Spono droht historisches Scheitern

Die Handballerinnen der Spono Eagles werden in Ungarn von Dunaujvaros mit 14:43 deklassiert und scheiden aus dem EHF-Cup aus. Mehr beschäftigt die Nottwilerinnen allerdings das grosse Verletzungspech.

Stephan Santschi
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Neli Irman fällt bis Januar mit einer Fussverletzung aus. (Bild: Philipp Schmidli (Nottwil, 7. Oktober 2018)

Neli Irman fällt bis Januar mit einer Fussverletzung aus. (Bild: Philipp Schmidli (Nottwil, 7. Oktober 2018)

Es war ein kümmerliches Bild, das die Spono Eagles am Samstag in der Sporthalle von Dunaujvaros abgaben. Nachdem sie das Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde im EHF-Cup zu Hause mit 21:35 verloren hatten, waren sie auch an der Donau in Zentral-Ungarn chancenlos und wurden mit 14:43 deklassiert. Trotz der Höhe war es aber nicht die Niederlage an sich, die zu denken gab, die musste so erwartet werden. Vielmehr ist es das schmale Kader, das derzeit für Kopfzerbrechen sorgt. In Dunaujvaros trat das Team nur noch mit acht Feldspielerinnen an, 14 wären maximal erlaubt. «Im Vergleich zur letzten Saison fehlen uns neun Spielerinnen», sagt Präsident Urs Wey. «Das ist eine sehr grosse Hypothek.»

Im Sommer haben bekanntlich sieben Akteurinnen den Verein verlassen. Lisa Frey und Xenia Hodel traten Engagements im Ausland an, Patrizia Ramseier, Tamara Aegerter und Tatiana Heini traten vom Spitzensport zurück, Patricia Arnet strich aufgrund fehlender Perspektive die Segel, Gianna Calchini studiert im Ausland. Gleichwertiger Ersatz fand sich nicht, weder qualitativ noch quantitativ. Das Kader war von Beginn weg dünn und nun hat auch die Verletzungshexe bereits markante Spuren hinterlassen. Ivana Ljubas fällt mit einer Muskelverletzung ebenso bis Januar aus wie Neli Irman mit einer Blessur am Fuss. Gar vorzeitig die Saison beenden muss Judith Matter, die einen Kreuzbandriss erlitt. «Es ist das eingetreten, was wir nicht gehofft hatten», stellt Wey fest.

Seit dem Aufstieg 1988 nie schlechter als Vierter

Dass man so im Europacup auf verlorenem Posten steht, erstaunt nicht und ist auch nicht weiter schlimm. Grössere Sorgenfalten dürfte allerdings der Blick auf die nationalen Herausforderungen bereiten. «Klar wäre es nun vermessen, Titelambitionen zu haben», sagt Wey zu seinem Team, das letzte Saison die Meisterschaft, den Cup und zu Beginn der neuen Spielzeit auch den Super Cup gewonnen hat. Dabei steht weit mehr auf dem Spiel als die Titelverteidigungen, den Spono Eagles droht sogar ein historisches Scheitern. Seit dem Aufstieg in die NLA im Jahr 1988 waren sie nie schlechter als auf Rang vier klassiert.

21 Tore – Pascale Wyder stellt einen Rekord auf

Die aktuelle NLA-Hauptrunde dauert noch bis Ende Januar, danach werden die vier Topteams die Finalrunde und der Rest die Abstiegsrunde bestreiten. Derzeit steht Spono auf Platz vier, am nächsten Sonntag gastiert das fünftklassierte GC Amicitia Zürich in der SPZ-Halle zum Direktduell am Strich. Wie die neue Realität aussehen könnte, zeigte sich am letzten Mittwoch, als das sechstklassierte Leimental im Achtelfinal des Schweizer Cups erst in der Verlängerung mit 45:42 bezwungen werden konnte. Dabei bedurfte es eines Exploits von Pascale Wyder, die als Erste seit der elektronischen Erfassung der Daten im Jahr 2001 in einem Duell zweier Teams der höchsten Liga 21 Tore erzielte. Der bisherige Rekord lag sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen bei 19 Treffern.

Wey sagt denn auch, dass man sich im In- und Ausland nach Verstärkungen umschaue, vielleicht könne in dieser Woche der erste Transfer vermeldet werden. «In erster Linie suchen wir nach Rückraumspielerinnen.» Dabei gehe es um die Überbrückung der Phase bis zum letzten Meisterschaftsspiel des Jahres am 17. November. «Im Januar erwarten wir dann Ljubas und Irman zurück. Wir werden uns jetzt nicht verrückt machen lassen. Wir haben immer noch genug Qualität, um Zürich, Leimental, Herzogenbuchsee und Yellow Winterthur hinter uns zu lassen.»

7. Runde: LK Zug – Rotweiss Thun 31:28 (19:12). LC Brühl – GC Amicitia Zürich 30:19 (13:7). – Rangliste: 1. LK Zug 7/12. 2. Brühl St. Gallen 6/11. 3. RW Thun 7/11. 3. 4. Spono Eagles 5/6. 5. GC Amicitia Zürich 7/6. 6. Leimental 5/1. 7. Herzogenbuchsee 6/1. 8. Yellow Winterthur 5/0.

Die nächsten Spiele. Freitag: Leimental – Yellow Winterthur (20.30). – Sonntag: Leimental – Brühl St. Gallen (16.00). Spono Eagles – GC Amicitia Zürich (19.00, SPZ). Herzogenbuchsee – LK Zug (19.00).