FCB-Neuzugang Renato Steffen dürfte dem Rückrundenauftakt gegen Luzern nicht nur begeistert entgegenblicken. Der Flügelspieler wird voraussichtlich zum ersten Mal im rot-blauen Trikot durch die Senf-Tube ins Joggeli einlaufen. Das goutieren viele FCB-Anhänger auch vier Wochen nach dem Wechsel immer noch nicht. In der Hinrunde ist Steffen bei den Basler Fans mit seinen Provokationen gegen Taulant Xhaka in Bern und seiner Spuckaktion vor der Muttenzer Kurve beim Rückspiel zum Staatsfeind Nummer 1 avanciert.

Erinnerung an Mladen Petric

Schon beim 4:2-Testspielsieg am Dienstag gegen Neuchâtel Xamax musste sich der Aargauer einige unfreundliche Kommentare von den Zuschauern anhören. Die Basler Fans, die sich durch den Transfer übergangen fühlen, warten nur darauf, ihrem Unmut endlich auch im Stadion freien Lauf zu lassen.

Schon in der Vergangenheit mussten die FCB-Fans mit Verpflichtungen ungeliebter Spieler umgehen. Am meisten Gegenwind wehte bisher wohl Mladen Petric entgegen, der vor seinem Wechsel im Jahr 2003 von GC zu den Baslern bei der Meisterfeier der Grasshoppers einen FCB-Schal verbrannte. Doch im Gegensatz zu Steffen entschuldigte sich Petric noch vor seinem ersten Einsatz für Basel öffentlich für seine «Dummheit» und nahm so den Kritikern wenigstens ein wenig Wind aus den Segeln.

Keine Angst vor Pfiffen

Steffen selbst macht sich vor seiner FCB-Premiere dagegen ganz andere Gedanken: «Ich freue mich auf mein erstes Spiel mit Basel. Hoffentlich können wir gleich gewinnen.» Bammel davor, ausgepfiffen zu werden, hat er nicht: «Das kann ich nicht beeinflussen. Wenn ich auf dem Platz eine gute Leistung zeige, bin ich zuversichtlich, dass mich die Fans anfeuern.»

Ob der Neuzugang gleich von Beginn an spielen wird, ist fraglich. Gross ist der Konkurrenzkampf beim FCB vor allem auf den Flügelpositionen. Breel Embolo, Birkir Bjarnason, Jean-Paul Boëtius, Davide Calla und Steffen sind alle fit und kämpfen darum, Stossstürmer Mark Janko im Basler Angriff zu flankieren. Auch in der Defensive herrscht ein erbitterter Kampf um die Stammplätze, da Philipp Degen, Manuel Akanji und Daniel Hoegh wieder zur Verfügung stehen und sich auch Oldie Walter Samuel vor dem Start in hervorragender Verfassung präsentiert.

Zu kurze Vorbereitung

Während Spieler und Fans auf den Rückrundenstart brennen, hätte Cheftrainer Urs Fischer die Vorbereitungszeit gerne noch um die eine oder andere Woche verlängert. «Wir haben einige Änderungen im Kader. Bei Transfers braucht es immer eine gewisse Zeit, bis die Spieler auch auf dem Platz voll integriert sind. Momentan fehlen da einfach noch die Automatismen, sowohl im Defensivverhalten wie auch im Spiel nach vorne», klagt Fischer.

Doch sein Trainerkollege aus Luzern, Markus Babbel, dürfte mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Die Abgänge der Leistungsträger Dario Lezcano (zu Ingolstadt) und Remo Freuler (zu Atalanta Bergamo) sollen durch die Transfers von Markus Neumayr (Vaduz), Michael Frey (Lille) und Christian Schneuwly (FC Zürich) aufgefangen werden. «Klar, Luzern hat zwei gute Spieler verloren, aber sie haben dafür auch drei gute Spieler geholt. Die Leistungen in der Vorbereitung sind immer mit Vorsicht zu geniessen. Erst der Rückrundenstart dient als Standortbestimmung», warnt Fischer. Das gilt nicht nur für den Leistungsstand der beiden Mannschaften, sondern auch für die Beziehung zwischen Steffen und den FCB-Fans.