US Open

Roger Federer gibt sich am US Open keine Blösse und trifft jetzt Granollers

Blindflug: Roger Federer versucht, eine von Sam Groths Aufschlaggranaten mit geschlossenen Augen zu retournieren.keystone

Blindflug: Roger Federer versucht, eine von Sam Groths Aufschlaggranaten mit geschlossenen Augen zu retournieren.keystone

Sogar die Aufschlag-Geschosse von Sam Groth entschärft Roger Federer mühelos und steht entspannt in der dritten Runde des US Open.

Sam Groth ist 1,93 m gross, wiegt fast 100 Kilo und könnte sicherlich eine rohe Kartoffel mit der blossen Hand zerquetschen. Zumindest traut man es dem Australier zu. Denn neben dem Tennis hat er sich auch mal beim Australian Rules Football ausgetobt. Das ist im Grunde so ruppig wie American Football, nur noch viel derber und ohne die schützende Körperpolsterung. Nahkampf pur also. Dieser wandelnde Kleiderschrank stand nun am Freitagabend Roger Federer im Arthur Ashe Stadium gegenüber.

Und gut für den Schweizer, dass im Tennis zumindest ein Sicherheitsnetz in der Mitte aufgespannt wird. Denn irgendwie hatte man das Gefühl, man müsse Federer ein wenig beschützen. Nicht vor Handgreiflichkeiten, sondern vor den kanonenartigen Gewaltaufschlägen des Australiers. Mit bis zu 237 km/h prügelte Groth sein Service ins Feld.

«Ich weiss gar nicht, ob ich die Augen bei den Returns auf oder zu hatte», meinte Federer amüsiert, «wir müssen mal die TV-Bilder checken. Vielleicht sah es ja so aus.» Und dann deutete der Schweizer süffisant pantomimisch an, wie er blind einen Ball spielt. Keine Frage, man hätte dem 17-maligen Grand-Slam-Sieger dieses Kunststück auch ohne weiteres zugetraut.

Denn nicht nur, dass Federer beeindruckende 68 Prozent von Groths Geschossen ins Feld zurückbrachte, bei jedem dritten ersten Aufschlag des Australiers machte Federer den Punkt. Sogar dann, als Groth ihm einen Ball mit brachialen 229 km/h entgegenservierte – Federer antwortete mit einem grandiosen Rückhandwinner.

«Um ehrlich zu sein, habe ich mich nach dem Schlag gedreht und gar nicht gesehen, ob der Ball auf die Tribüne, ins Netz oder ins Feld gegangen ist», meinte Federer und grinste: «Ich habe nur gemerkt, dass ich ihn ziemlich sauber getroffen habe. Es fühlte sich an, als wäre es ein Winner gewesen.»


Er hatte sich jedoch sofort nach der Anzeigetafel umgeschaut, um die genaue Geschwindigkeit des Aufschlags nachzuprüfen. «Das mache ich immer», meinte er, «ich will das doch wissen.» Dabei braucht er die Anzeige offenbar gar nicht, denn Federer kann den Speed fühlen. «Meistens liege ich richtig», sagte er, «bis auf ein paar km/h genau.» Er wäre ein wunderbarer Kandidat für «Wetten, dass . . .?» gewesen. «Na ja», fügte Federer augenzwinkernd hinzu, «es gibt zwischen 229 und 237 km/h keinen wirklich fühlbaren Unterschied mehr im Schläger – alles jenseits von 217 km/h ist einfach nur noch verdammt schnell.»

Dass Federer so entspannt und bestens gelaunt war, lag einerseits an seinem souveränen 6:4, 6:4 und 6:4-Sieg über Groth, der mitreissenden Atmosphäre unter dem Flutlicht im grössten Tennisstadion der Welt und der Gewissheit, in der dritten Runde dem nächsten Aufschlaggiganten, Ivo Karlovic, aus dem Weg gegangen zu sein. Denn der wurde vom Spanier Marcel Granollers bezwungen.

Eine weitere Episode Stakkato-Tennis steht für Federer also vorerst nicht an. Und zudem dürfte der Weltranglistendritte im Hinblick auf den Davis-Cup-Halbfinal gegen Italien in zwei Wochen zufrieden registriert haben, dass die potenziellen Gegner mit Fabio Fognini, Simone Bolelli, Andreas Seppi und Paolo Lorenzi inklusive der Doppelspezialisten in New York bereits ausgeschieden sind.

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