, 6:4
54. Titel in Estoril 2008 Nikolay Davydenk0, 7:6, 1:2 (w.o.)
53. Titel in Schanghai 2007 David Ferrer, 6:2, 6:3, 6:2
52. Titel in Basel 2007 Jarkko Nieminen, 6:3, 6:4
51. Titel: US Open-Sieg 2007 Novak Djokovic, 7:6, 7:6, 6:4
50. Titel in Cincinnati 2007 James Blake, 6:1, 6:4
49. Titel: Skpektakulärer Wimbledon-Triumph 2007 Rafael Nadal, 7:6, 4:6, 7:6, 2:6, 6:2
48. Titel in Hamburg 2007 Rafael Nadal, 2:6, 6:2, 6:0
47. Titel in Dubai 2007 Mikhail Juschni, 6:4, 6:3
46. Titel: Federers Sieg an den Australian Open 2007 Fernando Gonzalez, 7:6, 6:4, 6:4
45. Titel in Schanghai 2006 James Blake, 6:0, 6:3, 6:4
44. Titel in Basel 2006 Fernando Gonzalez, 6:3, 6:2, 7:6.
43. Titel in Madrid 2006 Fernando Gonzalez, 7:5, 6:1, 6:0
42. Titel in Tokio 2006 Tim Henman, 6:3, 6:3
41. Titel: Federer gewinnt 2006 auch die US Open Andy Roddick, 6:2, 4:6, 7:5, 6:1
40. Titel in Toronto 2006 Richard Gasquet, 2:6, 6:3, 6:2
39. Titel, Federer gewinnt 2006 Wimbledon Rafael Nadal, 6:0, 7:6, 6:7, 6:3
38. Titel in Hamburg 2006 Tomas Berdych, 6:0, 6:7, 6:2
37. Titel in Miami 2006 Ivan Ljubicic, 7:6, 7:6, 7:6
36. Titel in Indian Wells 2006 James Blake, 7:5, 6:3, 6:0
35. Titel: Ein emotionaler Titel: Federer gewinnt 2006 die Australian Open Marcos Baghdatis, 5:7, 7:5, 6:0, 6:2
34. Titel in Doha 2006 Gaël Monfils, 6:3, 7:5
33. Titel in Bangkok 2005 Andy Murray, 6:3, 7:5
32. Titel: Federer gewinnt 2005 die US Open Andre Agassi, 6:3, 2:6, 7:6, 6:1
31. Titel in Cincinnati 2005 Andy Roddick, 6:3, 7:5
Federer gewinnt Wimbledon 2005, sein 30. Titel Andy Roddick, 6:2, 7:6, 6:4
29. Titel in Halle 2005 Marat Safin, 6:4, 6:7, 6:4
28. Titel in Hamburg 2005 Richard Gasquet, 6:3, 7:5, 7:6
27. Titel in Miami 2005 Rafael Nadal, 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1
26. Titel in Indian Wells 2005 Lleyton Hewitt, 6:2, 6:4, 6:4
25. Titel in Dubai 2005 Ivan Ljubicic, 6:1, 6:7, 6:3
24. Titel in Rotterdam 2005 Ivan Ljubicic, 5:7, 7:5, 7:6
23. Titel in Doha 2005 Ivan Ljubicic, 6:3, 6:1
22. Titel in Houston 2004 Lleyton Hewitt, 6:3, 6:2
21. Titel in Bangkok 2004 Andy Roddick, 6:4, 6:0
Federer gewinnt zum ersten Mal die US Open, sein insgesamt 20. Titel Lleyton Hewitt, 6:0, 7:6, 6:0
19. Titel in Toronto 2004 Andy Roddick, 7:5, 6:3
18. Titel in Gstaad 2004 Igor Andrejev, 6:2, 6:3, 5:7, 6:3
Der zweite Wimbledon-Titel 2004: Sein insgesamt 17. Titel Andy Roddick, 4:6, 7:5, 7:6, 6:4
16. Titel in Halle 2004 Mardy Fish, 6:0, 6:3
15. Titel in Hamburg 2004 Guillermo Coria, 4:6, 6:4, 6:2, 6:3
14. Titel in Indian Wells 2004 Tim Henman, 6:3, 6:3
13. Titel in Dubai 2004 Feliciano Lopez, 4:6, 6:1, 6:2
Der erste Autralian Open-Sieg: Jahr 2004, sein 12. Titel Marat Safin, 7:6, 6:4, 6:2
11. Titel in Houston 2003 Andre Agassi, 6:3, 6:0, 6:4
10. Titel in Wien 2003 Carlos Moya, 6:3, 6:3, 6:3
Federers erster Grand Slam-Sieg: Wimbledon 2003 Mark Philippoussis, 7:6, 6:2, 7:6
8. Titel in Halle 2003 Nicolas Kiefer, 6:1, 6:3
7. Titel in München 2003 Jarkko Nieminen, 6:1, 6:4
6. Titel in Dubai 2003 Jiri Novak, 6:1, 7:6
5. Titel in Marseille 2003 Jonas Bjorkman, 6:2, 7:6
4. Titel in Wien 2002 Jiri Novak, 6:4, 6:1, 3:6, 6:4
3. Titel in Hamburg 2002 Marat Safin, 6:1, 6:3, 6:4
2. Titel in Sydney 2002 Juan Ignacio Chela, 6:3, 6:3
Roger Federers erster Titel auf der ATP-Tour, Mailand 2001 Julien Boutter, 6:4, 6:7, 6:4

103. Titel, Basel 2019 Alex De Minaur 6:2, 6:2

Keystone

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