Ringen
Die neue Lockerheit von Jonas Bossert

Der 31-Jährige stammt aus einer bekannten Ringerdynastie. Die Titelverteidigung mit Willisau wäre sein bisheriger Karrierehöhepunkt.

Simon Gerber
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Jonas Bossert (oben), hier gegen den Hergiswiler Patrick Kunz, ist diese Saison noch ungeschlagen.

Jonas Bossert (oben), hier gegen den Hergiswiler Patrick Kunz, ist diese Saison noch ungeschlagen.

Archivbild LZ

Jonas Bossert ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Ringer im Team der Willisau Lions. In dieser Saison ist der Greco-Spezialist in der NLA-Mannschaftsmeisterschaft noch ungeschlagen. Am letzten Samstag glänzte der 31-Jährige im ersten Playoff-Final gegen Freiamt erneut. In einer aufgeheizten Stimmung behielt er im letzten Duell des Abends die Nerven. Dank des 7:1-Punktesieges gegen Yves Müllhaupt gingen die Luzerner am Schluss als Sieger vom Platz. «Dieser Erfolg ist für mich eine grosse Genugtuung. Ich habe ihn sehr genossen», sagt Bossert. Vor zwei Jahren habe er gegen den gleichen Gegner im ersten Finalkampf verloren und sei sehr enttäuscht gewesen.

Die Konstanz in dieser Saison führt Bossert auf seine neue Lockerheit zurück. «Das Training hat nicht mehr die erste Priorität. Auch denke ich nicht mehr jeden Tag nur ans Ringen und fühle mich im Team sehr wohl.» Zu seinen Qualitäten zählen die mentale Einstellung, die exzellente Kampfübersicht und der gesunde Ehrgeiz. «Dazu ist Jonas sehr routiniert, technisch unglaublich versiert und kämpft auf der Matte sehr intelligent», lobt ihn der Co-Cheftrainer Philipp Rohrer. «Er zählt für mich im Mittelgewicht immer noch zum besten Greco-Ringer der Schweiz.»

Vater war Trainer beim ersten Willisauer Titel

Im Gespräch wirkt Bossert aufgestellt und offen. Er steht nicht gerne im Rampenlicht, die Scheinwerfer behagen ihm nicht besonders. Lieber verfolge er seine sportlichen und beruflichen Ziele, sagt er. Der gelernte Automechaniker mit Berufsmatura ist heute als Anlage- und Servicetechniker tätig. Er führt zusammen mit seinem Vater Hubert die Bossert Hoftechnik AG in Alberswil.

Die Ruhe und Gelassenheit von Jonas Bossert sind von einem stabilen Umfeld geprägt. Das Zusammensein mit seiner Frau Sabine und den beiden Kindern Jan (4) und Anna (3) sei ihm sehr wichtig.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses Sprichwort trifft auf Jonas Bossert aus der bekannten Ringerdynastie ganz bestimmt zu. Sein Vater Hubert wurde zweimal Schweizer Meister. Danach führte er als Trainer die Willisauer 1990 zum ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Zwei Onkel von Jonas Bossert sind in der nationalen Ringerszene ebenfalls bekannt – Werner Bossert als Präsident von Swiss Wrestling Federation, Joe Bossert als Fotograf für den «Willisauer Bote».

Es erstaunt deshalb nicht, dass für Jonas Bossert nie eine andere Sportart als Ringen in Frage kam. Als mehrfacher Schweizer Meister war der talentierte Athlet auch international erfolgreich unterwegs, verpasste jedoch 2016 die Teilnahme an den Olympischen Spielen. «Damals war ich sehr enttäuscht, doch das Leben ging weiter», sagt er und fährt fort: «Wir sind diesmal im Final nicht der Favorit. Wenn wir den Titel trotzdem verteidigen könnten, wäre dies für mich das bisher grösste Highlight in meiner langjährigen Karriere.»

Einsatz von Olympiaringer Reichmuth ist ungewiss

Am Samstag (19 Uhr, Sporthalle BBZ Willisau) kann im zweiten Finalkampf die Entscheidung fallen. Für Bossert ist der 16. Meistertitel trotz des Erfolgs am vergangenen Samstag aber noch nicht in trockenen Tüchern. Fraglich ist noch der Einsatz von Stefan Reichmuth. Der Olympiaringer verletzte sich im ersten Finalkampf am Oberschenkel. «Wenn alle Ringer gesund antreten können, liegt das Momentum – auch dank der Heimstärke – auf unserer Seite», glaubt Bossert. Wer den grösseren Willen aufbringe und mental besser eingestellt sei, werde die besseren Karten haben. «Wir dürfen gewinnen und bleiben locker. Das favorisierte Freiamt dagegen steht mit dem starken Kader und mit fünf auswärtigen Athleten gewaltig unter Druck», sagt Jonas Bossert.