Handball
Kriens-Luzern-Trainer Perkovac: «Hinten war das ein Totalausfall»

Kriens-Luzern verliert zu Hause gegen Pfadi Winterthur mit 34:36 und verpasst den Sprung an die Tabellenspitze.

Stephan Santschi
Drucken
Teilen

Die Szene hatte Symbolcharakter für den halbherzigen Auftritt des HC Kriens-Luzern. Die Mannschaft war in Überzahl, schaffte es zweieinhalb Minuten vor Schluss in den Gegenstoss, doch anstatt den 33:33-Ausgleich zu erzielen und später mit einem letzten Kraftakt vielleicht sogar noch den Sieg zu erzwingen, donnerte Filip Gavranovic den Ball alleine vor dem Tor an die Latte. Anders die Winterthurer: Sie machten im Gegenzug den Sack zu, fügten dem HCKL mit dem Score von 36:34 letztlich die erste Heimniederlage der Saison zu. «Absolut berechtigt», ärgerte sich der Krienser Geschäftsführer Nick Christen. «Die Arbeit in der Deckung war sehr ungenügend. Wir gingen nicht in die letzten Zentimeter, machten dem Gegner zu wenig weh.»

Der Rückschlag ist besonders schmerzhaft, weil die Zentralschweizer einerseits mit einem Sieg den ersten Platz hätten zurückerobern können. Und andererseits, weil ihr Kader komplett war, Pfadi Winterthur hingegen mit einem Rumpfteam angereist war. Gleich sieben Akteure fehlten verletzungsbedingt, darunter der Aufbauer Aleksandar Radovanovic und die beiden Defensivspezialisten Michal Svajlen und Stefan Freivogel. Und so kam es, dass die Gäste im Rückraum ohne Linkshänder antraten und mangels Alternativen den linken Flügelspieler Marvin Lier am Kreis auflaufen liessen.

Jud und Sidorowicz spielen mit Kriens Katz und Maus

Trotz der ungünstigen personellen Situation drückten die Winterthurer der Partie von Beginn weg den Stempel auf, führten nach drei Minuten und drei Gegenstössen bereits mit 3:0 und sollten während der gesamten Spielzeit nie in Rückstand geraten. Der Angriff der Krienser agierte fehlerhaft und ohne Zug aufs Tor, die Deckung wirkte träge, war mental nicht bereit. Bis zur 23. Minute setzte sich Pfadi auf vier Tore (14:10) ab, immer wieder fand es mittels Kontern, zweiter Welle und schneller Mitte zu grossen Lücken im gegnerischen Defensivverbund.

Nach dem Seitenwechsel steigerte sich der Angriff des HC Kriens-Luzern, die Verteidigung allerdings sollte nie ihr Rendement abrufen können. Kevin Jud (14 Treffer), Roman Sidorowicz (10) und Marvin Lier (4), die drei schlauen und wieselflinken Schweizer Nationalspieler in Diensten Winterthurs, spielten mit den grossen und kräftigen Kriensern phasenweise Katz und Maus – zusammen waren sie für 28 der 36 Tore verantwortlich. «Alles kam vom linken Rückraum oder durch die Mitte, eigentlich wäre es einfach gewesen, doch wir hätten viel näher an die Spieler heranstehen müssen», sagte Trainer Goran Perkovac und frustriert hielt er fest: «Wir begingen keine Fouls, blockten keinen Ball, das war eine desolate Abwehrleistung. In den letzten drei Jahren haben wir nie so schlecht verteidigt.» Auch die Goalieleistung war enttäuschend, Paul Bar kam nur auf eine Abwehrquote von 13 Prozent.

So viele Gegentore gab es unter Perkovac noch nie

Der Trainer des HC Kriens-Luzern Goran Perkovac.

Der Trainer des HC Kriens-Luzern Goran Perkovac.

Bild: PD

Tatsächlich hat Kriens-Luzern noch nie so viele Gegentore in einem Pflichtspiel erhalten, seit Perkovac im Juni 2018 das Amt an der Seitenlinie übernommen hat. Lag es am fehlenden Rhythmus? Schliesslich hatten die sonst abwehrstarken Krienser wegen eigener und gegnerischer Coronapausen in den letzten dreieinhalb Wochen nur ein Spiel absolviert. «Nein, ich glaube nicht, dass es daran lag», entgegnete Perkovac. «Vielmehr wirkten wir verkrampft. Aufgrund der Möglichkeit, wieder auf Platz eins vorzustossen, haben die Spieler wohl zu viel nachgedacht.» Dort steht an ihrer Stelle nun Pfadi Winterthur.

Wiedergutmachung leisten, können die Krienser nächste Woche und dies gleich doppelt. Am Donnerstag treffen sie auswärts auf Meister Kadetten Schaffhausen, am Samstag treten sie bei Abstiegskandidat Endingen an. «Wir müssen zurück zu unserer Stärke finden und wieder Zweikämpfe gewinnen», fordert Goran Perkovac. «Hinten war dies nämlich ein Totalausfall.»

Kriens-Luzern - Winterthur 34:36 (15:17)

Krauerhalle. – 50 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Strafen: 5-mal 2 Minuten plus rote Karte für Delchiappo (55./grobes Foul) gegen Kriens-Luzern, 7-mal 2 Minuten gegen Winterthur.

Kriens-Luzern:

Bar/Eicher; Wanner (2), Papez (3), Lapajne (4/4), Harbuz (1), Blättler (2), Gavranovic (7), Lavric; Oertli (6), Piroch (1), Delchiappo, Rellstab (3), Schlumpf (2), Idrizi (3).

Pfadi Winterthur:

Wipf/Shamir; Tynowski, Cohen (3), Jud (14/7), Sidorowicz (10), Bräm (3), Lier (4); Heer (2), Bührer.

Bemerkungen:

Kriens-Luzern komplett, Winterthur ohne Radovanovic, Freivogel, Ott, Vernier, Störchli, Pfister (alle verletzt) und Svajlen (geschont). Harbuz schiesst Penalty an den Pfosten (15./5:8).

Aktuelle Nachrichten