Leichtathletik
Reich werden unsere Leichtathletik-Stars Hussein und Kambundji nicht

Seit ihren Erfolgen an der Leichtathletik-EM in Zürich sind Hürdenläufer Kariem Hussein und Sprinterin MujingaKambundji landesweit bekannt. Davon werden sie auch wirtschaftlich profitieren – in einem begrenzten Rahmen.

Simon Steiner
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Kariem Hussein und Mujinga Kambundji lassen sich zum EM-Abschluss im House of Switzerland feiern.

Kariem Hussein und Mujinga Kambundji lassen sich zum EM-Abschluss im House of Switzerland feiern.

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Der Europameister ist ein gefragter Mann. Seit seinem Goldlauf vor gut einer Woche hat Kariem Hussein bereits zahlreiche Einladungen für Autogrammstunden oder andere öffentliche Auftritte erhalten. Auch potenzielle Sponsoren haben sich gemeldet.

«Es hat Anfragen gegeben», sagt Patrick Magyar, der Direktor von Weltklasse Zürich. Das Meeting hat Hussein und weitere Schweizer Athleten bereits im Vorfeld der EM finanziell und bei der Koordination von Medienanfragen unterstützt, damit sie sich neben dem Studium möglichst auf das Training konzentrieren konnten – unter der Bedingung, dass sie bei Anlässen wie dem gestrigen Final der Nachwuchsserie UBS Kids Cup im Letzigrund-Stadion oder «Jugend trainiert mit Weltklasse» vom kommenden Dienstag auftreten. Gleichzeitig bietet «Weltklasse» den Athleten Unterstützung im Bereich Management.

Neue Perspektiven im Sponsoring

Nach seinem EM-Titel greift Hussein nun auf dieses Angebot zurück, nachdem er sich bisher zusammen mit Coach Flavio Zberg um alles selber gekümmert hat. «Es ist ziemlich schnell gegangen», sagt Zberg, der mit Hussein Ende Saison die Situation analysieren wird. Dann wird auch entschieden, ob sich der Athlet in Zukunft durch ein professionelles Management vertreten lässt.

Mit seinem erfolgreichen EM-Auftritt hat sich Hussein wie auch Mujinga Kambundji, um deren Management sich Patrick Magyar bereits seit März kümmert, im Sponsoring-Bereich neue Perspektiven geschaffen. «Sie haben ein gutes Image und kommen sympathisch rüber», sagt Sportvermarkter Giusep Fry, der unter anderen den Mountainbiker Nino Schurter sowie Skifahrer wie Beat Feuz oder Carlo Janka betreut. «Das kommt auch bei Sponsoren gut an.»

Zurückhaltender äussert sich Armin Meier, CEO von InfrontRingier, wo Sportler wie Lara Gut oder Fabian Cancellara unter Vertrag stehen. «Um wirklich gute Verträge zu bekommen, reicht ein Erfolg noch nicht», glaubt Meier. «Dafür braucht es eine gewisse Regelmässigkeit über mindestens zwei, drei Jahre. Erst recht in der Leichtathletik, die in kommerzieller Hinsicht eine Randsportart ist.»

Zu viele Sponsoren sind ungesund

Wie gross das Verdienstpotenzial für den 25-jährigen Hussein und die 22-jährige Kambundji ist, hängt auch davon ab, wie sie ihre Karriere in Zukunft gestalten. Wenn Hussein sein Medizinstudium wie geplant fortsetzt, bleibt seine Zeit für Sponsorenverpflichtungen neben Training und Studium beschränkt. «Mehr als drei Sponsoren liegen kaum drin, ohne dass Training und Erholung darunter leiden», sind sich Magyar und Zberg einig. Ähnlich sieht die Situation bei Kambundji aus, die in Bern an einer privaten Hochschule Wirtschaft studiert und grösstenteils in Mannheim trainiert. Hinzu kommt, dass eine erfolgreiche Partnerschaft glaubwürdig sein muss. «Die Athleten sollten sich identifizieren können mit einer Marke, für die sie einstehen.»

Kleiner Markt für Einzelsportler

Was die Werbeeinnahmen angeht, dürften die Bäume für die neuen Stars der Schweizer Leichtathletik vorläufig nicht in den Himmel wachsen. Dafür ist der Markt für Einzelsportler in der Schweiz zu klein. Gleichzeitig sollte es für Hussein und Kambundji in Zukunft möglich sein, sich ohne existenzielle Sorgen ihren sportlichen Ambitionen zu widmen. «Sie haben die Basis gelegt, um vom Sport gut leben zu können», sagt Fry. Magyar sieht das ähnlich: «Bis jetzt mussten sie für den Sport auf vieles verzichten, künftig sollten sie sich auch mal etwas über das Minimum hinaus leisten können.»

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