Pius: Auf die Frage, ob er gerne mal mit einem Rockstar oder Politiker tauschen würde, antwortete Roger Federer, er würde eine normale Person wählen. Nicht nur für einen Tag, es wäre ihm auch eine Woche wert. Weiter sagte er: Wenn er auf Tour sei, lebe er in einer Art gesegnetem Wahnsinn, der nicht der Realität entspreche, und er dürfe es auch nicht als das betrachten. Dieser Wunsch ist für mich absolut nachvollziehbar. Und seine Aussage deutet darauf hin, dass er ein äusserst reflektierter Mensch ist.

David: Talent, Erfolg, Ruhm und Reichtum im Überfluss. Im Gegenzug würden wahrscheinlich 7,6 Milliarden Menschen gerne mit Federer tauschen. Und zwar nicht nur für eine Woche.

Tobias: Allein die Einsicht, dass er kein normales Leben führt, macht ihn doch schon zu einem Mann von Welt. Andererseits ist doch normal, dass man zwischendurch sein und haben will, was man nicht ist und hat.

François: Man könnte erwidern: Herr Federer, wenn Sie sich so sehr danach sehnen, haben Sie es selbst in der Hand, ein normales Leben zu führen. Aber das ist utopisch. Federer ist längst auf dem Olymp – ohne Rückfahrticket. Es ist zweifellos sehr schön da oben und alle schauen zu dir rauf. Aber eben: Es schauen alle! Und das kann ganz schön anstrengend sein. Da verstehe ich, dass er gerne mal erleben will, wie ein normaler Mensch lebt.

Flavio: Er könnte ja mal mit uns jassen oder Boule spielen. Das wäre doch ziemlich normal.

Tobias: Eher ungewöhnlich, würde ich meinen. Aus einem normalen Jass würde ein Spektakel. Weniger für Federer, eher für uns. Denn plötzlich würden auch wir in Federers Windschatten Höhenluft schnuppern.

Pius: Das wäre sicher aufregend. Allein, weil wir aus der Normalität ausbrechen würden.

François: Um dann verkatert wieder einzubrechen? Glaubt mir: Für Federer wäre es die kleinere Herausforderung, mit uns zu jassen als umgekehrt.

Tobias: Vielleicht irrst du. Vielleicht würde sich Federer danach noch mehr nach einem normalen Leben sehnen.

Flavio: Glaube ich nicht. Er nimmt den Lift nach oben, als wäre nichts gewesen. Aber was mich betrifft: Ein Abend mit Federer wäre es mir wert, auch wenn der Weg zurück in die Normalität beschwerlich würde.

David: Was ist schon normal?

Flavio: Spiessbürgertum, Bünzligesellschaft.

Pius: Wenn Christian Constantin seine Trainer entlässt.

Tobias: Wenn sich Federer so etwas wünscht, wie unerkannt mit uns zu jassen.

François: Wenn Federer nicht mit uns jasst.

David: Ein sehr intelligenter Mensch hat mal gesagt: Nur Spiesser hängen dem Glauben an, es würde so etwas wie Normalität existieren. Weiter sagte er: Es gebe zwei Sorten von Spiessern. Die klassischen Spiesser richten sich in der Normalität ein, bringen ihr Dasein biedermeierlich geordnet über die Runden und sind auf Bequemlichkeit und Schmerzvermeidung bedacht. Die anderen Spiesser wollen aus der Normalität ausbrechen, indem sie beispielsweise Sportarten ausüben, bei denen sie ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Pius: Also ist ja alles klar. Oder hat irgendjemand mal behauptet, Jassen, Boule oder Tennis würden zu den Risikosportarten zählen?