Ringen
Jetzt gibt es Rahmschnitzel und Nüdeli: Wie die Fans den Willisauer Titel feiern

Beim Triumph der Willisauer Ringer ist die Stimmung in der BBZ-Halle ausgelassen. Drei Freunde krönen den Meistertitel mit einem feinen Nachtessen.

René Leupi
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Auch die kleinen Fans bejubeln den Erfolg ihrer Ringer.

Auch die kleinen Fans bejubeln den Erfolg ihrer Ringer.

Bild: Nadia Schärli (Willisau, 12. Dezember 2021)

Die Freunde Erwin, Stefan und Peter, alle im fortgeschrittenen Alter und mit grossem Fachwissen im Ringen, sind seit Jahren an jedem Heimkampf des RC Willisau vor Ort. Ihr Markenzeichen, ein blaues Sitzlaken, hat Stefan, der Leiter des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, bereits um die Mittagszeit an ihrem Stammplatz auf der Estrade der BBZ-Halle festgeklebt. Eine Stunde vor Kampfbeginn, beim lockeren Aufwärmen in der Festwirtschaft, stellen sie Hochrechnungen an, wie ihre Schützlinge den 16. Schweizer Meistertitel holen könnten. «Es wird eng, sehr eng», sagt Peter, der pensionierte Stadtschreiber. Erwin, ein ehemaliger Fussballer, liefert auch gleich die Begründung nach. «Könnten wir in den beiden schweren Gewichtsklassen auf die verletzten Stefan Reichmuth und Samuel Scherrer zählen, der Sieg wäre uns nicht zu nehmen.»

Während die drei sich langsam zu ihren Sitzplätzen aufmachen, kämpfen die beiden Fangruppen in der Arena bereits um die stimmliche Vorherrschaft. Die Freiämter setzen auf blaue und gelbe Luftballons, rhythmisches Tanzen und Fangesänge. Die Fans der Lions auf Pauken, Fahnen und ein fandeckendes Choreografie-Laken mit der Aufschrift «Die Löwen sind hungrig». Auf der Matte zeigen sich die Luzerner Hinterländer in der ersten Halbzeit dann weniger hungrig, als von den Fans gewünscht – 4:12 liegen sie in Rücklage.

Joel Meier jubelt.

Joel Meier jubelt.

Bild: Nadia Schärli (Willisau, 12. Dezember 2021)

Nach dem Stinkefinger kocht die Stimmung über

Wie immer nutzen die drei «Laken-Freunde» die Pause zur Analyse, wägen die Chancen der letzten fünf Kämpfe ab, um dann zum Schluss zu kommen, dass es wohl nicht reichen wird, sich den Titel vorzeitig zu sichern. Und sie schmieden schon einen Plan, wie sie sich den dritten und entscheidenden Kampf im Freiamt zu Gemüte führen wollen: im eigenen Klublokal, in einem ehemaligen Bauernhaus neben dem Kino Mohren mit Livestream und einem feinen Nachtessen. Und auch das Menü hat Koch Stefan schon im Kopf: Rahmschnitzel mit Nüdeli.

Doch dann überschlagen sich in der Halle die Ereignisse. Nach Magomed Ayskhanov’ Stinkefinger, der die Disqualifikation zur Folge hat, kocht die Stimmung über. Getränkeflaschen fliegen auf die Matte, die Halle bebt, scheint aus allen Fugen zu geraten. Der Russe in Diensten von Freiamt liefert mit seiner Undiszipliniertheit den Luzerner Hinterländern die Steilvorlage zum Sieg und lässt die Stimmung seiner Fans auf Nullkommanull sinken. Aber der Sieg von Randy Vock bringt die Zuversicht der Gästefans kurzzeitig zurück.

Die Willisauer Akteure lassen sich von den Zuschauerinnen und Zuschauern feiern.

Die Willisauer Akteure lassen sich von den Zuschauerinnen und Zuschauern feiern.

Bild: Nadia Schärli (Willisau, 12. Dezember 2021)

21.51 Uhr. Konsternation auf der einen Seite, Erlösung auf der anderen. Die Willisauer sprinten nach dem Sieg von Mansur Mavlaev auf die Matte, liegen sich in den Armen, die Fans klatschen, tanzen, feiern. Die Löwen haben ihren Hunger gestillt. Goldregen in Form von Papierschnitzeln fliegt auf die Matte, der Meisterbecher steht bereit zur Übergabe.

Krönung folgt im Klublokal

Zurück in der Festwirtschaft: Die drei Freunde stossen auf den Titel an, im Wissen, dass ohne den fehlbaren Russen ein dritter Kampf unumgänglich gewesen wäre. Am kommenden Samstag folgt im Klublokal, zusammen mit Gleichgesinnten, die Krönung. Einfach ohne Livestream und Nervenkitzel, dafür mit Rahmschnitzel und Nüdeli.