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Die Willisauer Ringer feiern ihren 14. Meistertitel bis zum Morgengrauen

Der Ringer Club Willisau Lions gewinnt den 14. Meistertitel in der Vereinsgeschichte.

René Leupi
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«Mer send Meischter, olé, olé, olé», tönte es am Samstagabend immer wieder durch die proppenvolle BBZ-Halle in Willisau. Um 21.20 Uhr setzte Jonas Bossert nach seinem finalen Sieg zu Luftsprüngen an, ballte seine Fäuste gen die Hallendecke und löste bei den Willisauer Fans eine Welle der Begeisterung aus. Die Athleten und der Staff stürmten auf die Matte, lagen sich in den Armen, sangen, tanzten, jubelten. Frenetisch. Minutenlang. Die Willisauer Lions hatten gerade zum 14. Mal den Schweizer-Meister-Titel im Mannschaftsringen erobert. Es war ein Kampf auf Biegen und Brechen, einer, der keinen Verlierer verdient hätte. Und als Trainer Thomas Bucheli den Meisterpokal in die Höhe stemmte, bebte die Halle, als hätte gerade eine Gerölllawine das Willisauer Schlossfeld erschüttert.

Es ist vollbracht: Die Willisauer lassen ihrer Freude freien Lauf.

Es ist vollbracht: Die Willisauer lassen ihrer Freude freien Lauf.

Corinne Glanzmann, Luzerner Zeitung

Hier die freudentaumelnden Hinterländer, da die enttäuschten Freiämter. Sie sind nicht die Verlierer dieser finalen Begegnung, sie sind die zweiten Sieger. Sie haben dem haushohen Favoriten alles abgefordert, ihn an den Rand einer Niederlage gedrängt. Die Fans aus dem Freiamt haben sich ausserdem eine goldene Auszeichnung verdient. Die «Gelb-Blaue Wand», zahlenmässig in der mit 2000 Fans gefüllten BBZ-Halle klar in Unterzahl, bot der roten Übermacht des Qualifikationssiegers akustisch Paroli. Der Papierregen vor dem Kampf liess die Willisauer Fans neidisch in das weite Hallenrund blicken. Auch in der Niederlage zeigten sie Grösse: Chapeau, wie sie dem Sieger Respekt zollten, ihm gratulierten, applaudierten.

Höhepunkt der Meisterfeier war die Medaillenübergabe. Jeder einzelne Athlet, alle Verantwortlichen wurden vom Speaker unter tosendem Applaus der Fans namentlich auf die Matte beordert. Sie alle erhielten von Géraldine Ruckstuhl drei Küsse auf die Wange gedrückt und die Goldmedaille umgehängt. Doch die Letzten mussten die Matte ohne Gold verlassen. Der Verband hatte zu wenig Auszeichnungen nach Willisau gebracht. «Der RC Willisau hätte die Anzahl der Medaillen zuvor melden müssen», kommentierte ein Mitglied des Ringerverbandes diesen Fauxpas, doch die Medaillen würden schnellstmöglich nachgeliefert. Ruckstuhl, die U23-Europameisterin im Siebenkampf aus Altbüron, beschrieb die Atmosphäre als cool, zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Ringer und versprach wiederzukommen. Auf die Frage, ob sie nun von der Leichtathletik zum Ringen wechseln würde, antwortete die 23-Jährige süffisant:

«Ich weiss nicht, ob ich solche Ringerohren haben möchte.»

«Jetzt wird gefeiert», forderte Präsident Markus Odermatt nach dem Kampf auf. Gefeiert haben die Luzerner den 14. Meistertitel gebührend. Das Festzelt vor der BBZ-Halle stand bis zum Morgengrauen unter «Strom». Traditionsgemäss wurde die Nacht im Morgengrauen mit einem (Kater-)Frühstück im Städtchen abgeschlossen. Doch bereits am Sonntagmorgen um neun Uhr waren wieder 30 Helfer, darunter auch etliche Schweizer Meister, mit den letzten Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Auch das gehört zum Ringen, auch das gehört zu den Willisau Lions.

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