Sie tauschten einst das Trikot mit Marco Streller. Das war nach einem Spiel in der Europa League, als sie mit Sporting Lissabon auf den FCB trafen. Heute ist er Sportdirektor. Im April kontaktierte er Sie und Sie schickten ihm als Antwort ein Foto seines Shirts und schrieben: «Das ist mein Pyjama.» Wie oft haben Sie es getragen?

Ricky van Wolfswinkel: (Lacht) Natürlich nie. Aber ich tausche regelmässig Leibchen mit Spielern der gegnerischen Mannschaft. Marco ist ein toller Mensch und er war ein richtig guter Stürmer. Ich habe damals auch darauf geachtet, was er machte, um von ihm zu lernen. Er war älter, hatte mehr Erfahrung, davon muss man profitieren als junger Stürmer. So ist es gekommen, dass wir die Trikots getauscht haben. Aber darin geschlafen habe ich bisher noch nie.

Sie scheinen ja eine ganze Sammlung an Trikots zu haben. Auf welches sind Sie besonders stolz?

Schwierige Frage... Ich mache mir eigentlich nie gross Gedanken, wessen Trikot ich nach dem Spiel gerne hätte. Das geschieht aus dem Moment. Zum Beispiel als wir einst gegen Barcelona spielten, während des Spiels traf ich immer wieder auf Ivan Rakitic. Irgendwie verstanden wir uns auf Anhieb. Das ist schon eine schöne Erinnerung an ein Spiel gegen einen solchen Klub. Logisch, das ist nicht Messi, Suarez oder Neymar. Dafür ist damit ein persönliches Erlebnis verbunden. Marcos Trikot bekam seine Bedeutung aber schon eher erst diesen Frühling (lacht).

Ricky van Wolfswinkel unterschrieb beim FCB einen Vertrag bis 2019.

Ricky van Wolfswinkel unterschrieb beim FCB einen Vertrag bis 2019.

Wenn Sie diese grossen Namen nennen: Hatten Sie eigentlich als Kind ein Idol?

Nicht wirklich. Ich schaute am Samstag oft Premier League und natürlich besonders genau auf die holländischen Stürmer. Ruud van Nistelrooy war zu dieser Zeit überragend. Und natürlich Denis Bergkamp, einer meiner liebsten Stürmer. Er hat Tore geschossen, die in die Fussballgeschichte eingingen.

Wie Ihr Schwiegervater, Johan Neeskens.

Ja, das stimmt. Er ist eine absolute Legende – nicht nur in Holland. Aber glauben Sie mir, als ich ihn das erste Mal traf, war mir das gar nicht bewusst.

Erzählen Sie!

Das war vor rund zehn Jahren. Ich war damals mit meinen Eltern auf der Dominikanischen Republik in den Ferien. Genauso wie Bianca, meine heutige Frau. Wir haben uns kennen gelernt und unsere Familien genauso. Mir wurde dann schnell klar, wer er ist und dass alle ihn kennen. Aber für mich ist er in erster Linie mein Schwiegervater, ein Mensch, dessen Rat ich mir gerne anhöre, der sich nie von sich aus in meine Angelegenheiten einmischen würde.

«Mein Schwiegervater ist eine absolute Legende – nicht nur in Holland. Aber als ich ihn das erste Mal traf, hatte ich keine Ahnung.»

Ricky van Wolfswinkel:

«Mein Schwiegervater ist eine absolute Legende – nicht nur in Holland. Aber als ich ihn das erste Mal traf, hatte ich keine Ahnung.»

Sie haben also auch vor dem Wechsel zu Basel mit ihm gesprochen?

Logisch. Seine Meinung ist mir wichtig und meist sind wir uns sowieso einig. Ganz sicher im Fall von Basel.

Sie waren schon vorher regelmässig in der Schweiz, um Ihre Schwiegereltern zu besuchen. Was kennen Sie von Ihrer neuen Heimat?

Vor allem Luzern. Mir gefällt die Stadt. Das gibt hoffentlich keine Probleme, wenn ich das sage (lacht). Aber die Familie meiner Frau lebt in der Nähe. Wir kamen eigentlich jährlich zweimal zu Besuch.

Und jetzt kommt Ihre Familie ja nach Basel.

Ja, nächste Woche kommt meine Frau mit unserem Sohn. Wir haben zum Glück schon ein Haus in der Nähe von Basel gefunden, wo wir hinziehen werden. Wenn alles gut läuft, kommt im Dezember unsere Tochter auf die Welt.

Ricky van Wolfswinkel über Basel und die Schweiz

Ricky van Wolfswinkel über Basel und die Schweiz.

Ricky van Wolfswinkel über seine Erfahrungen und Verbindungen mit Basel und der Schweiz

Freut sich Ihre Familie auf den neuerlichen Umzug?

Sie haben ja recht, ich bin zu oft umgezogen in den letzten Jahren (lacht). Aber ja, sie freuen sich. In den letzten drei Wochen ist mein Sohn bestimmt während zweieinhalb Wochen in seinem FCB-Shirt rumgelaufen.

Sie haben viele Wechsel hinter sich. Aber bis Sie im Sommer 2014 Rekord-Transfer von Norwich City wurden, hatten Sie gute Gründe, ging es stets bergauf. Was geschah in England?

Schauen Sie, ich habe immer davon geträumt, einmal Premier League zu spielen. Das war die Liga, die ich als Bub am engsten verfolgte. Und dann kam das Angebot von Norwich. Natürlich hätte ich auf einen grösseren Klub warten können. Aber bei Chelsea – oder wem auch immer – wäre ich wohl auf der Bank gelandet. Also wählte ich ein kleineres Team. Es ging leider nicht auf.

Warum?

Man versprach mir, dass man Fussball spielen wolle in Norwich. Das wenigstens sagte Coach Chris Hughton damals im Gespräch. Und sie kauften etliche neue Spieler. Doch es funktionierte nicht. Im Dezember bat mich Hughton in sein Büro und sagte: «Das haben wir uns anders vorgestellt.»

Ricky van Wolfswinkel in Aktion

Der FC Basel 1893 hat am Mittwoch, 14. Juni 2017, mit dem Niederländer Ricky van Wolfswinkel einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2020 abgeschlossen. Der 28-jährige Stürmer stösst vom aktuellen niederländischen Cupsieger Vitesse Arnheim, mit dem er in der abgelaufenen Saison den fünften Schlussrang der Eredivisie belegte, zum Schweizer Meister.

Wie muss man das verstehen? Meinte er Ihre Trefferquote oder die Umstellung des Spielstils?

Beides. Ich habe gleich im ersten Spiel gegen Everton getroffen, danach mehrere Partien nicht mehr. Ich verletzte mich, das Team kam nicht in die Gänge. Also stellten wir wieder um. Kick and Rush. Lange Bälle und los. Das war das Ende von Ricky. Es ging nicht auf. Weder für mich noch für Norwich. Das Team stieg im Sommer ab und ich wurde ein erstes Mal ausgeliehen.

Der Anfang einer kleinen Odyssee, bis Sie wieder zurück zu Vitesse Arnheim wechselten, Ihrem Jugendverein. Brauchen Sie das Familiäre, um zu funktionieren?

Ich glaube nicht. Viel wichtiger ist, wie das Team spielt, wie der Klub arbeitet. Aber es hilft, wenn man selbst oder das Team eine schwierige Phase durchmacht. Da ist Stabilität enorm wichtig.

War diese Zeit der Wanderschaft, das stetige Zurückkehren nach England die schwierigste Ihrer Karriere?

Ja, ganz sicher. Ich kam her, spielte nicht allzu gut, und schon holten sie im Winter zwei neue Stürmer. Und im Sommer darauf gleich noch zwei. Jahr für Jahr wurde ich ausgeliehen. Im Sommer kam ich zurück, machte fast zwei Monate Vorbereitung mit, und bei allen Trainingsspielen 11 gegen 11 musste ich zuschauen. Als Mensch war ich ihnen egal, einfach austauschbar. Das war schon richtig hart.

Ricky van Wolfswinkel war in der letzten Saison der zweitbeste Torschütze in der Eredivisie.

Ricky van Wolfswinkel war in der letzten Saison der zweitbeste Torschütze in der Eredivisie.

Wie fühlen Sie sich jetzt in Basel?

Der FC Basel ist stabil, hat Konstanz. Alle machen ihren Job richtig gut, darum werden sie Jahr für Jahr Meister. Wir Spieler können uns voll auf den Fussball fokussieren – der Klub kümmert sich um alles andere. So ausgeprägt habe ich das noch nie erlebt.

Und Ihr neuer Trainer?

Der erste Eindruck ist hervorragend. Er ist offen, ehrlich und direkt. Und: Ich mag seine Trainings. Wir machen viel mit dem Ball, oft beschäftigen wir uns mit der Vorwärtsbewegung, der Offensive. Für einen Stürmer gibt es nichts Besseres.

Dann holen Sie die Torjäger-Krone nächstes Jahr wie Ihr Vorgänger Seydou Doumbia nach Basel?

Ich hoffe es. Aber Doumbia ist ein anderer Stürmer als ich. Wir werden sehen, wie gut ich in die Liga und das Team passe. Aber ich gebe mein Bestes, um am Schluss ganz oben zu sein.

Ricky van Wolfswinkel über seine ersten Eindrücke und den Grund für den Wechsel

Ricky van Wolfswinkel über seine ersten Eindrücke und den Grund für den Wechsel

Das hat in Holland immerhin zu 20 Toren in 32 Spielen gereicht, zum 2. Platz in der Torschützentabelle. Was macht Sie so effizient?

20 Tore in 32 Spielen (lacht). Im Ernst: Ich bin Stürmer. Meine Aufgabe ist es, Tore zu schiessen. Aber es geht nichts ohne das Team. Wir müssen als Gesamtes funktionieren – und letztlich vor allem gewinnen. Alles andere ist sekundär.

Wo sehen Sie sich denn in einem Jahr?

Mit dem Meisterpokal in Basel (lacht). Im Ernst: Ich will diesen Titel.