Startseite
Sport
Die Ausschreitungen in Barcelona nach der Abstimmung zur Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien manövrieren auch Tennisspieler Rafael Nadal in einen inneren Konflikt.
Am Boden zerstört sei er, sagt Rafael Nadal in Peking, am Tag, an dem in Barcelona über 90 Prozent der Katalanen für die Unabhängigkeit vom spanischen Königreich votiert hatten. Betroffen macht ihn nicht das Ergebnis, sondern die Begleitumstände. «Ich könnte heulen, wenn ich sehe, wie Spanien in eine solche Lage geraten ist», sagt der 31-Jährige. Dabei sei das Land ein «Vorbild für den Rest der Welt» für ein gutes Zusammenleben seiner Bürger.
In die Bestürzung mischen sich Sorge und Trauer. Einen Grossteil seines Lebens, «wichtige Momente», habe er in Katalonien verbracht und eine «derart radikalisierte Gesellschaft», wie er sich ausdrückte, überrasche und entmutige ihn. Er sei besorgt, beunruhigt, desillusioniert, wählte der 31-Jährige klare Worte. «Zu sehen, auf was wir zusteuern, schmerzt», sagt der 16-fache Grand-Slam-Sieger, der auf Mallorca aufwuchs und noch immer dort lebt.
Es sei nun nicht der Moment, um Schuldige zu suchen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden. Die spanische Zentralregierung in Madrid hatte das Referendum mit aller Macht verhindern wollen, und hatte dabei sogar die Abstimmungs-Software attackiert. Teilweise ging die Polizei mit Gewalt gegen protestierende vor, riegelte Wahllokale ab und konfiszierte Stimmzettel. Bei den Ausschreitungen wurden über 850 Personen verletzt.
Rafael Nadal hat sich schon vor der Abstimmung geäussert. Er sprach sich dezidiert gegen die Abspaltung Kataloniens aus und. «Ich denke, was am 1. Oktober passiert, sollte nicht stattfinden, denn aus meiner Sicht sollte jeder das Gesetz respektieren», sagte Nadal der spanischen Zeitung El Mundo Deportivo. «Ich fühle mich den Katalanen sehr nahe und fühle mich sehr spanisch. Spanien ist besser mit Katalonien und Katalonien besser mit Spanien.»
Nadal ist nicht der einzige Sportler, der sich in dieser Frage politisch exponiert hat. Josep Guardiola, der Trainer von Manchester City, früher langjähriger Spieler des FC Barcelona und danach auch Trainer, forderte die Unabhängigkeit der Region. «Es gibt keinen anderen Weg.» Die Proteste gehen unvermindert weiter. Am Montag kam es am Mittag zu einem Protestmarsch, für Dienstag riefen zahlreiche Gewerkschaften zu einem Generalstreik auf.