Karate
Kurzeinsatz und der Ärger danach: Fabienne Kaufmann sieht sich um den Sieg betrogen

Karateka Fabienne Kaufmann verpasst in Sursee den Schweizer-Meister-Titel und hadert mit den Schiedsrichtern.

Stephan Santschi
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Fabienne Kaufmann landet Treffer, die dann aber nicht zählen.

Fabienne Kaufmann landet Treffer, die dann aber nicht zählen.

Bild: Dominik Wunderli (Sursee, 5. Juni 2021)

Nein, so recht wusste sie nicht, was sie mit diesem Auftritt anfangen sollte. Fabienne Kaufmann, die 24-jährige Spitzenkarateka aus St.Erhard, die mittlerweile in Nottwil wohnt, trat an den Schweizer Meisterschaften in der Surseer Stadthalle als Favoritin an. Wegen Blessuren und der langen Coronapause war das Teilnehmerfeld indes derart ausgedünnt, dass in ihrer Kategorie +68 Kilo nur zwei Athletinnen am Start waren. Kaufmann trat also direkt im Final an, traf dort auf die Aargauerin Shomshanok Benz und verlor mit 4:8. «Eigentlich habe ich gut gekämpft, ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Ich dachte, ich hätte mehr Treffer gelandet, doch die Schiedsrichter haben anders entschieden», resümiert Kaufmann den enttäuschenden Ausgang, und sie hält fest: «Ich hörte den Knall nach meinen Treffern, entweder gibt es dann einen Punkt oder eine Verwarnung. Doch mehrmals ging es einfach weiter, das habe ich so nicht erwartet. Das war nicht fair.»

Die Elite-Schweizer-Meisterin aus dem Jahr 2018 und fünffache Junioren-Schweizer-Meisterin hatte sich ihr Comeback auf Schweizer Parkett also anders vorgestellt. Während über 18 Monaten hatte die Swiss Karate Federation wegen der Coronamassnahmen keinen Wettkampf mehr ausgetragen, der letzte Event waren ebenfalls die Schweizer Meisterschaften gewesen, im November 2019.

Kein Olympia, aber Hoffnung auf erste WM

Danach folgten viele Absagen und Verschiebungen, ehe nun in Sursee die Schweizer Meisterschaften der Swiss Karate League aus dem Jahr 2020 nachgeholt werden konnten. Normalerweise gehen dem Finalturnier drei Qualifikationsanlässe voraus, doch dafür war diesmal keine Zeit. Die besten Athleten qualifizierten sich direkt für die nationalen Titelkämpfe, inklusive Nachwuchs waren über 400 Sportlerinnen und Sportler im Einsatz.

Mehr Rückschlüsse auf ihre Wettkampfform konnte Fabienne Kaufmann Ende April ziehen. In Lissabon trat sie an einem K1-Event der Premier League an und klassierte sich inmitten der Weltelite auf dem siebten Platz.

«Ich hatte gute Kämpfe gegen Topleute, die sich noch für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren möchten. Der siebte Platz war deshalb ein riesiges Erfolgserlebnis»,

erzählt die Luzernerin, die neben dem Leistungssport zu 60 Prozent in der Luzerner Versicherungsberatung arbeitet und bei «Dein Trainer» Trainings leitet. Trotz dieses Exploits bleibt eine Teilnahme in Tokio ein Traum, dafür hatte sie zu wenige Gelegenheiten, um sich im Olympia-Qualifikationsranking nach oben zu arbeiten. «Alles ist stehen geblieben, ich habe keine Punkte sammeln können», erklärt Kaufmann, die in der Weltrangliste in der Kategorie +68 Kilo aktuell auf Platz 30 steht.

Fabienne Kaufmann im Angriffsmodus.

Fabienne Kaufmann im Angriffsmodus.

Dominik Wunderli (Sursee, 5. Juni 2021)

Fabienne Kaufmann legt nun eine Pause ein, ehe sie im Sommer wieder mit dem Aufbautraining beginnen wird. Auch ohne Olympia stehen attraktive Herausforderungen in Aussicht, zum Beispiel die K1-Turniere in Taschkent und Moskau im kommenden September und Oktober. Über allem steht aber die Hoffnung, erstmals an einer Elite-Weltmeisterschaft dabei zu sein – und zwar im November mit dem Schweizer Team in Dubai. «Mit meinem siebten Rang in Lissabon sehe ich gute Chancen auf ein Aufgebot», erzählt Kaufmann. Und dann findet sie doch noch etwas Positives an ihrem Auftritt vom Samstag in Sursee: «Ich werde künftig noch intensiver an meiner Beintechnik arbeiten und darauf achten, meine Treffer noch genauer aufs Ziel zu bringen.» Damit keine Zweifel mehr bestehen können, dass sie tatsächlich gepunktet hat.

Karate

Schweizer Meisterschaft in Sursee. Zentralschweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Frauen. Elite 18+. Kumite +68 kg: Fabienne 2. Kaufmann (Karateschule Sursee). – U21. Kata: 3. Vanessa Ziegler (Karateschule Sursee). – Kumite –61 kg: 3. Moira Dillier (Karate Taisho). U14. Kumite –50 kg: 3. Nadine Thormen und Açelya Keskin (beide Karateschule Schötz/Wauwil). – +50 kg: 3. Lilofee Kuster (Karateschule Schötz/Wauwil). – U12 Kumite –31 kg: 3. Imana Rösch (Karate Taisho) – +38 kg: 3. Anita Nakonieczna (Karateschule Schötz/Wauwil). – Kata. 10 Jahre: 1. Anita Nakonieczna (Karateschule Schötz/Wauwil).
Männer. Elite 18+. Kumite –84 kg: 3. Janis Bösiger (Karateschule Sursee). – U21. Kumite –60 kg: 3. Cattriel Perestrelo (Karateschule Sursee). –84 kg: 2. Janis Bösiger (Karateschule Sursee). 3. Elio Romano (Karate Taisho). Junioren. U18. Kumite –68 kg: 3. Yanis Gerber (Karateschule Sursee). – U16. Kata: 1. Len Kammermann (Karateschule Sursee). – Kumite –47 kg: 3. Noée Böhm (Karateschule Schötz/Wauwil). – U14. Kumite –50 kg: 3. Marx Maximilian (Karate Taisho). – U12. Kumite –39 kg: 3. Seya Hodel (Karateschule Schötz/Wauwil). – Kata 11 Jahre: 3. Seya Hodel (Karateschule Schötz/Wauwil). – 10 Jahre: 2. Marvin Ottiger (Karateschule Schötz/Wauwil).