Mit einer beherzten und zunächst erfolgversprechenden Attacke zwei Kilometer vor der Ziellinie versuchte Oliver Zaugg, sich bei der ersten von drei aufeinanderfolgenden Etappen mit Bergankünften den Traum vom Sieg an einer grossen dreiwöchigen Rundfahrt zu erfüllen. Kurz vor dem Ziel auf 1600 Metern über Meer verfügte der 33-Jährige jedoch nicht mehr über genügend Kraftreserven, um sich gegen den heranbrausenden Ryder Hesjedal wehren zu können.

Im bis zu 20 Prozent steilen Finale wurde Zaugg 200 m vor der Ziellinie noch abgefangen; am Ende nahm ihm der Kanadier zehn Sekunden ab. "Auf der einen Seite bin ich enttäuscht, andererseits war dies kein schlechter Tag. Ich musste keine Teamarbeit verrichten und fühlte mich gut. Am Schluss war es mir unmöglich, Ryder Hesjedal etwas entgegenzusetzen", resümierte Zaugg.

Lange sah es sehr gut aus

In der Schlussphase der gestrigen Etappe hatte zunächst vieles darauf hingedeutet, als würde der Schweizer vom Team Tinkoff-Saxo erstmals seit seinem überraschenden Triumph bei der Lombardei-Rundfahrt 2011 wieder einen Sieg feiern können. Zaugg fuhr in einer Spitzengruppe, der zu Beginn des 9 km langen Schlussaufstiegs zur Bergstation Valle de Sabero in La Camperona zwölf Fahrer angehört hatten.

Schon 20 km vor dem Ziel, als der Vorsprung der Fluchtgruppe auf das Feld mit den Favoriten auf den Gesamtsieg sechseinhalb Minuten betragen hatte, war offensichtlich, dass der Tagessieger aus dem Kreis der Ausreisser kommen würde.

Zaugg hielt sich meist am Ende der Gruppe auf, innerhalb derer in Bezug auf das Gesamtklassement kein Fahrer aussichtsreich klassiert war, und vermochte bei jeder Tempoverschärfung den Anschluss zu wahren. Nachdem bereits fünf Fahrer hatten abreissen lassen müssen, setzte der Schweizer nach einer Attacke von Hesjedal zu einem Gegenangriff an und riss eine Lücke auf.

Der bald 34-jährige Nordamerikaner lag während anderthalb Kilometern rund zehn Sekunden zurück, ehe er den finalen Showdown lancierte. Für Hesjedal, den Gesamtsieger beim Giro d'Italia 2012, war es der erste Sieg in diesem Jahr. An der Spanien-Rundfahrt hatte er zum bis gestern einzigen Mal vor fünf Jahren eine Etappe für sich entscheiden können. "Von dem Moment an, als ich in der Gesamtwertung zu weit zurückfiel, ging es für mich darum, um Tagessiege zu kämpfen", sagte Hesjedal, der als 33. nun elf Ränge hinter Zaugg im Gesamtklassement geführt wird.

Contador baut Führung aus

Alberto Contador, Zauggs Leader im Team Tinkoff-Saxo, konnte als Zwölfter seine Führung in der Gesamtwertung um 22 Sekunden ausbauen. Er liegt nun 42 Sekunden vor seinem spanischen Landsmann Alejandro Valverde. Dieser hatte am Schlussanstieg als erster der Favoriten in der Verfolgergruppe attackiert, fiel bei der Konter-Attacke von Contador dann jedoch zurück. Einzig der Brite Chris Froome konnte auf den letzten Metern sieben Sekunden auf Contador herausfahren und ist nun mit 73 Sekunden Rückstand Dritter.

Am Sonntag steht im Norden Spaniens eine weitere Bergankunft auf dem Programm - diesmal bei den Seen von Covadonga. Der Schlussanstieg mit durchschnittlich 7,2 Steigungsprozenten wird dabei rund drei Kilometer länger sein als der gestrige. Eine Woche vor dem Ende der Vuelta sind in der letzten grossen Rundfahrt des Jahres noch sechs Schweizer vertreten. Nicht mehr dabei ist der Walliser Johann Tschopp, der krankheitsbedingt (Fieber) nicht zur gestrigen Etappe antreten konnte.