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YB kriegt mit Ajax einen Gegner mit grossem Renommee – aber das Selbstvertrauen ist gross

Die Young Boys schauen nach dem Coup gegen Leverkusen mit Zuversicht und Selbstvertrauen auf das Duell mit Ajax Amsterdam im Achtelfinale der Europa League.

Simon Scheidegger
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Die Young Boys winken nach der Ankunft beim Stadion Wankdorf den wartenden Fans zu.

Die Young Boys winken nach der Ankunft beim Stadion Wankdorf den wartenden Fans zu.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 26. Februar 2021)

Lange müssen die Young Boys nicht warten auf ihren Gegner in den Achtelfinals der Europa League. Bereits als zweites Team zieht Hakan Yakin am Freitagmittag in Nyon die Kugel des Schweizer Meisters. Und lost ihn mit Ajax Amsterdam einem Gegner zu mit grossem Renommee im europäischen Klubfussball. Vor zwei Jahren zog der holländische Rekordmeister ins Halbfinale der Champions League ein und scheiterte nur aufgrund der Auswärtstorregel an Tottenham.

Sebastien Haller (links) und Dusan Tadic gehören bei Ajax Amsterdam derzeit zu den Stars.

Sebastien Haller (links) und Dusan Tadic gehören bei Ajax Amsterdam derzeit zu den Stars.

Bild: Maurice Van Steen/EPA

Doch Ajax glänzte schon viel früher auf europäischer Bühne. In den Siebzigerjahren gewannen die Holländer angeführt von Klublegende Johan Cruyff dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister, den Vorgängerwettbewerb der Champions League. Und sie gehören zum illustren Kreis von fünf Klubs, welche in den drei wichtigsten europäischen Klubwettbewerben mindestens einmal triumphierten.

Lustenbergers Schlafstörungen

Am Freitagnachmittag stehen einige Exponenten der Young Boys am Spielfeldrand des Wankdorfstadions und versuchen, ihre Gefühlslage der letzten Stunden nachzuzeichnen. Christian Fassnacht spricht von einer «unglaublichen Erleichterung», die er nach seinem entscheidenden Tor zum 2:0 verspürt habe, und Fabian Lustenberger erzählt, wie er bis tief in die Nacht nicht habe einschlafen können und sich stattdessen in den sozialen Medien und auf Onlineportalen umgeschaut habe, was geschrieben werde zu diesem erstmaligen Einzug der Young Boys in die Achtelfinals der Europa League.

Fabian Lustenberger (vorne) und Christian Fassnacht geben Interviews.

Fabian Lustenberger (vorne) und Christian Fassnacht geben Interviews.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 26. Februar 2021)

Etwa 50 Fans empfingen die Berner am Flughafen in Belp, und auf dem Weg ins Stadion wurde der Car von einem Hupkonzert begleitet. Doch im eng getakteten Spielrhythmus bleibt keine Zeit fürs grosse Feiern. Die Balance zwischen Ligaalltag und europäischer Kür ist keine leichte, eine aber, welche YB bis anhin in dieser Spielzeit gut gefunden hat. Sportchef Christoph Spycher sagt, es werde gegen Ajax wie schon gegen Leverkusen zweimal eine sehr disziplinierte und konzentrierte Leistung benötigen, um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben, und Trainer Gerardo Seoane weist darauf hin, dass die Holländer in der vorherigen Runde mit Lille gerade den Leader der Ligue 1 eliminiert hätten. «Aber wir werden bereit sein.» Am 11. März findet das Hinspiel in der Amsterdam Arena statt, eine Woche später folgt das Rückspiel in Bern.

Fünfjahreswertung: Noch drei YB-Siege fehlen für Platz 15

Nicht nur für YB, auch für den gesamten Schweizer Fussball ist der Erfolg gegen Leverkusen wichtig. Denn internationale Erfolge bringen Punkte für die Fünfjahreswertung der Uefa. Die Wertung ist entscheidend dafür, wie viel Startplätze eine Liga für die europäischen Wettbewerbe stellen darf.

Derzeit steht die Schweiz in der Fünfjahreswertung an 17. Stelle. Ab Position 15 würde nicht nur der Meister sondern auch der Vizemeister die Qualifikation zur Champions League bestreiten dürfen. Bei einem Ausscheiden wäre auch die Teilnahme an der Europa League möglich. Dies ist wichtig, weil ab der nächsten Saison drei Schweizer Mannschaften lediglich die Qualifikation zur neu geschaffenen European Conference League bestreiten.

Um sich noch auf den 15. Rang zu hieven, muss die Schweiz auf weitere Exploits von YB hoffen. Auf den Rängen 15 und 16 stehen mit Serbien und Zypern zwei Verbände, deren Teams schon ausgeschieden sind. Der Schweiz sitzt mit Kroatien (Dinamo Zagreb), Tschechien (Slavia Prag) und Griechenland (Olympiakos Piräus) jedoch auch die Konkurrenz im Nacken. Gewinnt YB noch drei Partien in der laufenden Europa-League-Kampagne würde die Schweizer Liga Serbien und Zypern überholen und auf den 15. Rang vorstossen. Er wäre für künftige Vizemeister von grosser Bedeutung. (rg)

Fassnachts Erinnerung

In den Voten der YB-Exponenten ist ein Selbstvertrauen zu spüren, das sie auch mit Zuversicht in dieses nächste Duell mit einem Grossen steigen lässt. Michel Aebischer erinnert an das Gesamtskore von 6:3 gegen Leverkusen und stellt fest: «Am Ende war es gar nicht so eng.» Manche mögen dies als Arroganz interpretieren, andere jedoch schlicht als ein Selbstverständnis und einen starken Glauben an die eigenen Fähigkeiten, die in den letzten vier Jahren gewachsen sind. Christian Fassnacht, der seine vierte Saison in Bern absolviert, meint, früher seien sie schon nur beeindruckt gewesen, wenn sie in einem grossen Stadion hätten spielen können, heute könne sich die ganze Mannschaft besser auf das Sportliche konzentrieren. Fassnacht sagt: «Der ganze Verein ist reifer geworden.»

Als Hakan Yakin zwischen 2005 und 2008 drei Saisons für YB spielte, trafen die Berner jeweils auf Erewan, Lokeren oder Lens und kamen nie weiter als in die zweite Runde der Uefa-Cup-Quali. Die Zeiten haben sich geändert. Dennoch sagt Lustenberger: «Wir müssen demütig bleiben und nicht das Gefühl haben, dass es nun einfach so weitergeht.» Der Captain meint, es sei vieles möglich, aber «wir machen keine Kampfansagen, sondern wollen es einfach geniessen».