Der Traum von Kanada wird wahr

Seit zwei Monaten studiert und spielt Oona Emmenegger in Montréal. Das erste Fazit der 18-jährigen Rainerin verdient Höchstnoten: «Ich habe meinen Traum verwirklichen können.»

Daniel Monnin
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Oona Emmenegger posiert in typischen College-Kleidern vor dem imposanten Hauptgebäude des John Abbott Colleges in Montréal. Bild: pd

Oona Emmenegger posiert in typischen College-Kleidern vor dem imposanten Hauptgebäude des John Abbott Colleges in Montréal. Bild: pd

Weg vom beschaulichen Rain mitten in die Weltstadt Montréal, weg vom «Hotel Mama» in ein gemütliches College-Apartment, kein Luzerner Dialekt mehr, sondern ein Sprachengemisch aus Französisch, Englisch und ein wenig Deutsch: Oona Emmeneggers Leben hat sich in wenigen Wochen komplett verändert. Die 18-Jährige ist glücklich, fasst ihre ersten Erfahrungen und neuen Einflüsse in und rund um das anglikanische John Abbott College in Sainte-Anne-de-Bellevue am Sankt-Lorenz-Strom im Südwesten von Montréal in zwei Sätzen zusammen: «Mir gefällt’s, alles ist bestens. Ich habe meinen Traum verwirklichen können.»

Rückblende: Den Traum vom Studium und Hockey in Übersee träumte die Rainerin schon lange. Dass alles plötzlich sehr schnell ging, war auch für sie eher überraschend. Die Initiative ging von U18-Nationalcoach Steve Huard aus, Oona Emmenegger griff zu und verpflichtete sich für das Team der John Abbott Islanders aus der Intercollégial-Liga der Region Montréal und das gleichnamige College, das einzig englischsprachige in der Region. Mit dabei ist eine langjährige Weggefährtin, die ehemalige U18-Teamkollegin Sydney Berta aus Meyrin. Der Einstieg in ein College ist eher ungewöhnlich, denn bisher haben fast alle Schweizerinnen erst später, nach abgeschlossenem Gymnasium, in die nordamerikanische Universitätsliga gewechselt.

Zurück von langsamem Genesungsprozess

Gemeinsam mit Sydney Berta und einer weiteren Mitbewohnerin aus China lebt Emmenegger in einem «kleinen aber feinen Apartment auf dem College-Gelände. Wir kochen selber, essen zusammen und putzen auch zusammen.» Das neue Zuhause sagt ihr zu, die Tatsache, mit Berta eine Bekannte an ihrer Seite zu wissen, hilft über die kleineren und grösseren Schwierigkeiten hinweg, mit denen sie nicht ganz überraschend konfrontiert wurde. «Die Umstellung von unserem Schweizer Schulsystem ans kanadische College-System war gross, aber ich habe mich relativ schnell anpassen können.»

Eine normale Lektion dauert am John Abbott College 1,5 bis 2 Stunden und pro Tag stehen zwei bis vier Lektionen auf dem Lehrplan. Dazu kommt ein Haufen neuer Lehrstoff und viele Hausaufgaben. Und das alles in englischer Sprache. Emmenegger besucht die Kurse in Sozialwissenschaften, will ihren Abschluss bis im Sommer 2020 machen. Das College muss sie selber bezahlen. Danach steht ihr die Universitätswelt offen und der zweite Teil ihres Traumes, an einer kanadischen oder amerikanischen Uni mit einem Stipendium zu spielen und zu studieren, könnte Wirklichkeit werden.

Sportlich geht’s mit der ehemaligen U18-Nationalspielerin wieder aufwärts. Nach einer zweiten Knorpelentzündung im Knie und einem langen Genesungsprozess hat sie erst vor wenigen Wochen schmerzfrei das Training wieder aufnehmen können. Wie im schulischen Bereich hat sich auch im Eishockey vieles komplett verändert: «Die Trainings sind sehr intensiv. Wir stehen dreimal die Woche auf dem Eis und dazu kommen vier bis fünf Off-Ice-Einheiten mit dem ganzen Team. Zusätzlich sieht das normale College-Programm weitere zwei Stunden Sportunterricht pro Woche vor.»

Die ersten Meisterschaftsspiele hat sie hinter sich: «Dem Team läuft es ganz gut, wir stehen in der Mitte der Rangliste.» Mit ihren Leistungen ist sie durchaus zufrieden, «auch wenn ich noch eine Weile brauche, um mich mit dem neuen Spielsystem vertraut zu machen und zu meiner Topform zu finden». Sie sei gespannt, «was alles noch auf mich zukommen wird und ich freue mich auf eine weitere, spannende Zeit in Kanada.» Heimweh lässt sie dabei gar nicht erst aufkommen – vielleicht später einmal, wenn die neuen Eindrücke sich gesetzt haben.

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