«Hand in Hand in die Zukunft»: Was nach einem billigen Slogan eines seichten Werbespots tönt, sollte zum Leitmotiv für die Swiss Indoors werden. Wer sich die Hände halten soll? Roger Brennwald und Roger Federer. Hier der Turnierdirektor eines Tennisevents, der sich in mittlerweile fast fünf Jahrzehnten dank dessen umsichtigem und pragmatischem Führungsstil zu einem Fixpunkt auf der Tennis-Weltkarte entwickelt hat und der immer wieder Topstars ans Rheinknie lockt.

Dort der Tennis-Weltstar mit Basler Wurzeln. Der «sein» Turnier siebenmal gewonnen hat. Der hier seine ersten Schritte im Profi-Circuit machen durfte. Der wie kein anderer Spieler dieses Turnier verkörpert und seit der Jahrtausendwende zu dessen Gesicht geworden ist – trotz der Fülle anderer Stars, die sich in Basel in der Zwischenzeit gegenseitig die Klinke in die Hand gegeben haben.

Am Horizont lauert die Ungewissheit

Eigentlich wäre ja alles aufgegleist, damit dieser wunderbare Basler Sportevent auch in Zukunft die Herzen der Fans erfreut. Und doch lauert am Horizont die Ungewissheit, wie und in welcher Form es mit dem Turnier nach Auslaufen des Vertrags mit der ATP im Jahr 2018 weitergeht.

Es stehen Reformen an, die die Tennis-Landkarte nachhaltig verändern könnten. Es werden neue Veranstalter auf den Markt drängen. Solche mit prall gefüllten Tresoren und lukrativen Sponsoren-Portfolios. Die Swiss Indoors haben viele Trümpfe, die im Kampf um die Absteckung der Pfründe stechen können: Tradition, perfekte Organisation, Zuverlässigkeit, Wohlfühlfaktor und volle Zuschauertribünen.

Aber was zählt das noch, wenn Sportverbände und Organisationen je länger, je
mehr nur nach noch mehr Profit streben?

Wohin das führt, sieht man derzeit in der Formel 1. Es wird in aller Welt gefahren – China, Katar, Bahrain, Malaysia, Singapur, Russland. Top-Strecken, Top-Infrastruktur, Top-Sponsoren. Aber wenig Zuschauer. Und vor allem: keine Seele. Währenddessen verschwinden traditionelle Rennen in ehemaligen Kernmärkten wie Frankreich, England oder Deutschland nach und nach von der Bildfläche. Die Konsequenz: Die Zuschauer wenden sich je länger, je mehr vom Sport ab.

Die Gefahr, dass sich ein derartiger Umsturz auch im Tennis zuträgt, dürfte mittelfristig geringer sein. Vor allem deshalb, weil Tennis eine Sportart ist, in welcher Tradition noch ein gewichtiger Faktor ist. Selbst wenn auch hier in den letzten Jahren ein Trend in Richtung Erschliessung der lukrativen Märkte im Nahen und Fernen Osten zu beobachten war. Der Effekt ist jedoch ähnlich wie in der Formel 1: Charme haben diese Turniere kaum. Und noch viel weniger sportliche Aushängeschilder. Sie werden den Stallgeruch des «Retorten-Events» kaum loswerden.

Ein unbezahlbarer Trumpf

Basel kann diesbezüglich den perfekten Mix bieten: ein starkes Turnier und eine starke Tennisfigur. Noch ist das Karrierenende von Roger Federer glücklicherweise nicht absehbar. Aber wenn der Tag gekommen ist, dann ist es an der Zeit, dass sich die beiden Rogers an den Tisch setzen, die schwelenden Differenzen endgültig ausräumen und dann Hand in Hand in die gemeinsame Zukunft gehen. Federer muss auch nach seiner Karriere als aktiver Spieler der prominente Botschafter und einflussreiche Interessensvertreter der Swiss Indoors sein. Im Kampf gegen die neureichen Mitbewerber wäre er mit Sicherheit ein unbezahlbarer Trumpf.