Ringen: Fast alles spricht für die Willisauer

Thomas Bucheli (Ringerriege Willisau Lions) und Marcel Leutert (Ringerstaffel Freiamt) im Interview vor dem dritten und entscheidenden Playoff-Kampf um den Schweizer-Meister-Titel im Ringen.

Simon Gerber
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Der Willisauer Samuel Scherrer (oben) dominierte am vergangenen Samstag den Freiämter Lukas Zurfluh nach Belieben.

Der Willisauer Samuel Scherrer (oben) dominierte am vergangenen Samstag den Freiämter Lukas Zurfluh nach Belieben.

Manuela Jans-Koch

Die Ausgangslage

Am Samstag steigt in der Willisauer BBZ-Halle (19.00) der alles entscheidende dritte Playoff-Kampf. Vergleicht man die beiden Teams miteinander, spricht (fast) alles für Willisau. Die Luzerner verfügen über das qualitativ beste Kader, sind in ­allen zehn Gewichtsklassen sehr gut positioniert und daher bei der Aufstellung schwierig auszurechnen. Der Hunger, sich nach 2015 wieder den Meisterpokal zu erkämpfen, ist bei den Lions gross. Willisau holte bisher 13 Titel, Freiamt deren 7.

Marcel Leutert (47), der Trainer der Freiämter, holte in seiner Aktivzeit fünfmal SM-Silber. Nach dem Rücktritt 2007 engagierte sich der Landwirt aus Ottenbach ZH als Cheftrainer der Freiämter, führte die Aargauer fünfmal in den Final und wurde mit ihnen 2008 und 2009 Meister. Nach einer längeren Auszeit übernahm Leutert die Ringerstaffel Freiamt in dieser Saison erneut. Nils und Nino, die Leuterts Zwillingssöhne, zählen zu den Leistungsträgern in den leichtesten Gewichtsklassen.

Thomas Bucheli (42), Freistilspezialist bis 84 kg, krönte seine glanzvolle Karriere mit 23 Meistertiteln. Als schönstes Erfolgserlebnis bezeichnet der gelernte Zimmermann Platz 8 an der WM 2008 in Budapest. Unmittelbar nach dem Rücktritt schlüpfte Bucheli 2010 in die Funktion des Cheftrainers. Fünf Jahre später führte der diplomierte Trainer Leistungssport die Lions zum 13. Meistertitel. In den beiden letzten Jahren setzte es in der Finalserie gegen Kriessern jeweils eine Niederlage ab. Die Luzerner mussten sich mit Silber begnügen.


Das sagt der Willisauer Trainer Thomas Bucheli

Thomas Bucheli, Trainer Ringerriege Willisau

Thomas Bucheli, Trainer Ringerriege Willisau

Wie ist die Stimmung im Team nach dem 1:1-Ausgleich am vergangenen Samstag?

Thomas Bucheli: Nach der unerwarteten Niederlage im ersten Kampf war der deutliche Sieg wie Balsam auf unsere Wunden. Es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Alle freuen sich nun auf den dritten und entscheidenden Kampf.

Welche Reaktion erwarten Sie von Freiamt am Samstag?

Die Aargauer treten gegen uns immer topmotiviert an, sie haben nichts zu verlieren und werden alles versuchen, mit ihrem eisernen Willen und der grossen Disziplin die Leistung aus dem ersten Kampf zu wiederholen.

Stand diese Woche eine spezielle Vorbereitung auf dem Programm?

Viel ändern müssen wir nicht. Das Selbstvertrauen ist nach dem Sieg riesengross. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen. Wir führten mit den Athleten individuelle Gespräche. Dabei lag der Fokus auf der Technik und der Taktik. Mental versuchen wir, wieder die gleiche Spannung wie vor einer Woche aufzubauen. Die Playoffs sind auch eine Kopfsache.

Wie gehen Sie mit dem Siegdruck um?

Druck ist immer vorhanden. Den macht man sich allerdings selber. Inzwischen können wir damit sehr gut umgehen. Eine gewisse Grundanspannung ist bereits vorhanden, die braucht es für eine starke Leistung.

Wenn man sich so kurz vor Weihnachten den Sieg wie einen Kuchen backen könnte, welche Zutaten würden dieses Rezept bestimmen?

Wenn dieses Gebäck gelingen soll, braucht es nebst einer gehörigen Portion Coolness absoluten Siegeswillen, gepaart mit Kampfbereitschaft. Ich würde diese Zutaten noch verfeinern mit viel Herzblut und einem guten Händchen bei der Mannschaftsaufstellung.

Welche ist die wichtigste Message, die Sie Ihren Athleten mit auf den Weg geben?

Als verschworenes Team auftreten und wie die Löwen von der ersten bis zur letzten Minute mit viel Biss kämpfen.

Wagen Sie eine Prognose?

Das dritte Duell dürfte bis zuletzt offen und spannend verlaufen mit einem hoffentlich positiven Ausgang für die Willisau Lions. Wenn es für uns keine überraschende Niederlage absetzt und wir das vorhandene Potenzial ausschöpfen können, tippe ich auf ein Endresultat mit 19:17.

Welche Schlagzeile möchten Sie am Montag in der «Luzerner Zeitung» lesen?

Willisau Lions holt den 14. Meistertitel.


Das sagt Freiamt-Trainer Marcel Leutert

Marcel Leutert, Trainer Ringerstaffel Freiamt

Marcel Leutert, Trainer Ringerstaffel Freiamt

Wie ist die Stimmung im Team nach dem 1:1-Ausgleich am vergangenen Samstag?

Marcel Leutert: Im ersten Moment waren wir bitter enttäuscht, nicht aber am Boden zerstört. Die Stimmung auf der Heimreise im Teambus war aber bereits wieder aufgeheitert und voller Vorfreude auf das dritte Duell.

Welche Reaktion erwarten Sie von Willisau am Samstag?

Wir sind immer noch der Unterdog und Willisau der haushohe Favorit. Mit dem 1:1-Ausgleich machten die Luzerner einen grossen Schritt zum Meistertitel. Diesen wollen sie am Samstag bestimmt nicht mehr aus der Hand geben. Sie werden uns von Beginn weg unter Druck setzen.


Stand diese Woche eine spezielle Vorbereitung auf dem Programm?

Nach einer langen Saison ändern wir nicht mehr viel. Neben Videoanalysen werden wir den Spassfaktor und den extrem guten Teamgeist in den Fokus stellen. In Einzelgesprächen legten wir fest, was wir im technischen und taktischen Bereich noch verbessern können.

Wie gehen Sie mit dem Siegdruck um?

Weder ich noch meine Athleten stehen unter Siegdruck. Vor dem zweiten Kampf war die Anspannung bei mir viel grösser. Der Finaleinzug war unser Saisonziel. Niemand hat uns zugetraut, dass wir gegen den Rekordmeister einen dritten Kampf erzwingen.

Wenn man sich so kurz vor Weihnachten den Sieg wie einen Kuchen backen könnte, welche Zutaten würden dieses Rezept bestimmen?

Absoluter Siegeswillen jedes Einzelnen und im Kampf mit Freude das Maximum herausholen. Zudem ist die Unterstützung durch unsere treuen Fans das Sahnehäubchen dieses finalen Duells.

Welches ist die wichtigste Message, die Sie Ihren Athleten mit auf den Weg geben?

Ein Duell auf der Matte dauert nur sechs Minuten. Während dieser Zeit das Beste aus sich herausholen, um am Schluss nach einem Sieg, aber auch nach einer Niederlage sagen zu können: Ich habe alles gegeben.

Wagen Sie eine Prognose?

Die Chancen stehen 50:50. Bezüglich des Resultats gebe ich keine Prognose ab. Die Vergangenheit hat schon oft gezeigt, dass bei einem dritten Finalkampf noch vieles möglich ist. Das hat auch Willisau in den letzten beiden Jahren gegen Kriessern erfahren müssen.

Welche Schlagzeile möchten Sie am Montag in der «Luzerner Zeitung» lesen?

Freiamt überrascht und ist Schweizer Meister.

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