Willisauer Lions sind zu wenig bissig – und verlieren hauchdünn gegen den Erzrivalen

Der haushohe Favorit Willisau verliert den ersten Meisterschaftsfinal gegen Freiamt mit 18:17. Simon Gerber

Simon Gerber
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Dramatik pur in der Sporthalle Bachmatten im aargauischen Muri: Erst im letzten Durchgang entschied das überraschend stark auftrumpfende Freiamt den ersten Playoff-Final gegen den Meisterschaftsfavoriten Willisau Lions mit 18:17 in extremis. Der Jubel der Aargauer kannte keine Grenzen. Der Sieg gegen den Erzrivalen wurde euphorisch gefeiert.

Mittendrin Cheftrainer Marcel Leutert: «Der Sieg gegen den Rekordmeister ist fantastisch. Es zeigte sich einmal mehr, dass auch Favoriten straucheln können. Wir spürten keinen grossen Druck. Nach dem Sieg am letzten Samstag im zweiten Halbfinal gegen den Titelverteidiger Kriessern waren alle Ringer bis in die Haarspitzen motiviert», resümierte Marcel Leutert.

Der Freiämter Nils Leutert (links) gewann im Freistil (57 kg) gegen Timon Zeder sicher mit 2:0.

Der Freiämter Nils Leutert (links) gewann im Freistil (57 kg) gegen Timon Zeder sicher mit 2:0.

Bild: Corinne Glanzmann
(Muri, 7. Dezember 2019)

Nach der Pause habe der überragende Marc Weber die Wende eingeleitet und zuletzt habe auch noch der Youngster Yves Müllhaupt die Nerven behalten.

Enttäuschte Gesichter bei den Willisauern

Grosse Ratlosigkeit herrschte hingegen im Lager der Luzerner Hinterländer. Die vielen mitgereisten Fans rieben sich nach dem Schlusspfiff verwundert die Augen. Mit enttäuschten Gesichtern standen die Willisauer Ringer vor der Resultatverkündigung auf der Matte. Kaum einer hat mit einem solchen bitteren Ausgang gerechnet. Willisau-Präsident Markus Odermatt zeigte vor dem Match noch verhaltene Zuversicht:

«Ich habe ein gutes Gefühl. Die Mannschaftsaufstellung verspricht eine ausgeglichene Partie mit viel Spannung.»

Die 1500 Fans erwarteten packenden Ringsport und bekamen diesen ab dem ersten Fight im Hexenkessel der Sporthalle Bachmatten auch zu sehen.

Bild: Corinne Glanzmann
(Muri, 7. Dezember 2019)

Mal feierte das eine Lager der Halle, kurze Zeit das andere.

Bild: Corinne Glanzmann
(Muri, 7. Dezember 2019)

Bild: Corinne Glanzmann
(Muri, 7. Dezember 2019)

Im ersten Kampfabschnitt kippte das Momentum mit drei Siegen deutlicher als erwartet auf die Seite der Gäste. Die Luzerner triumphierten in den beiden schwersten Gewichtsklassen. Kranzschwinger Roman Zurfluh war dem Bulgaren Delian Alishahi körperlich und technisch unterlegen. Seine Defensivtaktik führte nach drei Verwarnungen zur Disqualifikation. Ebenfalls auf einen erfolgreichen Sägemehlathleten traf Samuel Scherrer. Er kam gegen Jeremy Vollenweider nach einem zu wenig sauber ausgeführten Angriff gleich zu Beginn in Rücklage. Danach fand der vielseitige Athlet sofort auf die Erfolgsspur zurück und gewann den Kampf am Schluss deutlich mit 18:2-Punkten. Bei den Leichtgewichtlern glänzte als einziger Dimitar Sandov mit seinen präzis angesetzten Durchdrehern gegen den talentierten Nino Leutert. Nach der Halbzeit führten die Willisau Lions mit 11:6 deutlicher als erwartet.

Samuel Scherrer (Willisau, links) gegen Jeremy Vollenweider (Freiamt).

Samuel Scherrer (Willisau, links) gegen Jeremy Vollenweider (Freiamt).

Corinne Glanzmann, Luzerner Zeitung

Willisau liegt bis zum letzten Kampf vorne

Nach der Pause kamen die Grafenstädter jedoch immer mehr unter die Räder. Für die Luzerner gab es durch den bisher ungeschlagenen Tobias Portmann nur noch einen einzigen Sieg. Die Gäste erhielten für die schwache Leistung nach der Pause vom Gegner eine schallende Ohrfeige verpasst. Stefan Reichmuth, der WM-Bronzegewinner, stellte sich in den Dienst der Mannschaft und trat für einmal in Greco an. Der WM-Held kam in dieser für ihn ungewohnten Stilart nicht zurecht und verlor gegen das Kraftpaket Marc Weber prompt mit 6:4. Auch Roger Heiniger und Mirco Studer brachten nichts Zählbares zu Stande. Vor dem letzten Duell des Abends lagen die Willisauer mit 16:15 vorne. Dem Altinternationalen Jonas Bossert gelang es in der Folge nicht, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Er hielt dem grossen Druck nicht stand und verlor gegen den passiv eingestellten Yves Müllhaupt unglücklich mit 9:3-Punkten.

Nach der überraschenden Niederlage war Thomas Bucheli, der Cheftrainer der Willisau Lions, schwer enttäuscht. «Wir haben Freiamt keineswegs unterschätzt. Wir liessen beim Gegner jedoch unerwartet viele Punkte liegen. Es darf uns nicht passieren, dass wir nach einer Führung bis zum zweitletzten Kampf den Sieg noch aus den Händen geben. Es bewahrheitete sich einmal mehr, dass Finalkämpfe ihre eigenen Gesetze haben», bilanzierte Bucheli. Nach dem 1:0-Rückstand sei noch nichts entschieden. «Am nächsten Samstag werden wir zu Hause und vor eigenem Publikum zurückschlagen und Freiamt zu einem dritten Kampf herausfordern», verspricht Bucheli selbstsicher.

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