Der Deutsche hat jetzt bis zum Saisonende fünfmal Gelegenheit, sich für weitere Aufgaben zu empfehlen.

Die Szenerie rund um den Nacht-Grand-Prix im Stadtstaat auf der durch 1500 Speziallampen ausgeleuchteten Strecke könnte für Heidfelds Comeback nicht treffender sein: raus aus der Dunkelheit, welche die Grand-Prix-Fahrer ausser Dienst zwangsläufig umgibt, weg vom Schattendasein, das die Rolle des Ersatzfahrers (bei Mercedes) respektive des Testpiloten (beim zukünftigen Reifenlieferanten Pirelli) mit sich brachte, und rein ins gleissende (Scheinwerfer-)Licht der einzigartigen Formel-1-Welt.

Als Ersatz für den nach dem Grand Prix von Italien entlassenen Pedro de la Rosa wird Heidfeld bei seinem dritten Engagement bei (BMW-)Sauber von Erwartungen und breit gefächerten Vorgaben begleitet. Peter Sauber erhofft sich durch die Rückkehr des in Stäfa ZH wohnenden Gladbachers neue Impulse. Nach der Fahrer-Rochade kann sich Sauber ausserdem ein Bild darüber machen, ob Heidfeld zu jenen Fahrern gehören wird, die für den Platz im zweiten Auto neben Kamui Kobayashi in der nächsten Saison infrage kommen.

Spekulationen ums zweite Cockpit

Über die Besetzung des zweiten Cockpits bei Sauber haben die üblichen Spekulationen längst eingesetzt. Als Kandidat wird unter anderen Felipe Massa genannt mit der Begründung, dass der Pole Robert Kubica schon auf die WM 2011 hin zu Ferrari wechseln und dort den Brasilianer ersetzen werde. Massa hatte vor dem Wechsel nach Maranello im Jahr 2006 bereits während dreier Saisons (2002, 2004, 2005) dem Team Sauber angehört.

Heidfeld seinerseits hat sich für seine Rentree resultatmässig keine Ziele gesetzt. «Vorerst muss ich das Auto verstehen und kennenlernen. Mit dem C29 bin ich zuvor keinen Meter gefahren. Dazu ist es wichtig, dass ich mich wieder im Team einlebe», sagte der Blondschopf, der sein letztes Formel-1-Rennen im vergangenen November beim Saisonfinale in Abu Dhabi bestritten hatte. Das Primärziel, die Angewöhnung ans Auto, scheint Heidfeld gelungen zu sein. In beiden Trainingseinheiten lag er lediglich eine Zehntelsekunde hinter Kobayashi zurück, der den Kurs allerdings erstmals befuhr.

Fünf GPs als Bewerbungstour

Heidfeld ist sich bewusst, dass er auch um seine Zukunft in der Formel 1 fährt. Die fünf ausstehenden Grands Prix werden für ihn zur Bewerbungstour. «Ich hoffe, mit guten Leistungen auf mich aufmerksam zu machen. Es bestehen Kontakte zu anderen Teams. Konkretes hat sich aber noch nicht ergeben.» Neben Sauber wäre Renault eine Option – vor allem dann, sollte Kubica die Franzosen trotz des bis 2012 gültigen Vertrags Richtung Maranello verlassen. Eine weitere Variante wäre das Team Force India, das die Kontrakte mit den Fahrern Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi (offiziell) noch nicht verlängert hat.

Heidfeld dürfte also über diese Saison hinaus in der Grand-Prix-Szene tätig bleiben – und so seinem Selbstverständnis gerecht werden. «Ich gehöre in die Formel 1», sagt der 33-Jährige mit Überzeugung. Dass dem nach wie vor so ist, kann er morgen im Qualifying von Singapur ein erstes Mal beweisen.