Boxen
Rio hat sein erstes Skandal-Urteil: Punkterichter "schenken" russischem Boxer die Goldmedaille

Russland und Olympia – das ist zur Zeit eine schwierige Beziehung: Jewgeni Tischtschenko ist soeben Olympiasieger im Boxen geworden. Doch seine Goldmedaille hat einen bitteren Beigeschmak. Denn: Der Russe war der klar unterlegene Kämpfer.

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Da staunt der Kasache Wassili Lewit nicht schlecht Völlig überraschend wird der Russe Jewgeni Tischtschenko zum Olympiasieger gekürt.

Da staunt der Kasache Wassili Lewit nicht schlecht Völlig überraschend wird der Russe Jewgeni Tischtschenko zum Olympiasieger gekürt.

Keystone

Die Zuschauer staunten gestern Abend beim Boxkampf um die Goldmedaille nicht schlecht: Der Russe Jewgeni Tischtschenko wird im Final bis 91 kg als einstimmiger Punktsieger ausgerufen (3:0), obwohl er vom Kasachen Wassili Lewit über alle drei Runden komplett dominiert wurde und nur knapp einem Niederschlag entgangen war.

Sogar die russische Ecke hatte Lewit nach dem Kampf zum Sieg gratuliert. Die drei Punktrichter stammten aus Algerien, Irland und Kolumbien. Bei der Siegerehrung wurde Tischtschenko von den Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen, während Lewit wie ein Goldmedaillengewinner bejubelt wurde.

Bereits seit längerem wurde befürchtet, dass bei den Box-Wettkämpfen nicht alles mit rechten Dingen zu und her gehen könne. Die Ringrichter werden beschuldigt, in eine Korruptionsaffäre verwickelt zu sein.

Die grössten Olympia-Skandale

Los Angeles 1932, Paavo Nurmi Paavo Nurmi ist der Wunderläufer seiner Zeit. Dennoch darf der Finne an den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932 nicht antreten. Der Grund: eine zu hohe Reisekostenabrechnung, die angeblich seinen Status als Amateur verletzt. Verbittert beendet Nurmi seine Karriere und sagt, er hätte den Marathon in Los Angeles locker mit fünf Minuten Vorsprung gewonnen.
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Melbourne 1956, Wasserball Bei den Spielen in Melbourne 1956 fliesst im Wasserball-Halbfinale zwischen der UdSSR und Ungarn Blut. Wenige Wochen zuvor haben Sovjet-Truppen die aufkeimende Demokratie-Bewegung in Budapest gewaltsam niedergeschlagen. Dementsprechend aufgeladen ist die Atmosphäre am Wasserball-Becken. Kurz vor dem Ende bekommt der Ungar Ervin Zador (Bild) einen Ellbogen an die Schläfe und das Blut fliesst in Strömen. Aus Angst vor einer Eskalation beeendet der Schiedsrichter die Partie vorzeitig. Ungarn wird später Olympiasieger.
Mexiko-City 1968, Tommie Smith und John Carlos Bei der Siegerehrung für den 200-Meter-Lauf in Mexiko 1968 sorgen die afro-amerikanischen Sprinter Tommie Smith (Mitte) und John Carlos (rechts) für einen Eklat: Als die Hymne ertönt, recken die beiden ihre in schwarze Handschuhe gepackten Fäuste in die Höhe. Damit wollen die beiden ihre Solidarität für die «Black Power»-Bewegung kundtun. Wenig später müssen Smith und Carlos das olympische Dorf verlassen.
Moskau 1980 Die Olympischen Spiele in Moskau 1980 stehen ganz im Zeichen des Kalten Krieges. Mehrere westliche Staaten, darunter die BRD und die USA, boykottieren die Spiele in Moskau. Die Athleten der UdSSR und der DDR sind deshalb nahezu konkurrenzlos und räumen 40 Prozent der Goldmedaillen ab. Vier Jahre später folgt bei der Olympiade in Los Angeles die Revanche der Ostblock-Staaten, die grösstenteils keine Athleten in die USA schicken.
Los Angeles 1984, Gaby Andersen-Schiess Schreckliche Szenen im Marathon der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984: Die Schweizerin Gaby Andersen-Schiess torkelt kurz vor Ende des Marathons völlig entkräftet über die Tartanbahn. Es geht um nichts mehr, doch niemand nimmt Andersen-Schiess aus dem Rennen, obwohl jeder sieht, wie schlecht es ihr geht. Irgendwie schleppt sich die Schweizerin als 37. über die Ziellinie und bricht zusammen.
Seeoul 1988, Ben Johnson Vom «Jahrhundertlauf» zu einem der grössten Skandale der olympischen Geschichte: Der Kanadie Ben Johnson läuft in Seoul 1988 über 100 Meter zur neuen Weltrekordzeit und löst damit den legendären Carl Lewis ab. Dann folgt jedoch die positive Dopingprobe und Ben Johnson wird vom gefeierten Helden zu einem der unbeliebtesten Leichtathleten aller Zeiten. Danach gibt der Kanadier zu, dass er bereits seit sieben Jahren zu unerlaubten Mitteln greift. Der Weltrekord, die Goldmedaille und seine WM-Titel werden Johnson aberkannt.
Sydney 2000, Marion Jones Marion Jones ist die Königin der Leichtathleten bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Die Amerikanerin holt sich dreimal Gold und zweimal Bronze. Erst sieben Jahre später gibt sie zu, gedopt zu haben. Jones muss all ihre Medaillen zurückgeben und 2008 sogar für sechs Monate ins Gefängnis, weil sie unter Eid ausgesagt hat, dass sie kein Doping genommen habe.
Athen 2004, Vanderlei Lima Ausgerechnet beim historischen Marathon zum Abschluss der Olympischen Spiele in Athen 2004 sorgt ein Zuschauer für einen Eklat: Der Ire zerrt den führenden Brasilianer Vanderlei Lima bei Kilometer 37 von der Strecke. Nur mit Mühe kann sich Lima losreissen und das Rennen fortsetzen. Wenig später wird er vom späteren Olympiasieger, dem Italiener Stefano Baldini, überholt. Am Ende wird der Brasilianer Dritter. Der Zuschauer wird verhaftet.
Peking 2008, Ara Abrahamian Der Ringer Ara Abrahamian verliert in Peking 2008 seinen Halbfinal. Der Schwede ist mit der Entscheidung der Kampfrichter jedoch nicht einverstanden und protestiert lauthals. Bei der Medaillen-Zeremonie läuft Abrahamian davon und legt seine Bronzemedaille in der Mitte der Matte ab. Daraufhin beendet der Schwede seine Karriere.
Peking 2008, Angel Valodia Matos Der Taekwondo-Kämpfer Angel Valodia Matos streckt bei den Spielen 2008 in Peking den Schiedsrichter mit einem Tritt ins Gesicht nieder. Dieser hat den Kubaner im Kampf um die Bronzemedaille disqualifiziert, weil er seine Behandlungspause überzogen hat. Matos wurde lebenslang gesperrt.
London 2012, Badminton Beim olympischen Damendoppel im Badminton in London 2012 werden gleich acht Spielerinnen disqualifiziert. Zu ihnen gehören auch die topgesetzten Chinesinnen Wang Xiaoli/Yu Yang und die Südkoreanerinnen Jung Kyung Eun/Kim Ha Na. Beide Paare versuchen, das Spiel absichtlich zu verlieren, um eine bessere Ausgangsposition in der K.o-Runde zu haben.

Los Angeles 1932, Paavo Nurmi Paavo Nurmi ist der Wunderläufer seiner Zeit. Dennoch darf der Finne an den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932 nicht antreten. Der Grund: eine zu hohe Reisekostenabrechnung, die angeblich seinen Status als Amateur verletzt. Verbittert beendet Nurmi seine Karriere und sagt, er hätte den Marathon in Los Angeles locker mit fünf Minuten Vorsprung gewonnen.

Keystone