Swiss Indoors

Roger Federer: «In der Schweiz bin ich immer sehr vorsichtig»

Roger Federer bei seinem Triumph in Schanghai in der vergangenen Woche.

Roger Federer bei seinem Triumph in Schanghai in der vergangenen Woche.

Sein Palmares liest sich phänomenal. 1209 ATP-Partien, 984 Siege, 81 Turniersiege und davon 17 Grand-Slam-Titel. In dieser Saison hat sich der Baselbieter erneut bis auf Position 2 der Weltrangliste vorgekämpft, die erneute Führung scheint greifbar.

Der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten war zum 10. Mal zu Gast im Sportpanorama. Bei seinem ersten Besuch seit vier Jahren sprach der 33-Jährige auf gewohnt symphatische Weise über das schwierige vergangene Jahr, seine Rückkehr an die Spitze in dieser Saison und seine Pläne für die nächsten Wochen. Eine Woche nach dem Sieg in Schanghai liebäugelt der Baselbieter gar mit der erneuten Führung in der Weltrangliste. 

Zu seiner grossartigen Karriere:

«Vor grossen Spielen werde ich natürlich immer wieder an meine grossen Matches erinnert. Wenn man diese betrachtet, sind es schon unglaubliche Zahlen und eine unglaubliche Karriere.»

Zu den Strapazen der vielen Reisen:

«Ich benötige praktisch keine Zeit, um mich auf meinen Reisen an einen neuen Ort anzugewöhnen. Ich habe auch schlicht und einfach keine Zeit für einen Jetlag. Natürlich bin ich jeweils müde und muss mich für das Training aufraffen, mit der richtigen Planung ist aber alles nur halb so schlimm.»

Zu seinem Turniersieg in Schanghai:

«Ich hatte eine super Woche. Aber auch eine harte Woche. Ich kam jeweils erst früh morgens ins Bett, weil meine Spiele erst am Abend begannen. Vor allem in der ersten Runde hatte ich unheimliches Glück, als ich gegen Leonardo Mayer fünf Matchbälle abwehren konnte. Das war vielleicht auch der Grund für meinen Lauf, mit dem ich danach unglaublich aufgespielt habe.»

«Ich habe schon viele enge Partien verloren. Vergangene Woche hatte ich das nötoge Glück auf meiner Seite. Ich gebe immer alles und hoffe, dass dieses Glück auf meine Seite schlägt.»

Zu seiner Rückkehr an die absolute Weltspitze:

«Für mich war es schwierig, überhaupt an die Spitze zu kommen. Das ist wie bei einem Kletterer, der nicht weiss, was ihn nach dem Gipfel erwartet. Man gewöhnt sich aber an die Nummer 1, auch, weil man wichtige Erfahrungen machen kann. Deshalb wird es in der Zukunft leichter, wieder dahin zurückzukommen.»

«Mit Verletzungen hatte ich wenig Erfahrungen. Deshalb war ich nach dem überstehen dieser auch nicht ganz frei im Kopf. Sie machten mir extrem zu schaffen, weil ich immer den Konflikt in mir hatte, ob ich nun spielen, oder mich ganz erholen sollte. Ich habe aber die richtigen Entscheidungen getroffen.»

«Während dieser Zeit hatte ich natürlich auch mit einigen Zweifeln zu kämpfen. Als Spitzensportler ist man gewöhnt, dass der Muskelkater oder ähnliches am nächsten Morgen besser wird und irgendwann ganz verschwindet. Es gab bei mir aber eine Phase, in der es drei Wochen lang nicht besser wurde. Somit hat man dann auch Angst im Training und im Ernstkampf fehlt dir das nötoge Selbstvertrauen.»

«Ich wusste immer, dass wenn es mir gut geht, ich vorne mitspielen kann. Deshalb ist meine Rangierung keine Riesenüberraschung, dass ich aber so nahe an der Weltspitze bin, war schon eine. Ich bin stolz darauf, dass ich dieser Saison am meisten Matches von allen bestritten habe.»

Zu seinen Plänen für die restliche Saison:

«Ich nehme jetzt Woche für Woche. Weil ich nach dem Davis-Cup-Halbfinal zwei Wochen in den Ferien war, fühle ich mich jetzt trotz der langen Saison immer noch frisch und mental bereit. Ohne diese Einstellung geht nichts.»

Zu der Organisation von Tennis und Familie und dem Problem der Privatsphäre:

«Es ist eigentlich ein Wunder, wie wir das als Familie alles unter einen Hut bringen. Natürlich bin ich sehr froh um die grosse Unterstützung, namentlich der von Mirka. Der Stress für die Organisation ist enorm. Aber wir sind es uns gewohnt, und weil durch meine Position bereits jetzt bekannt ist, wann ich im nächsten jahr spiele, ist vieles einfacher.»

«Es gibt Orte wo es besser geht, und Orte wo es schwieriger ist. In der Schweiz ist es am einfachsten. Mir ist das Leben und die Zeit mit meiner Familie goldwert, weshalb ich mich auch bei allen Schweizern bedanken möchte, dass sie und die nötige Privatsphäre lassen. Deshalb bin ich mit Auftritten in der Schweiz auch sehr vorsichtig und zurückhaltend, ich will die Leute hier nicht verheitzen.»

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