Tennis
Roger Federer führt im heissen Fünfkampf um Platz eins

Im Sommer spitzt sich das Duell zwischen Djokovic, Murray, Wawrinka, Nadal und Federer um den Tennisthron weiter zu.

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Roger Federer darf noch einmal von der Weltranglistenspitze träumen.

Roger Federer darf noch einmal von der Weltranglistenspitze träumen.

ERIK S. LESSER

«Es ist faszinierend, wie schnell sich die Dinge zu deinen Gunsten ändern», sagt Roger Federer vor einer Woche nach seinem Turniersieg in Indian Wells mit Blick auf die Weltrangliste. «Jetzt reden alle wieder über die Nummer 1», stellt der 35-Jährige fest. Auch er selber liebäugelt mit einer Rückkehr auf den Thron, nachdem er in Dubai noch gesagt hatte, sich damit abgefunden zu haben, dass dies wohl ein Traum bleibe.

Die Jahreswertung vor den Miami Open

- Federer 3045 Punkte

- Nadal 1635

- Wawrinka 1410

- Dimitrow 1355

- Tsonga 1255

- Thiem 1130

- Carreño Busta 975

- Goffin 965

- Sock 950

- Murray 840

18. Djokovic 475

Doch nach seinem besten Start in ein Jahr seit seiner dominantesten Phase von 2004 bis 2006, wo er in drei Jahren 34 seiner 90 Titel gewonnen hat, scheint selbst das nicht mehr utopisch zu sein. Zumal Federer die Jahresrangliste auch nach Miami klar anführt und ungeachtet seines Resultats in Florida in der Weltrangliste zumindest bereits wieder zu den Top 5 gehört.

Schlüsselmonate auf Rasen

Handelte es sich an der Spitze in der Vergangenheit fast ausschliesslich um ein Duell zweier Protagonisten – erst zwischen Federer und Nadal, dann zwischen Nadal und Djokovic, zuletzt zwischen Murray und Djokovic –, bahnt sich nun ein Fünfkampf an. Murray und Djokovic führen die Weltrangliste noch an, haben aber einen schlechten Saisonstart hingelegt.

Rafael Nadal ist nach Federer der bisher beste Spieler des Jahres und ab April wird auf seiner stärksten Unterlage, Sand, gespielt. Gleiches gilt für Stan Wawrinka, der seinen dritten Platz in der Weltrangliste zementiert hat und auch in der Jahreswertung dritte Kraft ist. Er hat über das ganze Jahr verteilt solide gepunktet, überwiegend bei den Grand-Slam-Turnieren.

Der Schotte Andy Murray führt die Weltrangliste noch an.

Der Schotte Andy Murray führt die Weltrangliste noch an.

Keystone

Luft nach oben hat der Romand bei den Masters-1000-Turnieren. Mit dem Finaleinzug in Indian Wells hat er bewiesen, dass er auch für Erfolge auf dieser Stufe inzwischen das Rezept gefunden hat.

Die beste Ausgangslage hat aber Roger Federer. Denn weil er nach dem Ziehen der Notbremse im vergangenen Juli nach Wimbledon keine Punkte mehr zu verteidigen hat, kommt er seinen Konkurrenten näher. Trotzdem sagt er: «Wichtig ist für mich, gesund und frisch zu bleiben. Meinen Plan für den weiteren Verlauf der Saison mache ich nach Miami. Das Ranking ist für mich zweitrangig. Klar, in einer Traumwelt wäre ich gerne wieder die Nummer 1. Und weil ich bereits ein Grand-Slam-Turnier gewonnen habe, ist es sicher möglich.» Der Baselbieter geht aber davon aus, dass er noch ein weiteres Major-Turnier gewinnen müsste.

Roger Federer «Wichtig ist für mich, gesund und frisch zu bleiben. Meinen Plan für den weiteren Verlauf der Saison mache ich nach Miami. Das Ranking ist für mich zweitrangig.»

Roger Federer «Wichtig ist für mich, gesund und frisch zu bleiben. Meinen Plan für den weiteren Verlauf der Saison mache ich nach Miami. Das Ranking ist für mich zweitrangig.»

KEYSTONE/AP/WILFREDO LEE

Knacknuss Andy Murray

Djokovic und Wawrinka kommt Federer bereits in der Sandsaison gefährlich nahe. Knacknuss im Rennen um den Thron dürfte Andy Murray (29) sein, der am Montag, 10. April, im Match for Africa (live auf TV24), im Zürcher Hallenstadion auf Federer trifft.

Der Schotte hat vor allem in der zweiten Jahreshälfte aufgedreht. Erschwerend kommt für Federer hinzu, dass er wohl weniger Turniere bestreiten wird. Auf Monte Carlo (ab 16. April) verzichtet er, seine Teilnahme in Rom (ab 14. Mai) dürfte er wie in den vergangenen Jahren vom Abschneiden in Madrid in der Vorwoche abhängig machen.

Andy Murray

«Ich habe mir geschworen, dass ich ein Turnier nur dann spiele, wenn ich ein Kribbeln spüre.»

Seinen Fokus legt der 35-Jährige ohnehin auf die im Juni beginnende Rasensaison, wo er mit Stuttgart, Halle und Wimbledon drei Turniere bestreiten will. Dort könnte er den Grundstein legen, um im Herbst die Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste zu bewerkstelligen. Unbeschwert, weil er bereits im Januar mit dem Sieg in Melbourne die eigenen Erwartungen übertroffen hat. «Ich habe mir geschworen, dass ich ein Turnier nur dann spiele, wenn ich ein Kribbeln spüre.»

Die Menschen sollen den «wahren Federer» sehen, wie er es nennt. Was er damit meint? «In erster Linie möchte ich geniessen. Und die Turniere, die ich spiele, möchte ich gewinnen. Alles andere als die Nummer 1 ist für mich nicht mehr interessant.» Aber genau das wird im Hinblick auf den Fünfkampf an der Spitze wohl noch einmal ein Thema.

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