Beim HC Thurgau verkümmert, beim HC Ajoie gefeiert

Seit dem Wechsel vom HCT zum Ligakonkurrenten Ajoie im vergangenen Sommer befindet sich der 26-jährige Stürmer Lars Frei im Hoch. Heute Dienstag um 20 Uhr trifft er mit seinem neuen Team auf seine alten Kameraden. Und die Thurgauer sind gewarnt: Frei ist hinter den Kanadiern Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen drittbester Skorer der Jurassier.

Matthias Hafen
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Lars Frei (rechts, im Cupspiel gegen Kloten) fühlt sich im offensiv ausgerichteten Team des HC Ajoie pudelwohl.

Lars Frei (rechts, im Cupspiel gegen Kloten) fühlt sich im offensiv ausgerichteten Team des HC Ajoie pudelwohl.

Claudio Thoma/Freshfocus

Lars Frei wusste es schon immer. Und eigentlich auch der HC Thurgau. Sonst hätte ihn der Swiss-League-Klub im Sommer 2018 nicht von Aufstiegsanwärter Rapperswil-Jona nach Weinfelden geholt. Der Stürmer, der bei Uzwils U15 mehr Skorerpunkte sammelte als der heutige NHL-Profi Kevin Fiala, ist mit Talent gesegnet. Doch beim HCT, da geigte es nie so richtig. Frei begann unter hohen Erwartungen als Assistenzcaptain und wurde mit der Zeit bis in die vierte Linie durchgereicht. Am Ende der vergangenen Saison spielte er keine Rolle mehr im Team von Trainer Stephan Mair. Nach zwei Jahren verliess der 26-Jährige Thurgau wieder – nicht ohne Selbstzweifel.

«Ich hinkte in dieser Zeit meinem Spiel hinterher», sagt Lars Frei heute selbstkritisch. Das Vertrauen in sich ist mittlerweile zurück. Auch, weil er sich im vergangenen Sommer auf das Abenteuer Ajoie eingelassen hat. Die Jurassier – und speziell deren Headcoach Gary Sheehan – sahen das Potenzial, das in ihm schlummert. Und sie kitzelten es auch aus dem scheuen Ostschweizer heraus. In neun Spielen mit dem HC Ajoie hat Lars Frei schon mehr Skorerpunkte geholt als in der gesamten Saison 2019/20 mit dem HC Thurgau.

Hinter Devos/Hazen die Nummer drei

Hinter dem unerreichbaren Ausländerduo Devos/Hazen ist es Frei, der im Jura für Stimmung in der Offensive sorgt – und das meist ohne Hilfe der beiden Kanadier. Seine vier Tore und sieben Assists in sieben Ligaspielen sind aus Thurgauer Sicht ebenso beeindruckend wie die Abgebrühtheit, mit der Frei eine von Ajoies Powerplay-Formationen steuert. Beim HCT schier verkümmert, blüht der Ostschweizer im äussersten Zipfel der Schweiz auf. «Es harmoniert so richtig zwischen mir, dem anderen Flügelstürmer Devin Muller und Center Thibault Frossard», sagt Frei.

Auch sei das Spielsystem ein ganz anderes als bei Thurgau. «Wir pressen früh und warten nicht ab. Hier wird von dir verlangt, dass du immer agierst und nicht reagierst.» Das für Ajoie typische, schnelle Umschaltspiel und der stete Drang nach vorne kommen Frei offensichtlich entgegen. Auch lässt er durchblicken, dass ihm Sheehans Art mehr zusagt als die von Thurgaus Trainer Mair. «Gary ist total anders, probiert stets, dir zu helfen und will dich immer aufbauen. Er redet uns Spielern auch gut zu, wenn es nicht läuft.»

Vergangene Saison spielte Lars Frei (links) noch mit dem HC Thurgau gegen Ajoie.

Vergangene Saison spielte Lars Frei (links) noch mit dem HC Thurgau gegen Ajoie.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 31. Januar 2020)

Nach dem 1:7 am vergangenen Samstag in Kloten hatte Sheehan demnach viel Aufbauarbeit vor sich. Es war im siebten Spiel die erste Niederlage in dieser Saison für die Jurassier. «Eigentlich wollten wir ohne Niederlage aus unserer Auswärtsserie herauskommen», sagt Frei. Der Saisonstart lasse sich aber dennoch sehen. Weil in Pruntrut die neue Patinoire de Voyeboeuf erst kürzlich fertiggestellt wurde, absolvierte Ajoie bislang nur Auswärtsspiele. Die Partie von heute Dienstag um 20 Uhr gegen Thurgau ist die erste in der neuen Eishalle.

Hochachtung vor Thurgaus Saisonstart

Ebenso verblüffend wie sein eigener Saisonstart ist für Lars Frei der Lauf des HC Thurgau. «Ich bin erstaunt, was meine früheren Teamkollegen trotz der vielen Absenzen zustande gebracht haben», sagt er. Dennoch bereut er den Wechsel in den Jura nicht. «Sportlich hat er sich voll gelohnt.» Und dass sich der Ostschweizer auch neben dem Eis bestens integrieren kann, zeigt die Wohngemeinschaft, die er in Chevenez mit seinem Neuenburger Teamkollegen Thomas Hofmann unterhält.

Der nächste Basler für den HC Thurgau

Für das Auswärtsspiel von heute Dienstag um 20 Uhr gegen Ajoie kann Thurgau auf die Dienste von Lars Kellenberger zählen. Der 23-jährige Stürmer des EHC Basel kehrt mit einer B-Lizenz aus der MySports League zu seinem früheren Arbeitgeber zurück. Kellenberger soll in der vierten Linie als Center zum Einsatz kommen. Zuvor verpflichtete der HCT bereits den Thurgauer Verteidiger Silvio Schmutz mit einer B-Lizenz aus Basel. Das Lazarett der Thurgauer leert sich nur sehr langsam. Mit den Stürmern Derek Hulak und Patrick Brändli kann Trainer Stephan Mair frühestens im Heimspiel vom Freitag gegen Langenthal rechnen. Hingegen bleiben die beiden Rapperswiler Leihspieler Michael Loosli und Kay Schweri vorerst beim NLA-Klub, weil er aufgrund von Coronaquarantänen Personalsorgen hat.

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