Sportmanagement
Ralph Krueger: «Der FC Basel hat Erfahrungen, die wir noch nicht haben»

Der ehemalige Eishockey-Naticoach und jetztige Vorstandsvorsitzende des Southampton FC nahm am FCB Business & Sport Summit teil und plauderte über seine erste Entlassung, wieso er in den Fussball gewechselt hat und ob es ihn zum FCB zieht.

Céline Feller
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Seit etwas mehr als einem Jahr ist Ralph Krueger im Fussball als Vorstandsvorsitzender tätig. Das Trainer-Gen hat er aber nach wie vor in sich: «Wenn wir im Rückstand sind, will ich immernoch auf den Platz springen und allen in den Arsch treten.»

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Ralph Krueger im Fussball als Vorstandsvorsitzender tätig. Das Trainer-Gen hat er aber nach wie vor in sich: «Wenn wir im Rückstand sind, will ich immernoch auf den Platz springen und allen in den Arsch treten.»

Keystone

Der FC Basel lud am Montagabend zum zweiten Mal zum «Business & Sport Summit» ein. Stand die erste Ausgabe noch unter dem Fokus „Kundendatenmanagement“, war dieses Mal die Digitalisierung der Gesellschaft das Hauptthema. Neben Patrick Warnking, Geschäftsführer von Google Schweiz, und Philipp Riederle, Digital Native-Experte, Jungunternehmer und internationaler Keynote-Speaker, der mit 13 Jahren seinen ersten Podcast veröffentlichte, sprach auch noch ein etwas weniger interneterfahrener Gast über die Digitalisierung: Ralph Krueger.

Krueger ist Vorstandsvorsitzender des Überraschungsteams der englischen Premier League, dem Southampton FC. Zuvor war er 13 Jahre lang Chef-Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft und Coach in der NHL bei den Edmonton Oilers – bis er per Skype entlassen wurde. «Ich war 25 Jahre lang Trainer. Alle haben mir gesagt, dass ich irgendwann entlassen werde», so Krueger. Für ihn sei diese Entlassung per Skype, als er mit seiner Familie in Davos in den Ferien war, seine grösste Niederlage auf professioneller Ebene. Das war im Juni 2013. Seither skyped er nur noch mit seinen Kindern.

Nach seiner Entlassung übernahm Krueger den Posten als Sonderberater bei Hockey Canada, um die kanadische Herren-Nationalmannschaft bestmöglich auf die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi vorzubereiten. Das gelang ihm: Team Canada gewann Gold. Danach wagte er den grossen Schritt weg vom Eishockey hin zum Fussball. «Dass ich zu Southampton ging, lag daran, dass ich mit meinen damals 53 Jahren nochmal gechallenged werden wollte.»

Mittlerweile hat er seit etwas mehr als einem Jahr das weisse Eis gegen den grünen Rasen eingetauscht. «Ich habe den Fussball immer respektiert, auch durch meine Beziehungen zu den ehemaligen Nati-Coaches Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld.» Die Anfrage des zurzeit Siebtplatzierten in der Premier League habe ihn aber doch sehr überrascht. «Ich musste in der Liga-Tabelle nachschauen, ob mich gerade tatsächlich ein Verein aus der obersten englischen Liga angefragt hatte.» In den Gesprächen mit der Aargauer Klubbesitzerin Katharina Liebherr habe er gespürt, «dass sich mir eine riesen Möglichkeit bietet. Eine Möglichkeit vor allem, mit der ich viel mehr bewegen kann als das im Eishockey je möglich wäre.»

Geschafft, was niemand ihnen zugetraut hat

Im letzten Jahr erreichte Southampton den 8. Tabellenplatz und überraschte damit ganz England. Im Sommer-Transferfenster verlor das Team aus dem englischen Süden danach diverse Team-Stützen wie Rickie Lambert, Adam Lallana oder Luke Shaw. Und trotz der gewichtigen Abgänge und insgesamt 28 abgewickelten Transfers – bei denen «es keine Regeln gibt, es viel komplexer ist als im Eishockey weil du da plötzlich mit der ganzen Welt und zig Beratern verhandelst» – steht der Southampton FC auch diese Saison wieder sehr gut da. «Alle haben gesagt, wir können nicht in Europa spielen. Jetzt sind wir noch drei Spiele davon entfernt, die Saison auf dem 7. Platz abzuschliessen und uns damit die Möglichkeit zu wahren, europäisch zu spielen.»

Neben möglichen zusätzlichen Geldern aus der Europa League kann Southampton ab 2016 ausserdem auf Extra-Millionen aus dem neuen Rekord-TV zurückgreifen, der jedem Verein in etwa 40 Millionen mehr garantiert. «Das wird uns, das kleine Southampton, in der Liste der Einnahmen aller Fussball-Klubs der Welt von Platz 25 in die Top 15 katapultieren.» Und die Gelder aus der TV-Vermarktung im Ausland werden momentan erst noch ausgehandelt.

Vorbild FC Basel

Doch trotz aller Gelder spielt in den diese Woche startenden Champions-League-Halbfinals nicht ein englisches Team mit. «Wieso die Top 6 der Liga momentan solche Probleme in der Champions League haben, wie man sie am Beispiel Liverpool dieses Jahr gesehen hat, das weiss ich nicht. Dafür müsste ich noch etwas tiefer in diese Welt einblicken können.»

Southamptons Führungsgremium habe gerade letzte Woche ganz klar entschieden, dass ein Weg in die Champions League gefunden werden soll. Man sei sich aber durchaus bewusst, dass «das ein hohes Ziel ist.» Als eine Art Vorbild diene auf diesem Weg der FC Basel: «Das ist ganz klar. Diese Beziehung und Diskussionen mit Bernhard (Heusler, Anm. d. Red.) sind sehr gesund. Basel hat als Klub Erfahrungen, die wir noch nicht haben. Dieser Verein hier wird so professionell geführt, seit das neue Stadion hier ist. Das ist eine neue Welt.» Er sei immer gerne beim FCB gewesen, nicht nur wegen dem, was im Stadion passiert, sondern wegen dem ganzen Drumherum. «Ich habe mir schon abgeschaut, was hier alles so abgeht.»

Ralph Krueger ist aber nicht nur vom «Vorzeigeverein FC Basel» fasziniert, wie er ihn immer wieder bezeichnet, sondern vom Fussball im Allgemeinen. «Ich überlege mir in den nächsten Jahren, ob ich in diesem Führungsbereich im Sport bleiben will, aber die Chancen sind gross. Auch, dass ich im Fussball bleibe.» Er lebe sich gerade in diese Welt ein, die «eben schon eine tolle Welt» sei. «Sagen wir es so: es müsste etwas Ausserirdisches passieren, damit ich nicht in dieser Welt bleibe.»

Ob es ihn dereinst zurück in die Schweiz verschlägt, die für ihn immer noch sein Zuhause sei, weiss er noch nicht. Auch ob er seine Position, die er momentan bei Southampton ausübt, irgendwann beim FC Basel ausüben könnte, will der gut gelaunte Krueger nicht wirklich beantworten. Sein «sag niemals nie» und seine Bewunderung für den FC Basel lassen aber alle Türen offen.